Plug-in-Hybride im Schnitt 265 Prozent über Normverbrauch

Plug-in-Hybride im Schnitt 265 Prozent über Normverbrauch
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Eine Studie des europäischen Dachverbands verschiedener Verkehrs- und Umweltorganisationen Transport & Environment (T&E) enthält neue, aber für viele wahrscheinlich nur wenig überraschende Erkenntnisse zu den realen CO2-Emissionen von Plug-in-Hybridautos (PHEV). Die Analyse mehrerer europäischer Studien zu realen CO2-Emissionen von Plug-in-Hybriden zeigt, dass die tatsächlichen Emissionen im Durchschnitt mehr als das Zweieinhalbfache der offiziellen Testwerte betragen.

Über seine Nutzungsdauer (inkl. der Emissionen, die bei der Erzeugung von Kraftstoff oder Strom anfallen) wird ein aktueller Plug-in-Hybrid rund 28 Tonnen CO2 ausstoßen, etwas weniger als ein herkömmliches Hybridauto ohne Stecker (33 Tonnen). Im Vergleich dazu stößt ein herkömmlicher Benziner 39 Tonnen und ein Diesel im Schnitt 41 Tonnen CO2 aus. Ein neues Batterie-Elektroauto hingegen wird während seiner Nutzungsdauer nur etwa 3,8 Tonnen CO2 verursachen.

Die Untersuchungen zeigen zudem, dass Plug-in-Hybride häufig ihren Verbrennungsmotor hinzunehmen, selbst wenn sie mit angeblich null Emissionen fahren. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass die CO2-Emissionen von PHEV im Realbetrieb viel mehr mit herkömmlichen Benzinern und Dieseln vergleichbar sind, denn mit reinen Elektroautos, so T&E.

Plug-in-Hybridautos haben sowohl einen herkömmlichen Verbrennungsmotor als auch eine Batterie und einen Elektromotor an Bord. Sie werden von Autoherstellern als emissionsarme Elektrofahrzeuge angepriesen, welche das beste aus zwei Welten unter einem Blechkleid in sich vereinen sollen und eine gängige rein elektrische Reichweite von mindestens 50 Kilometern aufweisen müssen, um in den Genuss von Förderungen zu kommen. Die Verkäufe von Plug-in-Hybriden steigen exponentiell, zum Teil im dreistelligen Prozentbereich.

Eine Attraktivität, welche die Hersteller in bare Münze umwandeln wollen: Allein in diesem Jahr werden in Europa fast 50 neue Plug-in-Modelle auf den Markt gebracht, womit sich die Gesamtzahl der verkauften Modelle auf mehr als 100 erhöht. Die Verkäufe werden in Deutschland neben der direkten Prämie auf den Kaufpreis auch durch großzügige Firmenwagensteuersätze getrieben.

117 Gramm CO2 je Kilometer statt den 44 Gramm aus den Labortests

Die Analyse der Datenbanken der realen Emissionen von PHEVs durch T&E zeigt, dass die Plug-in-Hybride im Schnitt eben nicht die 44 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren, wie es aus den offiziellen Labortests abzuleiten ist, deren Werte in die Verkaufsprospekte wandern und in die Berechnung der CO2-Flottenemissionen der EU einfließen. Tatsächlich ist es mehr als das Zweieinhalbfache dessen: 117 Gramm CO2 je Kilometer.

Dies liegt zum einen daran, dass die Teilzeitstromer häufig nicht ausreichend regelmäßig von ihren Besitzern aufgeladen werden. Andererseits seien die Stecker-Hybride oft im Verbrennermodus unterwegs, selbst wenn sich der Plug-in-Hybrid im vermeintlichen emissionsfreien Modus befindet, etwa wenn bei kalten Temperaturen die Heizung eingeschaltet ist. Auch wenn Fahrer stark beschleunigen, werde oft automatisch der Verbrenner hinzugeschaltet. Die Daten zu den realen Emissionen von PHEV hat T&E aus einer Vielzahl von Quellen zusammengestellt, mit Informationen zu rund 20.000 Plug-in-Hybriden aus Flotten oder von privaten Käufern.

Quelle: Transport & Environment – UK briefing: The plug-in hybrid con (PDF)

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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