Autogipfel vertagt Entscheidung zu Kaufprämien in den Juni

Autogipfel vertagt Entscheidung zu Kaufprämien in den Juni
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1159679383

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Beim jüngsten Autogipfel, einem Gespräch der Bundesregierung mit Vertretern der Automobilindustrie und Gewerkschaften, gab es noch keine Entscheidung zu wie auch immer gearteten Kaufprämien als wirtschaftliche Hilfe für die Industrie in Folge der Corona-Krise. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutsche Automobilindustrie und ihre Beschäftigten sowie mögliche Wege aus der Krise.

An der Telefonkonferenz nahmen die Vorstandsvorsitzenden der in Deutschland produzierenden Automobilhersteller wie VW, Daimler und BMW teil, für den Automobilverband VDA die Präsidentin Hildegard Müller und das Vorstandsmitglied Arndt Kirchhoff sowie der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. Auf Seiten der Bundesregierung waren die Bundesminister Olaf Scholz (Finanzen), Peter Altmaier (Wirtschaft), Andreas Scheuer (Verkehr), Svenja Schulze (Umwelt) und Kanzleramtschef Helge Braun sowie Staatssekretärin Leonie Gebers (Arbeit und Soziales) beteiligt.

Bundeskanzlerin Merkel verwies auf die besondere Bedeutung der Automobilindustrie für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland. Die Gesprächsteilnehmer tauschten sich unter anderem über den Wiederhochlauf der Produktion, den Zustand der Lieferketten, die Rolle der Kurzarbeit sowie über die nationale und globale Entwicklung der Nachfrage aus. Die Teilnehmer des Gesprächs vereinbarten, sich in den kommenden Wochen in einer Arbeitsgruppe über konjunkturbelebende Maßnahmen auszutauschen, die einen Modernisierungsbeitrag in Richtung innovativer Fahrzeugtechnologien darstellen sollen, und Anfang Juni die Ergebnisse zu besprechen.

Im Vorfeld des Gesprächs gab es teils harsche Diskussionen in den Medien und der Öffentlichkeit über die von der Industrie geforderten Kaufpreisprämien. Auch deshalb, da einige Hersteller, zuletzt mit Milliardengewinnen gesegnet, zwar Staatshilfen beantragen, dennoch weiterhin hohe Dividenden an Aktionäre ausschütten wollen.

Der Umweltschutzverband BUND bezeichnete Kaufbeihilfen für Autos als „Anti-Innovationsprämie“ und forderte stattdessen schnell wirksame Investitionen mit langfristig positiver Wirkung für Umwelt und Wirtschaft, etwa in die Bahn oder öffentliche Verkehre. Greenpeace-Aktivisten forderten am Tag des Gesprächs bei einer Aktion vor dem Reichstag in Berlin, es dürfe keine erneute Abwrackprämie geben. „Statt jetzt Motoren aus dem letzten Jahrhundert zu retten, sollte Kanzlerin Merkel den klimafreundlichen Umbau der Autoindustrie ankurbeln“, sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan.

Quelle: Bundeskanzlerin.de — Pressemitteilung vom 05.05.2020 // Automobilwoche — Kaufanreize für Autos: Bundesregierung will bis Anfang Juni entscheiden

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.