Ladesäulenpflicht an Tankstellen: Regierung lehnt Verschiebung ab

Ladesäulenpflicht an Tankstellen: Regierung lehnt Verschiebung ab
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Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 2 min

Ab 2028 müssen in Deutschland die Tankstellen der größeren Betreiber mit mindestens 200 Standorten mit Schnellladesäulen für Elektroautos ausgestattet sein. Daran soll sich auch nichts ändern, bekräftigte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage im Bundestag. Laut Bericht von Welt online weist sie damit die Forderung von Branchenvertretern zurück, die eine Aufschiebung der Frist auf 2030 oder 2032 gefordert hatten.

„Eine Verlängerung würde die Wirksamkeit der Maßnahme im Hinblick auf den Markthochlauf der E-Mobilität reduzieren“, heißt es im Welt-Artikel zur Begründung. Jede betroffene Tankstelle muss also ab 2028 zumindest einen Ladepunkt mit einer Ladeleistung von mindestens 150 kW vorweisen. Allerdings gibt es diverse Ausnahmeregelungen wie Ausweichmöglichkeiten, sollte beispielsweise kein Platz auf dem Tankstellengelände dafür verwendbar sein.

Der Ausbau der Schnelllade-Infrastruktur an Tankstellen wird dabei von der Bundesregierung als weitere Maßnahme neben der Schaffung des sogenannten Deutschlandnetzes betrachtet, um die Voraussetzungen für den Hochlauf der Elektromobilität zu legen. Offiziell strebt die Bundesrepublik nach wie vor an, dass 2030 mindestens 15 Millionen E-Autos auf den Straßen unterwegs sein sollen, auch wenn inzwischen kaum noch jemand davon ausgeht, dass dieser Wert noch erreicht werden kann.

Kritik aus verschiedenen Richtungen

Die Kritik der Mineralölwirtschaft an dieser verbindlichen Regelung ertönte bereits länger laut. „Ein Ladesäulenzwang an Tankstellen wäre reine Symbolpolitik“, äußerte sich Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Er verwies darauf, dass die Tankstellenbetreiber bereits an vielen Orten Ladeinfrastruktur aufbauten, doch nicht überall sei das sinnvoll oder technisch so ohne weiteres umsetzbar. „Schon jetzt kämpfen unsere Mitglieder mit langen Genehmigungsprozessen und Regulierungshürden“, stellt Küchen fest. Ein Zwang zum Ladesäulenausbau an eigentlich dafür ungeeigneten Standorten löse Fehlinvestitionen aus.

Zum Teil geben die Netzanschlüsse vor allem bei innerstädtischen Tankstellen (noch) nicht genug Ladeleistung her, zum anderen sind ebenfalls in den Städten viele Tankstellen sehr beengt, sodass eine Umsetzung ohne Abriss von vorhandenen Zapfsäulen schwer umsetzbar sein dürfte. Doch mit Pufferspeichern lässt sich zumindest in gewissem Maße das Problem des schwachen Netzanschlusses beheben, und wenn auf dem Tankstellengelände selbst kein Platz ist, kann auf ein alternatives Grundstück in der Umgebung ausgewichen werden.

Kritik an der Vorgabe der Bundesregierung gibt es aber auch aus elektromobilen Kreisen. So sei die Tankstelle als solche ein Auslaufmodell, denn ein Elektroauto ließe sich an deutlich praktischeren Orten aufladen, wo man ohnehin Erledigungen zu machen habe: bei Einkaufsmöglichkeiten, neben Arztpraxen, Fitnessstudios oder ähnlichem zum Beispiel.

Quelle: Welt online – „2028 ist machbar: Ladesäulen an Tankstellen“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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