Projekt H2Haul bringt Brennstoffzellen-Lkw auf die Straßen

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H2Haul

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Führende europäische Hersteller von Lastkraftwagen, Zulieferer von Brennstoffzellen und Anbieter von Wasserstofftankinfrastruktur haben eine Zusammenarbeit angekündigt, um emissionsfreie Lkw und Wasserstofftankstellen zu entwickeln und zu testen. Das Konsortium des H2Haul getauften Projekts besteht aus dem Lkw-Hersteller Iveco, dem Antriebsspezialisten FPT Industrial Powertrain Producer und VDL ETS, ein Unternehmen der niederländischen VDL Groep, welche neue Fahrzeug-Konzepte untersucht, entwickelt, und testet und Prototypen vor allem für die transportbezogenen Aktivitäten anderer VDL-Unternehmen baut.

Die drei Unternehmen wollen drei neue Typen von Elektro-Lkw mit Brennstoffzellenantrieb bis zur 44-Tonnen-Klasse entwickeln und testen, darunter starre sowie knickgelenkte Fahrzeuge. Die Brennstoffzellensysteme für die Fahrzeuge werden in Europa von drei verschiedenen Anbietern hergestellt – ElringKlinger (DE), Hydrogenics (DE) und Powercell (SE). Das Projekt soll in den 2020er Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Vorbereitung des Marktes für den weiteren Einsatz der Technologie leisten und zum Erreichen des EU-CO2-Reduktionsziels für 2030 beitragen.

Insgesamt 16 Fahrzeuge sollen an Standorten in Belgien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz im Praxiseinsatz getestet werden. Die Lkw werden von einem deutschen Logistikunternehmen (für die BMW Group Logistik), Coop, Colruyt Group, Carrefour (Chabas und Perrenot) und Air Liquide betrieben. Die neuen Wasserstofftankstellen, die bei dem Projekt zum Einsatz kommen sollen, sollen eine schnelle und hochleistungsfähige Betankung ermöglichen und somit den Beweis erbringen, dass Brennstoffzellen-Lkw als direkter Ersatz für Dieselfahrzeuge mit gleicher Reichweite und Ladekapazität, aber ohne Emissionen dienen können.

Das von Element Energy koordinierte Projekt wird durch einen Zuschuss der EU über die europäischen Agentur FCH JU (Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking) in Höhe von zwölf Millionen Euro ermöglicht. Das Projektkonsortium umfasst auch die folgenden Organisationen: Air Liquide, Eoly, H2 Energy, Hydrogen Europe, IRU-Projekte, THINKSTEP, WaterstofNet.

„Wir sind sehr stolz darauf, Teil des ehrgeizigen, von der Europäischen Kommission unterstützten H2Haul-Projekts zu sein. Es ist eine strategische Initiative für Iveco, da Nachhaltigkeit seit langem ein zentraler Wert ist, der unseren 360-Grad-Ansatz für alternative Kraftstoffe und Antriebsstranglösungen vorangetrieben hat. Dieses Projekt wird eine Schlüsselrolle in unserer Strategie spielen, unser Angebot an emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeugen weiter auszubauen und zu verbessern und unseren Kunden eine Auswahl an Technologien für ihre grünen Flotten anzubieten.“ – Marco Liccardo, Leiter der globalen Produktlinie für mittelschwere und schwere Lkw bei Iveco

Pierpaolo Biffali, Vice President Product Engineering bei FPT Industrial, fügt hinzu, dass das H2Haul-Projekt von strategischer Bedeutung sei, um den europäischen Markt für emissionsfreie Lastkraftwagen voranzubringen. Brennstoffzellen-Lkw sollen als praktikable Lösung für die Langstreckenlogistik entwickelt werden, welche auch Zugang in städtische Gebiete mit Umweltzonen erlauben. Dies biete nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des gewerblichen Verkehrs sowie eine Verbesserung der Luftqualität in europäischen Städten, sondern eröffne auch die Möglichkeit, Wasserstoff durch Nutzung erneuerbarer Energien nachhaltig herzustellen.

„Durch H2Haul will VDL zusammen mit angesehenen Partnern einen besseren Einblick in die wirtschaftliche Anwendbarkeit von Wasserstoff-Transportlösungen für den Schwerlastmarkt gewinnen. Das Wasserstoff-Brennstoffzellensystem basiert auf der modularen Bauweise, die VDL für seine Fahrzeuge verwendet, sodass das System problemlos in andere Hochleistungsanwendungen integriert werden kann. Für die europäische Transportindustrie ist es strategisch wichtig, ein wirtschaftlich ressourceneffizientes Wasserstoffsystem für den Langstrecken-Schwerlastverkehr zu entwickeln, das die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert.“ – Menno Kleingeld, Geschäftsführer von VDL Enabling Transport Solutions (VDL ETS)

Es besteht ein wachsender Bedarf an emissionsfreien Fahrzeugen für alle Verkehrsträger“, sagt Ben Madden, Direktor von Element Energy. „Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge bieten das Potenzial, einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung des LKW-Sektors zu leisten, wenn sie mit erneuerbarem Wasserstoff betankt werden.“

Bart Biebuyck, Exekutivdirektor von FCH JU (Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking), sagt, dass schwere Nutzfahrzeuge auf EU-Ebene 27 Prozent der CO2-Emissionen im Straßenverkehr verursachen. Deshalb liege die Notwendigkeit der Einführung innovativer Antriebssysteme für saubere Energie auf der Hand und sei als dringend anzusehen. „Das H2Haul-Projekt wird eine Schlüsselrolle dabei spielen, zu demonstrieren, wie Brennstoffzellen und Wasserstoff perfekt zur Dekarbonisierung dieses Transportsegments geeignet sind, und gleichzeitig die führende europäische Wertschöpfungskette in diesem Bereich unterstützen.“

Quelle: Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking – Pressemitteilung vom 01.10.2019

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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