Der Staat als Bremse beim Ladesäulen-Ausbau?

Der Staat als Bremse beim Ladesäulen-Ausbau?

Copyright Abbildung(en): shutterstock / 2143821381

Das Ziel – eine Million öffentliche Ladepunkte im bundesdeutschen Gebiet bis 2030 – ist noch in weiter Ferne, aber der Ausbau geht voran. Wenn auch nicht so schnell, wie man es sich wünscht. Denn dies bedeutet auch, dass man rund eine Millionen Parkplätze benötige. Doch wo soll der Platz für all die Ladesäulen in den kommenden Jahren herkommen? Denn alleine für das „Deutschlandnetz“ werden derzeit rund tausende Standorte benötigt.

Dabei stellt sich vor allem das Finden entsprechender Stellen als große Herausforderung beim Auf- und Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur heraus. Dies gab bereits Ende Dezember 2021 Linda Boll, Public Affairs Manager Germany bei Fastned, bei uns im Podcast zu verstehen. Im urbanen Raum Platz für einen Ladepark zu bekommen grenze an ein Wunder, sagt auch Jörn Hansen, Entwicklungsleiter bei TankE, einem Tochterunternehmen des Energieversorgers Rheinenergie, gegenüber dem Handelsblatt.

Hinzu kommt, dass laut Markus Emmert, Vorstand des Bundesverband eMobilität (BEM), sowie Leiter & Organisation BEM-Arbeitsgruppen, das Deutschlandnetz nicht gänzlich bis zu Ende gedacht sei. Dies zeigt sich auch am Masterplan der Ladeinfrastruktur, welcher derzeit eine Schärfung erfahre. Denn auch hier habe man gemerkt, dass dieser nicht mehr der aktuellen Zeit entspricht. Und dennoch sei es so, dass der BEM der Meinung ist, dass der Masterplan Ladeinfrastruktur nur die Vergangenheit und Gegenwart abbilde. Den Ausblick in die Zukunft – Meilenstein 2030 mit einer Millionen Ladepunkte – verliert man hierbei aus dem Auge. Dies führt dazu, dass wenn dieser so verabschiedet wird, wieder nachgeschärft werden muss. Man müsse weiter denken, als man es bisher macht.

Dazu gehöre neben dem Fokus auf Pkw und Nutzfahrzeuge mit E-Antrieb die Ladeinfrastruktur für Boote, Schiffe und Leichte Elektrofahrzeuge, die Möglichkeit Vehicle to X-Ansätze im Alltag auch tatsächlich umsetzen zu können. Sowie sich tiefergehende Gedanken darüber zu machen, wo Pkw tatsächlich laden und unter welchen Gesichtspunkten. Was seinerseits direkte Auswirkungen auf entsprechenden Platzbedarf hat.

Derzeit wolle der Staat mit einer eigenen Plattform unterstützen, die von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur entwickelt wurde, um mögliche Plätze von Besitzern an Suchende zu vermitteln. Geplant war, dass bis Ende 2020 entsprechende Liegenschaften identifiziert und in dem „Flächentool“ hinterlegt werden sollten. Ein Blick in das Tool offenbart, dass kaum Liegenschaften eingepflegt wurden. Vom Bund findet man in diesem gar nichts vor. Von Seiten der Bundesländer seien lediglich drei Liegenschaften hinterlegt und die Landkreise haben ihrerseits nur zwölf eingepflegt. Die meisten Flächen, rund 700 Liegenschaften, wurden von Kommunen eingestellt. A

Forderungen werden derzeit aus verschiedenen Richtungen laut, dass die Bundesregierung ihr Tool selbst besser pflegt und aktiv dazu beiträgt, dass entsprechende Flächen zur Verfügung gestellt werden. Es bedürfe einer regelmäßigen Überprüfung, ob der Bund und die bundeseigenen Betriebe etwa die Deutsche Bahn über Raum für Ladestationen und den notwendigen Netzbetrieb verfügen. Diese sollten danach öffentlich ausgewiesen werden, damit Ladesäulenbetreiber die Flächen bewerten und ein Angebot zur Nutzung abgeben können, so eine Forderung, welche durch Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geäußert wurde.

Das Bundesverkehrsministerium betont, dass es für das Deutschlandnetz an 200 unbewirtschafteten Rastanlagen Flächen für Schnellladestationen zur Verfügung stellt. Die Bereitstellung weiterer bundeseigener Liegenschaften sei „Gegenstand einer Überarbeitung des Masterplans Ladeinfrastruktur“, wie das Handelsblatt weiter zu berichten weiß. Grundsätzlich fordere die Branche mehr Transparenz, Entgegenkommen und Unterstützung, wenn es darum gehe die Ladeinfrastruktur auszubauen. Wobei dies schlußendlich auch nur ein Teil der Lösung sein wird. Der Ausbau von Ladeinfrastruktur im privaten und halböffentlichen Raum bei Handel und Gastronomie und als Quartierslösung in Parkhäusern müsse vorangetrieben werden.

Quelle: Handelsblatt – Der Staat hält seine Ladesäulen-Flächen zurück – Unternehmen fürchten Wucherpreise

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Der Staat als Bremse beim Ladesäulen-Ausbau?“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
5 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Pro Ladestation ein Parkplatz,die müssen ja riesig sein,stehen die nicht am Rand? So macht man Leute verrückt.

Die Politik der hohen Strompreise an öffentlichen Ladesäulen insbesondere in Städten schränkt die Akzeptanz stark ein, sodass überwiegend zuhause geladen wird. Die Ladesäulen rechnen sich in den Städten nicht. Die Betreiber sollten unterhalb des Haushaltstrompreises anbieten (kleiner 24 Cent/kWh), dann werden die Ladesäulen auch wieder genutzt und die E-Autos erfahren eine höhere Akzeptanz.

Schon wieder der Ruf nach dem Staat! Wir haben doch freie Marktwirtschaft. Wer hindert die Energieversorger, selbst für Ladeinfrastruktur zu sorgen? Muss denn für alles der Staat aufkommen, Steuergelder als Zuschüsse vergeben, damit die Unternehmer Reibach machen können (sh. Negativbeispiel Ionity)?
Man kann vorhandene Stellplätze (nicht Parkplätze) als Ladeplätze umfunktionieren, was ja auch gemacht wird. Ladende E-Autos belegen keinen weiteren Stellplatz, so dass die Gesamtzahl der Abstellmöglichkeiten unverändert bleibt.
Und ja, wer’s kann soll doch zu Hause laden, am Besten mit der eigenen PV-Anlage.

Man könnte z.b. in Großstädten wie Berlin in den Parkhäusern der Einkaufscentren Büro Geschäftshäusern bei Discountern auf den riesigen nur teilweise genutzten parkflächen 11kwh /22kwh wallboxen installieren. Nach den Bauordnungen der vergangenen Jahrzehnte wurden Parkplätze nach verkaufsfläche berechnet und gefordert. Inzwischen sind die oft kaum ausgelastet weil sehr viele Kunden in Umgebung wohnen oder nur 1 bis 2 x in der Woche mit Auto kommen.
Es gibt inzwischen in Berlin Parkhäuser mit nur 2,50€ tagesgebühr . Discounter Parkplätze stehen von 20 Uhr bis morgens 8 Uhr leer. Da könnte an schnelladern geladen werden mit Strom der nachts übrig ist .Ebenso In Parkhäusern von Einkaufscentern mit Fitnessclubs die sogar 24h geöffnet sind ,Parkgebühr oft für Mitglieder 3h kostenlos .
Usw man müsste nur wollen einige einkaufcentren haben kostenloses Laden mit 11kwh da kann man in 2h 100km kostenlos laden oder länger .
Es wäre interessant als Gegenmaßnahmen gegen online shopping . Über das die großen Center wegen kumdenmangel jammern .

Diese News könnten dich auch interessieren:

NIO steigert Absatz im Juni 2022 abermals; nicht so stark wie erwartet
XPeng hat seinen Absatz im Juni 2022 mehr als verdoppelt
Stellantis investiert in neuartige Testzentren für E-Autos

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).