Neuer E-Auto-Big-Player? Apple-Partner Foxconn kauft Fabrik von Lordstown Motors

Neuer E-Auto-Big-Player? Apple-Partner Foxconn kauft Fabrik von Lordstown Motors
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Lordstown Motors

Felix Katz
Felix Katz
  —  Lesedauer 4 min

Wächst hier etwa ein neuer Big Player der Elektroauto-Industrie heran? Apple-Partner Foxconn möchte (erneut) ins Autogeschäft einsteigen und plant nun ernsthaft den Kauf der US-Fabrik des angeschlagenen E-Start-ups Lordstown Motors. Der Preis liegt nach Unternehmensangaben bei 230 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 200 Millionen Euro. Noch sei der Deal nicht unter Dach und Fach, die finalen Verhandlungen laufen jedoch. Foxconn soll dann dort für Lordstown Motors die Produktion des elektrischen Pickup-Trucks „Endurance“ übernehmen. Auch Fisker soll profitieren …

Das Taiwanesische Unternehmen Foxconn, eines der größten Elektronik- und Computerhersteller der Welt, ist vor allem für die Auftragsfertigung von Apple-Produkten bekannt. Der Konzern, der im Jahr 2020 rund 181 Milliarden Dollar umsetzte und an der Börse aktuell gut 50 Milliarden Dollar wert ist, scheint genügend Kapital zu haben, um den Vorstoß in die Automobilbranche zu wagen. Nicht wirklich etwas Neues, schaut man sich Aktivitäten des Konzerns (seit längerer Zeit) genauer an. So gab es laut Manager Magazin schon 2017 erste Pläne, ins E-Auto-Geschäft einzusteigen – jene wurden allerdings  verschoben. Und auch im März dieses Jahres kündigte das Unternehmen zum wiederholten Male an, Elektrofahrzeuge produzieren zu wollen.

Wird Foxconn der neue Big Player bei der Elektroauto-Produktion?

Young Liu, Vorsitzender der Foxconn-Mutter „Hon Hai Technology Group“, meint es ernst: Laut Tagesschau ist das taiwanesische Unternehmen bereits beim Elektroauto-Entwickler Byton eingestiegen, um ihn bei dem für Anfang 2022 angepeilten Produktionsstart des ersten Modells M-Byte zu unterstützen. Nun der nächste Hammer: Für umgerechnet knapp 200 Millionen Euro wird Foxconn die knapp 600.000 Quadratmeter große Fabrik des in Schieflage geratenen Elektro-Start-ups Lordstown Motors in Ohio übernehmen. „Wir haben hohe Erwartungen an diese Partnerschaft. Neben dem Ziel, unseren Zeitplan für den Aufbau von Produktionskapazitäten für Elektrofahrzeuge in Nordamerika voranzutreiben, spiegelt dies auch die Flexibilität von Foxconn bei der Bereitstellung von Dienstleistungen für verschiedene Kunden wider. Dies ist für beide Seitenein wichtiger Meilenstein für das Elektroauto-Geschäft und unsere Transformationsstrategie“, erklärt Young Liu. Und weiter: „Ich bin davon überzeugt, dass das innovative Design des Endurance-Pickups mit seinen einzigartigen Radnabenmotoren ein vorteilhaftes Nutzererlebnis bietet und die Produktionseffizienz erhöht. Er wird im Rahmen unserer Partnerschaft und unseres Geschäftsmodells zweifellos erfolgreich sein“, gibt sich Liu sicher. Die Produktion des E-Pick-ups soll übrigens bald anlaufen …

Das Start-up Lordstown wird es weiterhin geben, jedoch mit ausgewechselter Führungsebene: So bekommt der neue Chef Daniel Ninivaggi die Möglichkeit, das angeschlagene Start-up zu stabilisieren. Der Kapitalbedarf sei allerdings so hoch, dass nicht mal garantiert werden könne, das Überleben der Firma bis zum Ende des Jahres zu sichern. Mit Foxconn an der Seite könnte diese Angst zumindest kurzweilig der Vergangenheit angehören: Laut Manager Magazin werde Foxconn nämlich zusätzlich für etwa 50 Millionen Dollar Aktien des Start-ups kaufen. „Wir freuen uns über die Aussicht, unsere Kräfte mit einem intelligenten Weltkonzern wie Foxconn zu bündeln. Wir sind davon überzeugt, dass die Beziehung unserem Unternehmen Vorteile in den Bereichen Betrieb, Technologie und Lieferkette bringen wird (…). Lordstown Motors wird sich weiterhin auf die Markteinführung des Endurance, die Entwicklung von Serviceangeboten für unsere Flottenkunden sowie die Konzeption und Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle konzentrieren.“

Fisker profitiert, Apple auch?

Doch nicht nur das: Foxconn habe bereits eine eigene Fahrzeug-Plattform entwickelt und sicherte sich zudem kürzlich den Elektroauto-Entwickler Fisker als ersten Kunden für eine Auftragsfertigung. „Mit dem Kauf des US-Werks könne das gemeinsame Fahrzeug namens ‚PEAR‘ schneller in die Produktion gehen“, schrieb Gründer Henrik Fisker frei übersetzt bei Twitter. Mit dem  „PEAR“ wollen beide Unternehmen ein Crossover-Modell entwickeln, das Ende 2023 auf den Markt kommen soll. Pro Jahr sollen dann mehr als 250.000 Fahrzeuge gebaut werden, heißt es weiter. Wie ecomento.de berichtet, sei die Basis für das Elektroauto von Fisker und Foxconn eine gemeinsame Leichtbau-Plattform mit dem Namen „FP28“, welche auch weitere Modelle ermöglichen soll. „Wir denken das Auto für unter 30.000 Dollar neu, mit fantastischem Design und Innovation, sowohl hinsichtlich Proportion, Gestaltung und Interieur als auch dem vernetzten Nutzererlebnis“, teilte Henrik Fisker im Mai mit.

Der Zeitung Nikkei Asia zufolge plane Foxconn darüber hinaus den Bau von Elektroauto-Fabriken in den USA und Thailand, auch Gespräche über Standorte in Europa würden geführt. Erst Im Mai verkündete Foxconn eine Partnerschaft mit Stellantis, dem viertgrößten Automobilhersteller der Welt (Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroen). Die beiden Konzerne planen einen gemeinsam betriebenen Automobilzulieferer, der sich auf Technologien zur besseren Vernetzung von Fahrzeugen konzentrieren soll. Immer wieder gab es zudem auch Gerüchte über eine mögliche Partnerschaft mit Apple, die noch oder wieder an einem Elektroauto arbeiten. Jedenfalls lassen personelle Veränderungen und Neuzugänge Raum für Spekulationen: So heuerte Apple erst kürzlich den ehemaligen BMW-Manager Ulrich Kranz an. Er entwickelte unter anderem den i3 und den i8.

Quelle: Foxconn, Manager Magazin, Tagesschau, Ecomento.de

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Felix Katz

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Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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