Gefährden Farasis-Akkus Daimlers E-Offensive?

Gefährden Farasis-Akkus Daimlers E-Offensive?
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockvektor-Nummer: 252408985

Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
  —  Lesedauer 2 min

Eben noch hatte Daimler-Chef Ola Källenius Spekulationen um einen vorzeitigen Ausstieg von Mercedes-Benz aus dem Verbrennungsmotor befeuert – nun sorgen Schwierigkeiten beim chinesischen Zell-Lieferanten Farasis offenbar für Ernüchterung bei der Elektro-Offensive. Daimler-Manager sprechen laut „manager-magazin“ von „erheblichen Problemen“. Sogar ein komplettes Scheitern der Kooperation werde nicht ausgeschlossen.

Wie die meisten etablierten Autohersteller bezieht Mercedes-Benz für seine Akku-Pakete Batteriezellen von Zulieferern. Für den Heimatmarkt und die umliegenden Länder besteht dazu eine Kooperation mit Farasis. Daimler war im vergangenen Jahr mit mehr als 400 Millionen Euro bei dem bis dato eher unbekannten Unternehmen eingestiegen und erhielt im Gegenzug rund drei Prozent der Anteile. Auf mittlere Sicht soll Farasis etwa die Hälfte der von Mercedes in Europa benötigten Zellen produzieren. Für die Beschaffung sei dies ein „Eckpfeiler“, hieß es damals in Stuttgart.

Jetzt aber zeigen sich offenbar Risse. Die Chinesen hätten für ihr geplantes Werk in Bitterfeld noch keine Baugenehmigungnoch, heißt es. Vor allem aber seien die ersten Muster-Zellen „katastrophal“ gewesen. Dabei hätte die Serienfertigung bereits 2022 starten sollen. Üblicherweise vergehen zwischen Baumuster und Produktionsanlauf drei Jahre.

Könnte Farasis nicht wie geplant liefern, träfe das Mercedes-Benz zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Will doch der Konzern verstärkt E-Autos auf den Markt bringen. Nach dem großen SUV EQC, dem Kleinbus EQV und dem kürzlich eingeführten Kompakt-SUV EQA wirft mit dem EQS bereits eine mit der S-Klasse vergleichbare elektrische Luxuslimousine ihre Schatten voraus. Mit dem EQB soll in diesem Jahr zudem ein weiteres Akku-SUV kommen, dazu das E-Klasse-Pendant EQE – und die jeweiligen Hochbeiner.

Bei Daimler gibt man sich derweil entspannt. Der Start der nächsten E-Modelle in diesem Jahr sei nicht gefährdet, wird ein Sprecher im „manager-magazin“ zitiert. Zu den Problemen mit Farasis gab es keine Stellungnahme. Im Notfall könnten die Schwaben wohl auf Batteriezellen von CATL zurückgreifen. Mit dem führenden Akku-Fertiger aus Asien besteht ebenfalls eine Kooperation.

Früher standen Daimler auch eigene Batteriezellen zur Verfügung, das Tochterunternehmen Li-Tec stellte die Produktion jedoch 2015 wegen zu hoher Kosten ein. Der anschließend aufgebaute „globale Batterie-Produktionsverbund“ von Mercedes-Benz beschränkt sich allerdings auf die Konfektionierung zugekaufter Produkte. Daran soll sich offenbar nichts ändern. Nach aktuellem Stand will der Konzern Akkus weiterhin ausschließlich von Zulieferern beziehen.

Quelle: ecomento.de / manager-magazin.de

worthy pixel img
Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.