Faraday Future will sich mit Billigmarke retten

Faraday Future will sich mit Billigmarke retten
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Faraday Future

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Beim Elektroauto-Start-up Faraday Future hat bislang so gar nichts wirklich klappen wollen. Eigentlich sollte 2018 das erste E-Auto auf die Straße kommen, geschafft haben es die Kalifornier erst 2023. Allerdings mit äußerst überschaubarem Erfolg: Nur zehn seiner Luxusautos setzte Faraday Future im vergangenen Jahr ab. Der erwirtschaftete Umsatz daraus: Bescheidene 784.000 US-Dollar. Der Gesamtnettoverlust im Jahr 2023 hatte drei Nullen mehr und lag bei 432 Millionen US-Dollar.

Nun der Strategieschwenk: Mit einer zweiten Marke, Faraday X (FX) getauft, und zwei neuen Automodellen, die laut Pressemitteilung voraussichtlich zwischen 20.000 und 50.000 US-Dollar kosten sollen, umgerechnet also ab gut 18.000 Euro, will Faraday Future sich auf ein festes Fundament stellen. Dabei soll es sich um AIEV handeln, kurz für Artificial Intelligence Electric Vehicles, auf Deutsch: E-Autos mit künstlicher Intelligenz. Ob diese Buzzwords reichen, ein funktionierendes Geschäft aufzubauen?

Faraday Future jedenfalls strebt für die beiden Modelle, der sportliche Kompakt-SUV FX 5 und der „extragroße“ Luxus-Familien-SUV FX 6, einen Produktionsstart bis Ende 2025 an. „Vorbehaltlich der Sicherung der erforderlichen Finanzierung“, wie in der Pressemitteilung zu lesen ist. Man wolle vier chinesische Autohersteller mit ins Boot holen, heißt es weiter, und das Antriebsportfolio ergänzen: Neben einem rein elektrischen Antrieb sollen FX 5 und FX 6 auch als E-Autos mit Range-Extender zu haben sein.

Die Beziehungen zu den vier chinesischen Herstellern umfassen demnach zwei strategische Rahmenvereinbarungen und zwei Absichtserklärungen und man sei aktuell dabei, endgültige Vereinbarungen mit jedem der Hersteller zu finalisieren. Der Markenslogan für Faraday X lautet: „Co-create, ein AIEV für alle.“ Die Strategie dahinter (Vorsicht, noch mehr Buzzwords): Durch die fünf Initiativen von FX Open-Source, Open-Platform, User-Definition, Co-Creation und Sharing will das Unternehmen ein 30.000-Dollar-FX-Modell ermöglichen mit Kerntechnologien, die in dem 300.000 Dollar teuren Luxus-E-Auto FF 91 verwendet werden.

Das Ziel sei, „Hit-AIEVs“ zu entwickeln, heißt es weiter, die den „Ultimate AI Tech-Luxury“ zugänglich machen sollen. Die neue Marke soll Produkte mit der doppelten Performance zum halben Preis liefern und sie für Alle erschwinglich machen. Man wolle nichts geringeres als „der Toyota der AIEV-Ära“ werden. Auf den Absatz von Toyota allerdings fehlen sechs Nullen. Zehn Autos setzte FF im Jahr 2023 ab. Bei Toyota waren es 10 Millionen.

Bei FX sind wir bestrebt, erschwingliche, leistungsstarke Elektroautos anzubieten, die den sich entwickelnden Anforderungen der heutigen Nutzer gerecht werden. Mit modernster Technologie, intelligentem Innenraumerlebnis und einer starken Ausführungsstrategie sind wir bereit, auf dem KI-E-Auto-Markt führend zu sein“, wird YT Jia, FF-Gründer und Chief Product and User Ecosystem Officer, in der Mitteilung zitiert.

Wir zitieren lieber einen weltbekannten Fußballer aus München-Giesing, der nicht nur am Ball, sondern auch beim Sprücheklopfen äußerst begnadet war: „Schau’n mer mal“, sagte Franz Beckenbauer gerne. FF-Chef YT Jia muss nun beweisen, ob er nur ein guter Sprücheklopfer ist. Oder auch ein begnadeter Autohersteller sein kann.

Quelle: Faraday Future – Pressemitteilung vom 20.09.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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