Premium-SUV Fisker Ocean soll auf MEB-Plattform von Volkswagen stehen

Premium-SUV Fisker Ocean soll auf MEB-Plattform von Volkswagen stehen
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Fisker

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Der Premium-SUV Fisker Ocean könnte das erste Auto außerhalb des VW-Konzerns sein, welches auf der dezidierten Elektroauto-Plattform MEB aufbaut. Auf Twitter sowie bei einer Präsentation für Investoren sagte Unternehmensschef Henrik Fisker, der Ocean soll 2022 debütieren und dank der Partnerschaft könne des Preis des Elektro-SUV nach Abzug staatlicher Förderungen unterhalb von 30.000 US-Dollar rutschen, womit er günstiger als vergleichbare Verbrenner wäre. Der Startpreis des Modells soll in den USA bei 37.499 Dollar liegen, umgerechnet etwa 32.700 Euro. Direkte Konkurrenten des Fisker Ocean sind Modelle wie das Tesla Model Y oder der rein elektrische Ableger des Volvo XC40.

Volkswagen bestätigte, über die Audi-Tochter Italdesign bereits gemeinsam mit Fisker an einem Prototyp gearbeitet zu haben – zu einer wie auch immer gearteten Partnerschaft allerdings wollten sich die Wolfsburger nicht äußern. Die Arbeit am Prototypen des Ocean gab dem VW-Konzern die Gelegenheit zu testen, wie ein anderer Hersteller sein eigenes Design auf der MEB-Plattform umsetzen kann.

https://twitter.com/henrikfisker/status/1283600832873693184

Volkswagen ist weiterhin offen für die Unterstützung von Kleinserienprojekten, welche die Vielfalt der denkbaren Konzepte auf der Grundlage der MEB-Plattform durch ihr emotionales Erscheinungsbild demonstrieren“, teilte ein Sprecher von Volkswagen in einer E-Mail an The Verge mit. „In Absprache mit Volkswagen hat die Audi-Tochter Italdesign die MEB-Plattform als Grundlage für die Entwicklung des Fisker Ocean SUV verwendet. Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Zusammenarbeit mit Fisker bei der Umsetzung eines Serienprojekts steht jedoch noch nicht fest.“ Auch Fisker lehnte es ab, sich während der noch laufenden Gespräche zu der möglichen Verbindung zu Volkswagen im Detail zu äußern.

Fisker wäre nicht der erste VW-Partner, der sich die Vorteile der MEB-Plattform zu eigen machen möchte. Bereits 2019 teilten VW und Ford mit, Elektroautos auf der MEB-Plattform auf die Straße zu bringen. Allerdings soll der erste Ford-MEB-Stromer erst ab 2023 herum in den Verkauf gehen, der Fisker Ocean soll schon früher debütieren. Das erste MEB-Elektroauto ist aber VWs ID.3, der in diesem Tagen im freiem Verkauf startet und ab Herbst erstmals ausgeliefert wird. Das zweite VW-Modell, der Crossover ID.4, soll ebenfalls noch in diesem Jahr debütieren und im August vorgestellt werden. Innerhalb des VW-Konzerns sollen bis 2025 gut 20 vollelektrische Fahrzeuge auf der MEB-Plattform die Portfolios von VW, Audi, Skoda und Seat schmücken.

Verwendung der MEB-Plattform spart Kosten und Zeit

Im Rahmen seiner jüngsten Präsentation vor möglichen Investoren sagte Henrik Fisker, die Verwendung der MEB-Plattform ermögliche es, den Ocean in „der Hälfte der Zeit und mit erheblich reduzierten Kosten“ auf den Markt zu bringen. Die Kosten für die Entwicklung einer eigenen Plattform für Elektroautos können in die Milliarden gehen. Wenn Volkswagen seine Plattform mit Gewinn weitergeben und andere Unternehmen damit wettbewerbsfähige Elektroautos auf den Markt bringen können, wäre dies eine Win-Win-Situation für alle.

Fisker wolle nicht nur Batterie und Antrieb, also die für den Vortrieb benötigten Teile des „Skateboards“ von Volkswagen für sich nutzen, sondern auch andere Teile wie etwa die Klimaanlage oder sogar autonome Fahrhardware und -software, heißt es. Denkbar sei auch, dass Fisker für den Bau der Autos Produktionskapazitäten von VW in Europa nutze. „Es ist dumm für jedes Elektroauto-Startup, ein eigenes Werk zu bauen“, sagte Fisker. „Du musst dein Ego aufgeben“, erklärte der frühere BMW- und Aston-Martin-Designer. „Sie können kein vertikal integriertes Unternehmen haben, in dem Sie alles selbst erledigen. Ein Großteil der Hardware in Fahrzeugen wird nicht mehr als eine Ware sein, und wird sind bereit, diese Ware mit jemand anderem zu teilen.“ Fisker wolle sich bei seinen Autos unter anderem auf ihr Design verlassen, um sich in einem stetig wachsenden Markt für Elektroautos von den Mitbewerbern abzuheben: „Emotionales Design wird in Zukunft im Vordergrund des Fahrzeugkaufs stehen“. Fisker wolle „in diesem Bereich führend sein, sowohl im Innenraum als auch dem Äußeren des Fahrzeugs sowie in der gesamten Benutzeroberfläche auf den Bildschirmen im Innenraum.“

„Unser Ziel ist es, das nachhaltigste Fahrzeug der Welt zu entwickeln“

Ein großer Teil der PR werde laut Fisker auf dem Thema Nachhaltigkeit aufbauen: „In der Autoindustrie haben wir viel zu tun, und unser Ziel ist es, das nachhaltigste Fahrzeug der Welt zu entwickeln. Es ist eine unserer Markensäulen. Wir wollen zu einer saubereren Welt beitragen.“ In dem Investoren-Papier heißt es auch, Fisker plane bereits zwei weitere Elektroautos auf MEB-Basis: Einen Pick-up sowie einen Crossover-SUV.

Über einen ungewöhnlichen Börsengang will Fisker noch in diesem Jahr das nötige Kleingeld für den Start der Produktion in Höhe von gut einer Milliarde Euro einsammeln: Fisker will mit dem von der Investmentfirma Apollo Global Management gegründeten Unternehmen Spartan Energy Acquisition Corporation fusionieren. Über die Fusion wäre Fisker automatisch an der Börse notiert. Läuft alles wie erhofft, könne schon Ende 2021 mit der Vorproduktion von gut 100 Stück des Ocean begonnen werden, etwa ein Jahr später soll dann die Serienproduktion beginnen. Bis 2023 will Fisker bereits einen positiven Cashflow erzielen. Dies sei dank der VW-Kooperation im Bereich des Möglichen.

Quelle: The Verge – Fisker wants to use Volkswagen’s EV platform to power its electric SUV // Fisker – Investor Presentation // Bloomberg – EV Startup Fisker in Talks With Volkswagen to Use Parts for SUV

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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