Joint Venture soll Deutschland Zugang zum größten Lithium-Vorkommen der Welt ermöglichen

Joint Venture soll Deutschland Zugang zum größten Lithium-Vorkommen der Welt ermöglichen
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockillustrationsnummer: 1136544890

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Wie Kobalt gilt auch Lithium als einer der wichtigsten Rohstoffe, wenn es um die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien geht. So soll die Nutzung von Lithium-Ionen-Batterien bis 2025 spürbar ansteigen. Ohne Lithium fährt kein Elektroauto. Zumindest, wenn man den aktuellen Stand der Technik betrachtet. Das mittelständische Unternehmen ACI Systems Alemania aus dem baden-württembergischen Zimmern ob Rottweil und das bolivianische Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos haben ein Joint Venture geschlossen, um für Deutschland den Zugang zum größten Lithium-Vorkommen der Welt zu sichern.

Bislang war es so, dass der bolivianische Präsident Evo Morales gezögert hat das große Lithium-Vorkommen in seinem Land wirtschaftlich zu erschließen. Dies soll sich ändern. Das deutsch-bolivianische Joint-Venture soll ab 2021 über 70 Jahre jährlich 40.000 bis 50.000 Tonnen Lithium in der bolivianischen Salzwüste fördern. Dieser Ort gilt als der mit dem größten Lithium-Vorkommen der Welt. Die Rede ist von neun Millionen Tonnen, die dort noch vorzufinden sind.

Derzeit wird der Bedarf pro Jahr noch mit 35.000 Tonnen Lithium angegeben, bis 2050 dürfte dieser auf 500.000 Tonnen steigen. Das Recycling gebrauchter Akkus könnte dazu beitragen, dass bis 2030 zehn Prozent des Bedarfs gedeckt werden, bis 2050 sogar 40 Prozent.

Dass der Einstieg in ein solches Projekt lohnenswert sein kann, zeigt sich alleine dadurch, dass sich der Preis pro Tonne Lithiumcarbonat sich innerhalb der letzten zwei Jahre fast verdoppelt hat. Dabei ist auch eine klare asiatische Dominanz am Markt zu spüren.

Erst im August wurde im Rahmen einer Studie bekannt, dass die globale Lithium-Produktion sich in den nächsten vier Jahren verdreifacht. Und dennoch steht weiterhin die Aussage: Lithiumproduktion kann Elektroauto-Boom standhalten.

„Dieses Gemeinschaftsprojekt könnte natürlich bei einer erfolgreichen Umsetzung dazu führen, dass es einen neuen Anbieter beziehungsweise einen neuen Lieferanten beziehungsweise von Lithiumverbindungen wie Lithium-Carbonat oder Lithiumhydroxid geben könnte, der in diesem bis dato oligopolen Markt zusätzlich einsteigen könnte.“ – Michael Schmidt, Rohstoffexperte bei der Deutschen Rohstoffagentur

Die wichtigste Erkenntnis hierbei ist, dass dieser Markt weiterhin boomt. Denn Lithium kommt in Batterien in unterschiedlichster Form vor. Aber aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften ist es eben tatsächlich bei der aktuellen Technologie dieser Elektroauto-Batterien unersetzlich.

Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Verhandlungen des deutsch-bolivianischen Gemeinschaftsprojekts politisch flankiert. Bei der Unterzeichnung des Vertrags war er am Nachmittag ebenso dabei wie auch der bolivianische Außenminister. Ob Altmaier die Bedeutung des Joint-Venture nicht zu hoch ansetzt, scheint noch nicht ganz klar. Denn Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, gibt zu verstehen, dass die Automobilhersteller keine direkte Verbindung mit diesem Joint Venture eingehen, sie wenden sich eher an die großen Zelllieferanten.

Dennoch ist es sicherlich ein erster Schritt, um der deutschen Industrie einen verlässlichen und wettbewerbsfähigen Rohstoffbezug zu ermöglichen. Und wer weiß, eventuell kommt die deutsche Batteriefertigung noch, welche unsere Politik derzeit mit einer Milliarde Euro fördern möchte. Für Dudenhöffer hat das Joint-Venture lediglich Symbolcharakter: „Deutschland tue etwas bei der Elektromobilität“.

Quelle: Deutschlandfunk – Joint Venture soll deutsche Lithium-Versorgung sicherstellen

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Obrist pleite: Aus für HyperHybrid und Methanol-Pläne

Obrist pleite: Aus für HyperHybrid und Methanol-Pläne

Sebastian Henßler  —  

Ein Tesla mit Methanol-Motor und 1000 Kilometern Reichweite war das Aushängeschild. Nun sind Obrist Powertrain und Obrist Technologies im Konkurs.

Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

Michael Neißendorfer  —  

Die Afrikanische Union hat große Pläne für den Ausbau der Elektromobilität – als Chance für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Auch für Europa.

Upgrade statt Neukauf: So soll das E-Auto 50 Jahre fahren

Upgrade statt Neukauf: So soll das E-Auto 50 Jahre fahren

Sebastian Henßler  —  

Prof. Dr. Günther Schuh denkt das E-Auto neu: Das Chassis hält 50 Jahre, während Design, Technik und Batterie in festen Abständen erneuert werden.

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobilregionen der EU fordern gezieltere Investitionen zur Unterstützung des Übergangs zu Elektroautos und eine klare Richtung.

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

Sebastian Henßler  —  

Mehr als die Hälfte aller LFP-Patente stammt aus China. Europa kommt 2024 auf knapp sieben Prozent, obwohl die Grundlagen in den USA und Kanada entstanden.

Neue OECD-Studie: Autojobs verlagern sich nach Mittel- und Osteuropa

Neue OECD-Studie: Autojobs verlagern sich nach Mittel- und Osteuropa

Arun Niemann  —  

Eine neue OECD-Studie zeigt, wie Elektrifizierung, Digitalisierung und die Konkurrenz aus China Europas Autojobs verändern.

Wo Europas Autoindustrie 3 Milliarden Euro liegen lässt

Wo Europas Autoindustrie 3 Milliarden Euro liegen lässt

Michael Neißendorfer  —  

Die Krise von Europas Automobilindustrie ist nicht nur eine Folge schwacher Nachfrage, chinesischer Konkurrenz oder des Übergangs zur Elektromobilität.