Mercedes-Einkaufschef: Wandel zur Elektromobilität muss „atmen“ können

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Wilko Stark ist seit vergangenem Oktober neuer Einkaufschef bei Mercedes-Benz. In seinem ersten Journalisten-Gespräch in dieser Funktion äußerte er sich neben einigen anderen Themen auch zum Aufbau nachhaltiger Lieferketten für Elektroauto-Akkus, wie der Wandel zur Elektromobilität gestaltet werden kann und welche Rolle China auf diesem Weg spielt.

Stark, zuvor als Chefstratege unter anderem für Daimlers Zukunfts-Strategie CASE zuständig, sieht sich als Einkaufschef natürlich auch bei den Zukunftsthemen Konnektivität, Automatisiertes Fahren, Shared Mobility und Elektromobilität in der Verantwortung. Dies konnte er bereits mit einem 20 Milliarden Euro teuren Deal für die Lieferung von Batteriezellen für künftige Mercedes-Benz und Smart Elektroautos unter Beweis stellen. Mit langfristigen Deals wie diesem will sich Daimler die für seine Elektroauto-Offensive dringend gebrauchten Stromspeicher sichern: In den kommenden sechs Jahren sollen bei Daimler zehn reine Elektroautos und mehr als 130 weitere elektrifizierte Fahrzeug-Modelle (Plug-in- und Mildhybride) auf den Markt kommen. Stark rechnet, wie viele andere Automanager auch, im Jahr 2025 mit einem Elektroauto-Anteil von 15 bis 25 Prozent. Diese Prognose ergebe sich aus der immer strengeren Gesetzgebung in Sachen CO2 und der stetig steigenden Nachfrage.

Stark sagte in dem Gespräch, bei Daimler sei ein „gesteuerter Transformationsprozess“ hin zur Elektromobilität angestoßen. Eine seiner Hauptaufgaben sei nun, den Autoproduzenten effizienter zu machen, etwa über Modulstrategien und über mehrere Baureihen hinweg nutzbare Baukasten-Systeme. „Wir haben mehr Inhalte im Auto, die Fahrzeuge sind aber nicht wesentlich teurer geworden. Da müssen wir die Kosten beachten“, sagte er. Die Kostenstrukturen von Elektroautos wolle Daimler so schnell wie möglich auf das gleiche Niveau wie bei den Verbrennern bringen. Individuelle Mobilität dürfe wegen der Elektromobilität nicht teurer werden, so Stark.

Der Wandel hin zur Elektromobilität solle behutsam von Statten gehen, nach und nach soll in der Produktion der Anteil von Elektroautos steigen und der Anteil der Verbrenner sinken. „Das muss auch bei den Lieferanten so umgesetzt werden. Das soll atmen“, sagt Stark. Das gleiche Vorgehen erwarte Daimler auch von seinen Zulieferern.

Kunden sollen schneller von technologischen Fortschritten profitieren

Dass ohne China in der Autowelt von Morgen gar nichts mehr geht, habe man auch bei Daimler erkannt: Bei Batteriezellen, Zellchemie, Konnektivität und digitalen Diensten seien die Chinesen „weltweit vorn. Da haben wir in Europa keine Lieferanten, die das können und auch die US-Zulieferer können das nicht.“ Vor allem die Zelllieferanten aus China haben demnach „dramatisch“ an Bedeutung gewonnen. Eine nachhaltige Lieferkette habe auch und gerade bei diesem so relevanten Bauteil hohe Priorität, so Stark, ein Kontrollsystem für die relevanten Zulieferer solle dies sicherstellen. „Wir haben rund 700 Qualitätsingenieure, die sich darum kümmern“, erklärte Stark.

Dass die Energiespeicher für Elektroautos dank immer intensiverer Forschung immer günstiger und leistungsfähiger werden, steht für Stark außer Frage. Bei der Energiedichte etwa erwartet er alle zwei Jahre eine Verbesserung um gut acht Prozent. Die Kunden sollen von diesen Entwicklungen zeitnah profitieren. „Wir werden diese Verbesserungen nicht erst nach einem Modellzyklus an die Kunden weitergeben, sondern in Zukunft deutlich schneller“, versicherte Stark.

Quellen: Ecomento – Mercedes will Elektroauto-Fortschritte zeitnah in Serie bringen // Automobil Industrie – Mercedes-Einkaufschef Stark: Neue Stärke der chinesischen Zulieferer

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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strauss:

das passt wie eine faust aufs auge. die Batterien werden besser und billiger und bei vw und Daimler möchte man die preise für die e Kleinwagen hoch halten. weil dies gar nicht anders ginge?preigünstiger als elektrisch kann ein auto gar nicht gebaut werden! da ist ja nichts mehr drin….. hinten und vorn hohlräume…………..bitte der kundschaft keine märchen erzählen.

nightmare:

„Mercedes-Einkaufschef: Wandel zur Elektromobilität muss „atmen“ können“
Das ist ja super das Mercedes die Verbrennerproduktion ab sofort einstellt damit man atmen kann.
Wird ja auch höchste Zeit.

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