Denkfabriken raten zu Verbrenner-Ausstieg ab 2032

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Wolfgang Plank
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Schneller Ausstieg aus der Kohle, erneuerbare Energien und deutlich mehr E-Autos: Würde die Politik dies beherzigen, könnte Deutschland nach Ansicht von Experten schon 2045 das Ziel der Klimaneutralität erreichen. Bislang ist dafür das Jahr 2050 avisiert. Der Zeitgewinn von fünf Jahren würde knapp eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen sparen, geht aus einer Studie der Organisationen Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende hervor.

Im Verkehr betreffen die Veränderungen gegenüber dem 2050er-Szenario vor allem das Tempo der Elektrifizierung. Bereits ab 2032 dürften keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden, heißt es. Bis 2045 müssten dann auch im Bestand nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Autos ersetzt werden. Der Straßengüterverkehr dürfte ab diesem Zeitpunkt – ebenso wie Busse und Bahnen – fast ausschließlich über Batterien, Oberleitungen oder Brennstoffzellen betrieben werden.

Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, sprach von einem „Rennen gegen die Zeit„. Der einschneidende Kurswechsel in den Vereinigten Staaten verdeutliche die wachsende Dynamik. Vor diesem Hintergrund liege die Frage auf der Hand, ob auch wir in Deutschland beim Klimaschutz schneller werden könnten. „Die Antwort ist ein klares Ja„, so Baake. „Was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, das auch umzusetzen.

Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, mahnte, die globalen Leitmärkte in Nord-Amerika, Europa und Asien würden sich zunehmend am Leitbild der Klimaneutralität orientieren. „Wenn die deutsche Industrie hier der Technologielieferant sein will, muss sie der Entwicklung in anderen Ländern immer ein Stück voraus sein.“ Das sei ambitioniert, aber machbar.

Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende, forderte „mehr Tempo bei der Antriebswende.“ Zusätzlich müsse der technologische Wandel mit einem Umdenken im Mobilitätsverständnis einhergehen. Das bedeute weniger private Pkw und mehr öffentliche oder untereinander geteilte Verkehrsmittel.

Die Studie zeige deutlich, dass die Weichen heute richtig gestellt werden müssten, wenn der Übergang zur Klimaneutralität in allen Sektoren gelingen und sogar beschleunigt werden soll. Die drei Klimaschutzorganisationen appellieren gemeinsam an die Politik: „Wer den Strukturwandel erfolgreich gestalten will, der muss in der kommenden Legislaturperiode konsequent Kurs auf Klimaneutralität nehmen.“ Dann könne Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Klimaschutztechnologien werden. Die Bundestagswahl im Herbst werde damit zu einer entscheidenden Wegmarke für den Klimaschutz.

Quelle: Agora Energiewende – Pressemitteilung vom 26. April 2021

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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