Auto-Flut in Bremerhaven: Läuft der Hafen jetzt über?

Auto-Flut in Bremerhaven: Läuft der Hafen jetzt über?
Copyright:

BYD

Benny Weisenfels
Benny Weisenfels
  —  Lesedauer 3 min

Um die Expansion nach Europa weiter zu beschleunigen, investiert der chinesische Autohersteller BYD in eine eigene Flotte spezieller Autofrachter. Insgesamt acht eigene Schiffe will BYD bauen, jedes mit einer Kapazität für rund 9000 Fahrzeuge. Mitte Januar startete die BYD Explorer No. 1 ihre Jungfernfahrt im Hafen von Shenzhen, China. Ende Februar kam das erste Frachtschiff des chinesischen Autobauers schließlich in Bremerhaven an und brachte laut Manager Magazin 3000 Modelle an Land.

Am BLG Autoterminal Bremerhaven werden Fahrzeuge umgeschlagen, gelagert, technischen Dienstleistungen unterzogen und per Lkw, Bahn oder Schiff weiterverteilt. Der Umschlagplatz gehört mit über 1,7 Millionen umgeschlagenen Fahrzeugen pro Jahr zu den größten Autoterminals der Welt. Alle namhaften Autoreeder bedienen Bremerhaven regelmäßig, und jedes Jahr laufen rund 1000 Car-Carrier den Terminal an. Auf einer Fläche von 295 Hektar bietet der BLG-Standort Platz für bis zu 100.000 Fahrzeuge, bevor sie weiterbefördert werden.

Laut einem Bericht des Manager Magazins soll der Platz aber bald eng werden. Bereits 80.000 Fahrzeuge stehen in Bremerhaven auf Halde, darunter Fahrzeuge verschiedener Marken, aber eben auch einige von chinesischen Herstellern wie BYD. Zwar soll die Zahl insgesamt rückläufig sein, wie der Geschäftsführer des Autoterminals, Karsten Dirks, gegenüber der Wirtschaftszeitschrift erklärt. Doch stehe die Situation sinnbildlich für den lahmenden Automarkt. Die Hersteller bekämen nur schleppend ihre Autos los, heißt es weiter. Die Fahrzeuge, die Ende Februar mit BYDs Frachtschiff ankamen, stünden zum Großteil immer noch dort. Der chinesische Autobauer hätte viele Fahrzeug vorproduzieren lassen, ohne dass Bestellungen vorgelegen hätten. Das räche sich jetzt.

Auto-Flut in Bremerhaven: Läuft jetzt der Hafen über?
Im Februar kamen tausende BYD-Modelle in Bremerhaven an, ein Großteil von Ihnen steht immer noch, weil Käufer fehlen | BLG Logistics

Förderprämien haben den Verkauf von Elektroautos verlangsamt

Das Terminal strebe einen schnellen Umschlag der Fahrzeuge an, doch auf der Importseite bleiben die Autos länger. Dies liege nicht nur an chinesischen Herstellern, die sogar nur fünf Prozent der Fahrzeuge ausmachen sollen, sondern an allgemeinen Schwierigkeiten des Marktes, insbesondere bei Elektroautos. Die gestrichenen Förderprämien der Bundesregierung haben den Verkauf von E-Autos verlangsamt. Zusätzlich beanspruchen viele Autohersteller technische Dienstleistungen von BLG, wie Nachrüstungen oder Software-Updates, da in den eigenen Werken oft die Kapazitäten fehlen. Diese Arbeiten tragen dazu bei, dass die Fahrzeuge länger im Hafen verweilen.

Die lange Standzeit speziell der BYD-Modelle sehe man nicht als strukturelles Problem, sondern als typische Startschwierigkeiten für neue Marken. Dies wird mit früheren Erfahrungen von Hyundai, Kia, Mazda, Nissan und Toyota verglichen, die ebenfalls zunächst länger im Hafen standen. Die BLG-Zentrale freut sich auf die wachsende Rolle chinesischer Autobauer im Autoterminal und erwartet trotz Anlaufschwierigkeiten eine regelmäßige Ankunft der von BYD gecharterten Schiffe. Immerhin verdient der Hafen gut an der Autoflut: Nach Angaben des Manager Magazins setzte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2023 weltweit 1,21 Milliarden Euro um und erzielte ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 36,1 Millionen Euro.

Strafzölle auf E-Autos aus China, die von der EU-Kommission geplant sein könnten, bereiten dem Unternehmen keine Sorgen. Die Überkapazitäten in China werden voraussichtlich weiterhin zu häufigen Lieferungen nach Bremerhaven führen, vermuten die Logistiker. Auch, wenn der Hafen aktuell der größte Parkplatz Deutschlands sein dürfte, werde sich die aktuelle Masse der stehenden Fahrzeuge auch wieder verringern. Zumindest glaubt man bei BLG Logistics fest daran, da Marktschwankungen normal seien. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Quellen: Manager Magazin – BYD-Stau im größten Autohafen Deutschlands / BLG Logistics – Pressemitteilung vom 26.02.2024

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Benny Weisenfels

Benny Weisenfels

Schon als Kind hatte Benny im wahrsten Sinne des Wortes eine Schraube locker. All sein Taschengeld floss in neue Modellautos, um den Spielteppich mit schönen Flitzern zu füllen. Mit dem Erwachsenwerden wurde aus seiner Leidenschaft für Miniaturen eine Faszination für die echten Vorbilder. Heute begeistert ihn alles, was sich Auto nennen darf – egal ob Oldtimer, Sportwagen oder Elektroautos. Vor allem das lautlose Stromern hat es ihm angetan, nachdem er den ersten Tesla Roadster fahren durfte (schon ein paar Jahre her). In und nach seinem Journalismus-Studium schreibt er seit nunmehr mehr als zehn Jahren mit Leidenschaft und Erfahrung für renommierte Fachmedien und Tageszeitungen, stets mit dem Ziel, technologieoffen zu bleiben.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Renault 4 E-Tech: Retro-Charme mit echtem Alltagsformat

Renault 4 E-Tech: Retro-Charme mit echtem Alltagsformat

Sebastian Henßler  —  

Der Renault 4 E-Tech positioniert sich nicht über Technikdaten, sondern über Charakter. Und im Alltagsbetrieb lässt sich sagen: Diese Wette geht auf.

Twingo E-Tech und die Jagd nach dem Fehler in Slowenien

Twingo E-Tech und die Jagd nach dem Fehler in Slowenien

Wolfgang Plank  —  

Seit 50 Jahren baut Revoz in Slowenien Renaults. Heute sind es Clio und Twingo E-Tech – montiert mit einer Qualitätskontrolle, die keine Abweichung duldet.

Renault-Werk in Slowenien: Der leise Wandel zur E-Fabrik

Renault-Werk in Slowenien: Der leise Wandel zur E-Fabrik

Wolfgang Plank  —  

Im slowenischen Novo Mesto entsteht eines der günstigsten E-Autos Europas. Werkleiter Jože Bele erklärt, wie das funktioniert.

Stellantis plant 60-Mrd.-Offensive und 29 neue E-Autos

Stellantis plant 60-Mrd.-Offensive und 29 neue E-Autos

Sebastian Henßler  —  

Stellantis hat seinen Strategieplan FaSTLAne 2030 vorgestellt: 60 Milliarden Euro, Dutzende neue Modelle und vier globale Kernmarken stehen im Mittelpunkt des Plans.

Kia EV1: Elektro-Stadtauto ab 2028 für unter 22.000 Euro

Kia EV1: Elektro-Stadtauto ab 2028 für unter 22.000 Euro

Sebastian Henßler  —  

Kias kleinstes E-Auto kommt 2028: Der EV1 zielt auf Europa, könnte in der Slowakei gebaut werden und soll beim Design keine Abstriche machen.

VinFast: Fabrikverkauf, Schulden und Klage aus USA

VinFast: Fabrikverkauf, Schulden und Klage aus USA

Sebastian Henßler  —  

VinFasts Werksverkauf in Vietnam entlastet die Bilanz – doch Analyst:innen sehen Governance-Risiken durch kurzfristige Eigentümerwechsel kurz vor dem Deal.

Green NCAP: Was hinter dem Sterne-Rating wirklich steckt

Green NCAP: Was hinter dem Sterne-Rating wirklich steckt

Sebastian Henßler  —  

Green NCAP bewertet Neuwagen nach Schadstoffausstoß, Energieeffizienz und Treibhausgasen – seit 2025 auf Basis einer vollständigen Lebenszyklusanalyse.