European Battery Alliance: Förderung von staatlicher Seite und Europa freigegeben

European Battery Alliance: Förderung von staatlicher Seite und Europa freigegeben
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 1072726052

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Die europäische Industrie hat den Anschluss an die Akku-Technologie verloren, asiatische Unternehmen dominieren den Markt für Batterie-Zellen mit mehr als 90 Prozent Marktanteil. Die von der EU iniitierte Batterie-Allianz EBA (für European Battery Alliance) soll dabei helfen, Zellkompetenz und -fertigung nach Europa zu holen. Die Europäische Union hat nun entschieden, staatliche Beihilfen zum Aufbau einer europäischen Batteriezellfertigung zu erlauben und stellt ihrerseits selbst umfangreiche Förderungen in Aussicht.

Dies wird auch notwendig, um in Europa eine konkurrenzfähige Batterie-Produktion aufzubauen – und die Vormachtstellung von Unternehmen aus Fernost zu brechen.  Die Voraussetzungen dafür seien aufgrund der „erstklassigen Bildungs- und Innovationsökosysteme, sehr starken Industrieunternehmen, die die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, und robusten Partnerschaften zur Unterstützung der Industriepolitik“ optimal, so der EU-Energiekommissar.

Europäische Union unterstützt „Batterie-Projekt“ und gibt Förderung frei

Die „European Battery Alliance“, so der offizielle Name für das Akku-Airbus, ist eine Plattform, um die verschiedenen Bemühungen in Sachen Elektroauto-Batterien auf dem gesamten Kontinent zu bündeln. Laut einer Mitteilung der EU-Kommission dürfen EU-Länder staatliche Beihilfen zur Etablierung des Industriezweigs leisten. Die Rede ist von einer zulässigen 100-Prozent-Finanzierung von Forschungsprojekten, sofern es sich um grenzüberschreitende Vorhaben handelt. Andernfalls soll die Förderquote bis zu 70 Prozent betragen, bei mittleren Unternehmen auch mehr.

Des Weiteren will die Europäische Union über die Europäische Investitionsbank selbst Milliarden zur Kofinanzierung von Batteriewerken anbieten. Man sieht also, dass es die European Battery Alliance ernst meint mit dem Aufbau einer europäischen Batterie-Produktion. Neben der Förderung durch die Union sowie die einzelnen Staaten stehen weitere Fördertöpfe bereit.

Der auf Batterieprojekte spezialisierte EU-Forschungsfonds Horizon 2020 verfügt über knapp 200 Millionen Euro, weitere 800 Millionen Euro stehen laut „Financial Times“ für die Finanzierung von Demonstrationsanlagen zur Verfügung. Ambitionierte Regionen können darüber hinaus die 22 Milliarden Euro schweren Regionalfonds anzapfen.

Technologiekonsortium von BMW, Northvolt und Umicore geht mit gutem Beispiel voran – weitere folgen…

Die BMW GroupNorthvolt und Umicore haben ein gemeinsames Technologiekonsortium gebildet, um bei der Weiterentwicklung einer vollständigen und nachhaltigen Wertschöpfungskette für Batteriezellen für Elektrofahrzeuge in Europa eng zusammenzuarbeiten. Gemeinsam hat man sich dem Ziel verschrieben, die nachhaltige Industrialisierung von Batteriezellen in Europa und den damit verbundenen Kompetenzaufbau von der Zellchemie und Entwicklung über die Produktion bis hin zum Recycling voranzutreiben. Somit unterstützt man voll und ganz die von EU-Kommissar Maroš Šefčovič gegründete EU-Batterieallianz.

Des Weiteren formen Saft, Siemens, Solvay und Manz eine europäische Allianz die die Erforschung, Entwicklung und Industrialisierung neuer Generationen von Batterien unter anderem für Elektrofahrzeuge angeht.

Northvolt geht mit einer eigenen Batteriefabrik auf Konfrontationskurs mit den asiatischen Batteriehersteller und erhält hierbei Unterstützung von Siemens. Für das Unternehmen spricht zudem, dass man die geschätzten Kosten für den Bau der größten Batteriefabrik Europas gesenkt und damit einem Projekt Auftrieb gegeben hat, bei dem es darum geht, Investoren anzuziehen, die sich Sorgen um Asiens Vorsprung in der Branche machen.

Umicore geht davon aus, dass die Zahl der Elektrofahrzeuge auf den Straßen weltweit im Jahr 2030 etwa 40-mal höher sein wird als im Jahr 2017, was zu einem starken Anstieg der Verfügbarkeit von Altbatterien für das Recycling führt. Selbst will das Unternehmen bis 2020 ein Kathodenmaterial-Werk in Polen errichten. Zudem wird es noch ein weiteres, bisher noch nicht offiziell bekanntgegebenes Konsortium, bestehend aus Varta und Ford, geben.

Im August 2017 war zudem die Rede davon, dass in Deutschland eine Gigafactory (zwei Standorte) entstehen soll, welches von einem Konsortium von 17 deutsche Firmen und Forschungsinstituten, geplant und umgesetzt werden soll. Der Zusammenschluss wird von der Terra-E Holding geleitet. Vor kurzem teilte Der Tagesspiegel mit, dass das Projekt aufgelöst wird. Grund hierfür: Keiner der Beteiligten Geld in die Hand nehmen, Terra E löst sich jetzt auf, und die beteiligten Firmen setzen ihre Hoffnung in die Politik.

European Battery Alliance zählt mittlerweile 260 Akteure aus allen Bereichen

Nicht nur an den zuvor erwähnten Projekten, sowie dem Versprechen zur Förderung dieser durch die Europäische Union und einzelnen Staaten sieht man, dass es ernst wird mit dem Aufbau und der Fertigung von Batteriefabriken in Europa.

Für die European Battery Alliance spricht auch, dass rund ein Jahr nach ihrer Gründung inzwischen 260 Akteure aus allen Bereichen der Batterie-Wertschöpfungskette tätig sind. Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf der verstärkten Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen. Um der Rohstoffknappheit entgegenzuwirken, plant die EU zudem, Recyclingkapazitäten hochzufahren und mit der Kartierung europäischer Mineralvorkommen zu beginnen.

Man kann sich nur wünschen, dass das Tempo beibehalten wird, um weiterhin zu asiatischen Konkurrenten aufzuholen.

Quelle: Electrive.net – EU: Details zur Finanzierung einer Zellfertigung in Europa

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.