E-Autos in Europa: Stagnation 2024, Wachstum ab 2025 erwartet

E-Autos in Europa: Stagnation 2024, Wachstum ab 2025 erwartet
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Der europäische Markt für Elektroautos steht im Jahr 2024 vor erheblichen Herausforderungen. Die Verkaufszahlen dürften zwar in Gesamt-Europa stabil bleiben, in mehreren wichtigen Märkten jedoch zurückgehen, was hauptsächlich auf das Ende staatlicher Subventionen und wirtschaftliche Unsicherheiten zurückzuführen ist. Besonders in Deutschland, dem größten Markt für Elektroautos in Europa, wird ein deutlicher Rückgang erwartet. Hier könnten in diesem Jahr rund 131.000 weniger Elektroautos als im Vorjahr verkauft werden, was einem Rückgang von 25 Prozent entspricht. Und somit deutlich mehr, als in früheren Analysen des Automobil-Analysten Matthias Schmidt vermutet.

Schmidt führt diese Entwicklung auf das Ende der staatlichen Kaufprämien im Dezember 2023 zurück, die zuvor den Absatz stark gefördert hatten. Die Nachfrage, insbesondere von gewerblichen Käufern, zeigt sich nun rückläufig, nachdem die Förderungen in diesem Bereich bereits im Herbst 2023 planmäßig ausgelaufen sind. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in Schweden, wo die Regierung bereits Ende 2022 die Subventionen für den Kauf von Elektroautos gestrichen hatte. Viele Käufer:innen hatten ihre Bestellungen noch vor Jahresende 2022 aufgegeben, um die Prämien zu sichern, was die Verkaufszahlen für 2023 künstlich in die Höhe trieb. Für 2024 wird jedoch ein Rückgang von etwa einem Viertel erwartet, da neue Bestellungen ausbleiben.

Auch in Norwegen, das weltweit den höchsten Anteil an Elektroautos aufweist, sind die Verkaufszahlen bereits im letzten Jahr um 24,3 Prozent gesunken, allerdings in einem schon sehr gesättigten Markt. Für 2024 wird ein weiteres Jahr ohne Wachstum erwartet, was unter anderem auf die Wiedereinführung der Mehrwertsteuer auf teurere Elektroautos im Jahr 2023 zurückzuführen ist. Diese Maßnahme führte dazu, dass viele Käufer:innen ihre Anschaffungen vorzogen. Diese früher angeschafften Einheiten fehlen entsprechend in den Folgejahren.

Frankreich und Belgien als Hoffnungsträger des E-Automarktes

In Frankreich und Belgien sind die Aussichten hingegen etwas positiver. In Frankreich fördert die Regierung weiterhin den Kauf von Elektroautos durch verschiedene Anreize. Dazu gehört ein Leasing-Programm für einkommensschwache Haushalte, das jedoch bereits im Frühjahr 2024 seine Kapazitätsgrenze erreichte. Diese Programme, zusammen mit einer Subvention von 4000 Euro für Elektroautos unter 40.000 Euro (noch laufend), stabilisieren die Nachfrage. Belgien könnte sogar das höchste Wachstum in Europa verzeichnen, was vor allem auf steuerliche Anreize für Unternehmen zurückzuführen ist. Die Nachfrage nach Elektroautos könnte hier um 50 Prozent steigen, da die steuerliche Absetzbarkeit von Plug-in-Hybriden und herkömmlichen Autos schrittweise abgeschafft wird.

In Großbritannien steht 2024 eine bedeutende Veränderung an. Eine neue Verpflichtung verlangt, dass 22 Prozent aller neuen Autos emissionsfrei sein müssen. Diese Regelung könnte die Elektroauto-Verkäufe im Vereinigten Königreich erheblich ankurbeln. Dennoch wurde die Prognose für den Anteil der Elektroautos am Gesamtmarkt im August von 19,8 auf 18,5 Prozent gesenkt. Dies zeigt, dass die Hersteller trotz der neuen Vorschriften vorsichtig agieren und möglicherweise durch Preisanpassungen versuchen, ihre Flottenziele zu erreichen. Für Europas Gesamtmarkt, der sich aktuell knapp ein Prozent über dem Vorjahr bewegt, wird für das Jahr 2024 erwartet, dass er auf 2023er-Niveau stagniert bzw. nur geringfügig wächst.

Zukunftsausblick: 2025 und darüber hinaus

Für das kommende Jahr wird erwartet, dass der Markt für Elektroautos in Europa wieder deutlich an Fahrt aufnimmt. Ein wesentlicher Treiber dafür sind die verschärften CO₂-Ziele der Europäischen Union, die ab 2025 eine Reduktion der Flottenemissionen um weitere 15 Prozent vorschreiben. Hersteller sind gezwungen, mehr E-Autos zu verkaufen, um hohe Strafzahlungen zu vermeiden. Zusätzlich wird ab 2026 der Utility Factor für Plug-in-Hybride angepasst, was zu einer Erhöhung der CO₂-Emissionen dieser Autos führen wird. Dies könnte die Nachfrage nach reinen Elektroautos weiter steigern, da Hersteller und vor allem gewerbliche Kunden versuchen, die strengeren Emissionsvorgaben einzuhalten.

Schmidt fasst die aktuelle Lage damit zusammen, dass sich der Markt für Elektroautos in Europa derzeit in einer schwierigen Phase befindet, die von rückläufigen Verkaufszahlen in einigen der größten Märkte geprägt ist. Hauptursachen sind die Reduzierung staatlicher Subventionen und wirtschaftliche Unsicherheiten, die viele potenzielle Käufer zurückhaltend machen.

Positive Signale kommen jedoch aus Ländern wie Belgien und Großbritannien, wo politische Maßnahmen das Wachstum des Marktes unterstützen könnten. Im kommenden Jahr werden strengere Emissionsvorschriften und die zunehmende Verfügbarkeit von günstigeren Elektroautos den Markt wieder beleben.

Quelle: Matthias Schmidt – H1 2024 – European Electric Car Market Intelligence Study

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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