Marktbetrachtung: Investitionen in E-Mobilität in Polen

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Im vergangenen Jahr wurden in Polen fünf große E-Mobilitätsprojekte umgesetzt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von zwei Milliarden Euro. Die für das laufende Jahr geplanten Investitionen sollen bis zu 7000 neue Arbeitsplätze in der polnischen E-Mobilität schaffen. Gleichzeitig wächst der Anteil der E-Autos in Polen langsamer als in den anderen europäischen Ländern. Mit gerade mal 20 000 E-Autos (kumuliert BEV und PHEV) und 3000 Ladepunkten im Land ist Polens E-Autobegeisterung ausgesprochen bescheiden. Um so mehr steigt in den letzten Jahren die Bedeutung dieses Sektors für den Außenhandel.

“Bereits heute werden in unserem Land 30 % aller in Europa hergestellten Batterien für Elektrofahrzeuge produziert. Auch die Zahl der polnischen Unternehmen, die eine Produktion im breit verstandenen Bereich der Elektromobilität entwickeln, wächst ständig, ebenso wie das Bewusstsein und das Interesse der Öffentlichkeit. Unser Land entwickelt sich in der E-Mobilitätsbranche bereits dynamisch und in Zukunft haben wir die Chance, an die Spitze dieses Segments vorzudringen,” sagte Krzysztof Drynda, Vorsitzender der Polnischen Investitions- und Handelsagentur bei der diesjährigen Jahrestagung der Polnischen Kammer für Entwicklung der E-Mobilität.

Zum Kern der polnischen E-Mobilitätsbranche zwei Bereiche. Ein Bereich ist die Herstellung von elektrischen Stadtbussen. Es gibt inzwischen insgesamt sieben Betriebe, die in Polen elektrische Busse produzieren. Ansonsten ist die Batterieherstellung mittlerweile zum wesentlichen Bestandteil des polnischen Warenexports geworden.

“Der Wert der Ausfuhren von Lithium-Ionen-Batterien für das Jahr 2021 nach einem Anstieg um mehr als 60 % im Jahr 2021 lag bei über 6,6 Mrd. PLN. Batterien und andere Komponenten, die für den Bau des elektrischen Verkehrs erforderlich sind, sind hochkarätige Produkte, die Investitionen in ein modernes Produktionsmodell erzwingen,” meint der Leiter des PIRE Knowledge Hubs Rafał Biszcz.

In den letzten fünf Jahren wurden in Polen insgesamt 9 südkoreanische und 6 chinesische Investitionen umgesetzt. Darauf entfiel ein Großteil auf die Batterieherstellung. Es ist insbesondere die LG Chem und SK Innovation, die in Polen investiert haben. Der wichtigste Betrieb des Unternehmens in der Nähe von Wroclaw zählte 2019 zu den größten Betrieben dieser Art in der Welt. Die wichtigste Investition eines europäischen Unternehmens stammte von Northvolt (Schweden) statt. Northvolt baute seinen Betrieb im Norden Polens an der Ostsee.

Die polnische Kammer für Entwicklung der E-Mobilität geht in ihrem Jahresbericht davon aus, dass in den nächsten Jahren weitere 21 Investitionen in Polen realisiert werden könnten. Die Mehrheit von ihnen stamm von Firmen aus Asien. Erstmals ist auch die Rede von japanischen Unternehmen. Begünstigt wird diese Entwicklung davon, dass die in Polen ansässigen Autohersteller, wie z.B. Stellantis (Marke JEEP), Fiat und Alfa Romeo immer mehr Elektroautos produzieren und dafür entsprechende Batterien benötigen. Folgerichtig haben sich vor Ort Zulieferbetriebe und Lieferketten gebildet.

Zu den problematischen Seiten der Investitionen in E-Mobilität zählt ihre starke geografischen Konzentration auf den Südwesten des Landes. Die polnische Seite versucht daher mehr Investoren aus diesem Sektor für den Norden und den Osten Polens zu gewinnen. Die Investitionsunterstützung seitens der öffentlichen Hand kann z.B. in der infrastrukturschwachen Region an der Masurischen Seenplatte bis zu 50 % betragen.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

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