Berylls-Berater rechnen damit, „dass die Corona-Krise individuelle Mobilität eher fördert“

Berylls-Berater rechnen damit, „dass die Corona-Krise individuelle Mobilität eher fördert“
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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Weltweit sind wegen der Coronavirus-Pandemie die Werke von Autoherstellern geschlossen. Für den Wiederanlauf sieht Berylls-Manager Andreas Radics, einer der profiliertesten Automobilexperten, im Lieferketten-Management kein großes Problem, wie er in einem Interview mit dem Fachblatt Automobil Industrie erklärt. Viel schwieriger sei eine Absatzprognose, da auch der weitere Verlauf der Pandemie nicht vorhergesagt werden kann.

In Europa frühestens ab Juli“ rechnet Radics wieder mit einer Normalisierung in der Automobilproduktion. „Völlig aus den Fugen“ gerate allerdings das „feine Termingeflecht neuer Modellanläufe – ausgerechnet in einer Phase, in der viele E-Fahrzeuge auf den Markt kommen sollten.“ Der Berater geht davon aus, dass wegen der „Werksschließungen weltweit – von Januar bis April über alle Marken hinweg – etwa 5,4 Millionen weniger Autos gebaut werden.“ Allerdings könnten sich diese Zahlen, sofern die Corona-Pandemie nicht bald in Griff zu kriegen ist, noch deutlich erhöhen.

Weltweit werde es wegen der unterschiedlichen Verläufe der Corona-Krise „keinen einheitlichen Startpunkt geben“ können, zu dem die Produktion in den Werken wieder aufgenommen werden kann. „In Europa hoffen wir Anfang Mai auf einen gestaffelten Hochlauf der Werke“, sagt Radics, in Nordamerika jedoch werde „der Stillstand wohl noch etwas länger dauern“. In China sind die meisten Fabriken bereits wieder in Betrieb. Der Produktionshochlauf auf Vor-Corona-Niveau könnte dort „in den nächsten drei Wochen abgeschlossen sein – immer vorausgesetzt, die Zahl der Corona-Infektionen bleibt auf dem niedrigen Niveau.“

In Europa müsse man bei den schwierig zu stellenden Prognosen auch „zwischen einzelnen Ländern differenzieren. Italien, Spanien und Frankreich hat die Krise besonders hart getroffen“. Dort rechnet Radics mit einem verzögerten Hochlauf vieler Werke. Ein „wichtiger Indikator“ werde sein, wie die Autohersteller und Analysten „die jeweiligen Absatzmärkte einschätzen“, da die Nachfrage für die Produktion „der bestimmende Faktor“ sei. Eine normale Auslastung könne in den europäischen Werken frühestens wieder für das zweite Halbjahr erwartet werden.

Wichtig sei, besonders auch für Zulieferer, ob „die Grenzen für den Warenverkehr geöffnet sind“, gibt Radics zu bedenken. Lieferanten „in der laufenden Serienproduktion zu wechseln ist extrem schwierig“, so der Berater.

Wie es nach Corona weitergehen könnte

Für die Zeit nach Corona gebe es verschiedene Annahmen: „Eine besagt, dass wir nach der Krise ein deutliches Absatzplus sehen werden; analog zu dem, was wir in China derzeit in einigen Regionen beobachten, dass der Konsum aufgeschoben war und jetzt zügig nachgeholt wird – nicht zuletzt durch entsprechende Förderprogramme.“ Die andere Annahme gehe „davon aus, dass die Kunden nach der Krise ihr Geld sehr viel stärker zusammenhalten und größere Anschaffungen wie ein Automobil zunächst hinten anstellen werden.“

Die Berater von Berylls rechnen damit, „dass die Krise die individuelle Mobilität eher fördert, sprich mehr Menschen ein eigenes Auto besitzen wollen.“ Es werde allerdings „definitiv ein Bündel an Maßnahmen brauchen, um die Märkte zu stimulieren. Rabatte sind dabei aber nur ein Aspekt“, so Radics. Zunächst liege der Fokus aller darauf, die Krise gut zu meistern. Es zeichne sich auch bereits ein möglicher Verlierer der Krise ab: „Das Thema ,Shared Mobility‘ hingegen könnte einen weiteren Dämpfer erhalten.“

Quelle: Automobil Industrie — Wiederanlauf in der Automobilproduktion: „Ohne Nachfrage, keine Produktion“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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