Bald eine Million öffentliche Ladepunkte in Europa verfügbar

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 5 min

Europa hat mit der Überschreitung von 900.000 öffentlichen Ladestationen für Elektroautos einen bemerkenswerten Meilenstein in seinem Übergang zu einem nachhaltigen Verkehrssystem erreicht, schreibt EV Markets Report. Dies sei ein wichtiger Indikator für den Fortschritt, den der Kontinent bei der Erreichung seiner ehrgeizigen Klimaziele mache. „Der rasche Ausbau der Ladeinfrastruktur in Europa ist nicht nur eine Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, sondern auch ein entscheidender Faktor für die breite Einführung umweltfreundlicher Verkehrsmittel“, heißt es in dem Report.

Von 2021 bis 2024 verzeichnet das europäische Ladeinfrastrukturnetz demnach eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 55,4 Prozent. „Dieses beeindruckende Wachstum zeigt die starke Dynamik Europas beim Ausbau der E-Mobilitätsinfrastruktur und positioniert den Kontinent als weltweiten Vorreiter bei der Umstellung auf Elektromobilität“, heißt es. Trotz dieses schnellen Wachstums sei Europa jedoch noch weit davon entfernt, die ehrgeizigen Ziele der Europäischen Union zu erreichen. Nach Angaben des Verbands der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) werden in Europa bis zum Jahr 2030 bis zu 8,8 Millionen Ladepunkte benötigt, um den erwarteten Anstieg der Elektromobilität zu unterstützen, wird im Bericht ausgeführt. Mit mehr als 900.000 Ladepunkten Mitte 2024 bestehe noch eine erhebliche Lücke, die es zu schließen gelte.

Die Verteilung der Ladepunkte in Europa konzentriert sich nach wie vor stark auf einige wenige Schlüsselländer. „Auf die Niederlande, Deutschland und Frankreich entfällt zusammen fast die Hälfte aller Ladepunkte in Europa. Diese Konzentration spiegelt sowohl die Marktreife als auch die strategischen Investitionen dieser Länder wider„, ist im Report zu lesen.

Jede fünfte Ladesäule steht in den Niederlanden

In den Niederlanden gibt es demnach 169.216 öffentliche Ladepunkte, was 19,5 Prozent des gesamten europäischen Netzes entspricht. „Das starke Engagement des Landes für die Einführung von E-Fahrzeugen, unterstützt durch staatliche Anreize und eine robuste Infrastruktur, macht es zu einem Vorbild für andere Länder“, heißt es in der Analyse. Deutschland folgt mit 152.332 Ladepunkten dicht dahinter, während Frankreich 119.481 Ladepunkte verzeichnet. „Zusammengenommen sind diese Länder von zentraler Bedeutung für die europäische E-Fahrzeug-Landschaft, da sie sowohl städtische als auch ländliche Gebiete umfassend abdecken“, wird ausgeführt. Genutzt werden hier absolute Zahlen, eine Relation zur Anzahl der Einwohner, der Elektroautos oder dem Straßennetz im Land gibt es nicht.

Trotz der starken Präsenz von Ladepunkten in diesen führenden Ländern bleibe die Verteilung ungleichmäßig. „Die fünf führenden Länder – die Niederlande, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Belgien – beherbergen den Großteil der europäischen Elektroauto-Infrastruktur, während andere Regionen weniger umfassend abgedeckt sind“, heißt es im Report.

Während das Gesamtwachstum in Europa beträchtlich sei, haben die einzelnen Länder dem Bericht zufolge unterschiedliche Wachstumsraten zu verzeichnen. Belgien und Finnland weisen besonders hohe Wachstumsraten auf, wobei Belgien zwischen Januar 2023 und Juli 2024 ein Wachstum von 190 Prozent und Finnland von 158 Prozent verzeichnete. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Elektrifizierung in diesen Ländern aggressiv vorangetrieben wird, auch wenn sie immer noch einen kleineren Anteil am Gesamtnetz ausmachen“, schreiben die Autoren.

Griechenland holt auf

In Griechenland ist die Zahl der Ladepunkte zwischen 2023 und 2024 um 480 Prozent gestiegen. Allerdings auf niedrigem Niveau, wie im Text ausgeführt wird: „Trotz dieses beeindruckenden Wachstums entfallen auf Griechenland jedoch nur etwa ein Prozent der gesamten Ladepunkte in Europa, was seinen immer noch relativ geringen Anteil am Gesamtnetz widerspiegelt.“

Zwischen Juli 2023 und Juli 2024 ist den vorgelegten Zahlen nach bei allen Arten von Ladegeräten – hier wird unterschieden zwischen AC, DC und HPC – ein deutliches Wachstum zu verzeichnen. AC-Ladegeräte, die etwa 84 Prozent des europäischen Netzes ausmachen, sind demnach entscheidend für das routinemäßige, langsamere Laden, insbesondere in städtischen Gebieten, in denen die Fahrzeuge für längere Zeit geparkt werden. Von Juli 2023 bis Juli 2024 stieg die Zahl der AC-Ladegeräte um etwa 10 Prozent.

Etwas schneller ist das Wachstum bei den Schnellladern. Gleichstrom-Schnellladegeräte, die sieben Prozent des Netzes ausmachen, wurden im gleichen Zeitraum um etwa 15 Prozent mehr. Die Hochleistungs-Ladegeräte (HPC), die zehn Prozent des Netzes ausmachen, verzeichneten mit einem Zuwachs von fast 25 Prozent das größte Wachstum. „Diese Ladegeräte sind wichtig, um die Reichweitenangst zu verringern, indem sie ultraschnelle Ladevorgänge bieten, insbesondere in stark frequentierten Gebieten“, stellen die Autoren fest.

Infrastruktur ungleichmäßig verteilt

Urbane Zentren seien nach wie vor die Brennpunkte des Ausbaus der Elektroauto-Infrastruktur in Europa, wobei die niederländischen Städte die Nase vorn haben. Amsterdam ist mit 13.286 öffentlichen Ladepunkten die führende Stadt in Europa mit den meisten öffentlichen Ladepunkten. Dicht darauf folgt London mit 11.321 Ladepunkten. „Rotterdam und Den Haag sind mit 8.538 sowie 6.967 Ladepunkten ebenfalls führend und unterstreichen die niederländische Dominanz bei der Elektroauto-Infrastruktur“, schreiben die Autoren. Paris liegt zwar hinter den niederländischen Städten zurück, hat aber mit 6.546 Ladepunkten eine ebenfalls starke Präsenz. Stockholm und Göteborg mit 5.773 und 5.067 Ladepunkten unterstreichen Schwedens Engagement beim Aufbau einer robusten E-Infrastruktur. Oslo und Antwerpen mit 4.205 und 3.983 Ladepunkten vervollständigen die Liste, eine deutsche Stadt sucht man in dieser europäischen Topliste vergeblich.

„Auch wenn die Fortschritte Europas beim Ausbau des Ladenetzes für Elektrofahrzeuge beeindruckend sind, gibt es noch erhebliche Herausforderungen. Das Ziel der Europäischen Union, bis 2030 8,8 Millionen Ladepunkte zu schaffen, erfordert kontinuierliche und beschleunigte Anstrengungen beim Ausbau der Infrastruktur“, heißt es im Report. Die Vereinfachung des regulatorischen Umfelds sei von entscheidender Bedeutung, um eine schnellere Einführung von Ladestationen zu ermöglichen. „Die derzeitigen Vorschriften können den Installationsprozess verlangsamen und so das zur Deckung des künftigen Bedarfs erforderliche Wachstumstempo behindern. Der Ausbau der Kapazität des Stromnetzes ist von entscheidender Bedeutung, um die wachsende Zahl von E-Fahrzeugen zu unterstützen. Dazu gehören Investitionen in intelligente Netztechnologien und Vehicle-to-Grid (V2G)-Systeme, die helfen können, die steigende Last zu bewältigen und mehr erneuerbare Energien in das Netz zu integrieren“, wird im Bericht treffend festgestellt.

Es müsse sichergestellt werden, dass die Ladeinfrastruktur gleichmäßig über alle Regionen verteilt ist. Während die städtischen Zentren gut versorgt sind, blieben viele ländliche und abgelegene Gebiete unterversorgt. „Um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, sind gezielte Investitionen und die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Akteuren des Privatsektors erforderlich“, fordern die Autoren.

Das wachsende europäische E-Mobilitätsnetz werde eine entscheidende Rolle dabei spielen, die breite Akzeptanz von Elektrofahrzeugen zu ermöglichen und sauberen, umweltfreundlicheren Verkehr für Millionen von Menschen auf dem ganzen Kontinent Wirklichkeit werden zu lassen, heißt es. „Die Zukunft der Elektromobilität in Europa ist vielversprechend, aber sie erfordert nachhaltige Anstrengungen, Innovation und Zusammenarbeit in allen Sektoren, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen“, schließt der Bericht.

Quelle: Mitteilung von EV Markets Reports

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Rolando:

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. NL hat mehr Ladepunkte als D. Und warum? NL hat keine Autolobby die seit einem Jahrzehnt stark bremst. Auch jetzt werden bei VW & Co. die Cashkühe (Verbrenner) statt der BEV’s. Trotzdem, das BEV hat viel mehr Vorteile als die Verbrenner und wird sich durchsetzen (müssen). Alleine schon wg. dem Klimawandel aber nicht nur.

heinr:

nutzt alles nix. Das Durcheinander mit den vielen Anbietern, nicht immer durchschaubare Tarife insbesondere fürs spontane Laden, das möchte der Verbrennerfahrer der eindeutige Preisangaben gewohnt ist nicht. Ich vermute, so lange wie ich mit der Ladekarte meines Tarifpartners nicht an jeder beliebigen Ladesäule zu den mir bekannten Tarifen laden kann, wird das nix mir der breiten E-Mobilität. Mich selbst interessiert es wenig, lade 99% zu Hause aus PV.

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