Hybridauto – Was sollte man wissen?

Hybridauto – stetig als Alternative zum Elektroauto genannt, dieses wiederum als Alternative zu den „herkömmlichen Autos“, die es teuer zu betanken gilt. Was steckt dahinter, ist es ein Kompromiss zwischen beiden Formen, macht es dann überhaupt Sinn? Wenn ja, welchen? Und für wen? Wer kann sich das leisten, wer nicht? Diese Fragen sind Inhalt jeder seriösen öffentlichen Diskussion zum Thema Klimawandel. Und Forderung an die Politik, Förderungen aus der Politik. Wie ist der Stand von heute? Wie von morgen? Heute gibt es zumindest keine Koalitionsverhandlungen mehr ohne diesen Inhalt, mag eine Auseinandersetzung zum Thema für manche auch nur zum Schein geführt werden.

Mit dem ausklingenden Jahr lässt sich einiges resümieren. Sicher aber, dass noch immer viele Fahrer einen Umstieg nicht in Erwägung ziehen. Wer Gebrauchtfahrzeuge fährt oder in seinem alltäglichen Umfeld noch nie Ladestationen für Elektroautos gesehen hat, zieht einen Umstieg erst gar nicht in Erwägung.

Doch das letzte Jahrzehnt hinterließ verfestigte Spuren – bei der Technik, beim Ladestationsnetz, am Markt der Gebrauchten. Die Hauptfrage aber, wie jeder den Ausstieg aus Benzin- und Diesel-Abhängigkeiten schafft, bleibt offen. Sie wird allerdings Thema der folgenden Auswertung. Dazu muss man Grundsätzliches darüber wissen.

Hybridauto – was ist das?

Ein Fahrzeug mit Hybridantrieb wird mit mindestens zwei verschiedenen Antriebsarten, also Motoren, betrieben. Damit ist es schon „hybrid“. Auf die Bezeichnung „Kraftfahrzeug“ darf man verzichten. Immerhin bedeutet der Hinweis auf einen hybriden Antrieb ohnehin, dass es sich um kein antriebsloses Fahrzeug, wie etwa ein Fahrrad, Roller oder Ruderboot, handelt. Muskelkraft wird ja extern erzeugt.

Hybridauto

Demzufolge müsste es eigentlich in unserem Sprachgebrauch immer „Hybrid-Elektrofahrzeug“ heißen, weil es keine nennenswerten anderen Arten am Markt gibt. Falls es einmal welche gibt, bleibt das ohnehin nicht aus. Es handelt sich also im allgemeinen Sprachgebrauch um ein Auto, welches mit einen Elektroantrieb und einen fossil betrieben Antriebsmotor, also mit Benzin oder Diesel angetrieben, ausgestattet ist.

Die allgemeingültige Definition in der EU besagt es freilich genauer, weil es sich um einzuhaltende Normen für Autobauer handelt: Im Fahrzeug müssen mindestens zwei Energieumwandler und mindestens zwei Energiespeichersysteme vorhanden sein. Oft einer davon mit elektrischer Energie zu betreiben, dann lautet der offizielle Name des Autos „Hybridelektrofahrzeug“: Ein Elektromotor und ein Diesel- oder Ottomotor.

Ein Ottomotor wird mit Benzin betrieben. Der benötigt seinerseits einen Kraftstofftank, den wir an Tankstellen mehr oder weniger erst füllen müssen, ehe wir unsere Fahrten antreten. Genauso wie ein Dieselmotor ohne Diesel den Stillstand bedeuten würde. Der Energiespeicher des Elektromotors wird Akkumulator genannt und ist an einer Steckdose einfach aufzuladen – wie Akkuschrauber, Handys oder ein Laptop.

Hybridfahrzeug

Nun haben wir zwei Motoren, aber nur ein Fahrzeug. Wie geht das zusammen? Es gibt mehrere Möglichkeiten: Etwa beide treiben zugleich jeweils andere Teile des Hybridauto an – das nennt man eine parallele Wirkungsweise. Der serielle Hybrid bedeutet hingegen, dass ein Motor nur ausnahmsweise „einspringt“, während der andere für den grundsätzlichen Antrieb sorgt. Ob, wann und warum hier ein Vorteil für den Fahrer entsteht, wird unten näher durchleuchtet. Mischhybride arbeiten sowohl seriell als auch parallel.

Es gibt auch Mischformen und andere Wirkungsweisen, die man nicht unbedingt kennen muss weil sie aktuell in der Praxis keinen Mehrwert bringen. Wer den Stand dieser Techniken interessant findet und ein näheres Verständnis über Hybridautos wünscht, muss sich zuerst über den Elektroantrieb an sich informieren.

Historie und Entwicklung von Hybridfahrzeugen

Eine rein oberflächliche Betrachtung bringt bereits interessante Aspekte zum Vorschein: Die Kombination von mindestens zwei Antriebsmotoren ist keineswegs neu – Neu erscheint nur der Einsatz beim Individualverkehr für die Massen. Zieht man auch Wasserfahrzeuge und die Muskelkraft in die Überschau mit ein, stößt man beispielsweise auf Kombinationen von Verbrennungsmotoren und Windkraft, Verbrennungsmotoren und Dampfmaschinen und nicht zuletzt die aktuell beliebte Kombination von Elektroantrieb und Muskelkraft – nämlich beim Elektrofahrrad. Dort wirkt der Motor nur dann, wenn es erwünscht ist: bergauf, wenn man sich erschöpft fühlt oder einfach, wenn man Lust hat.

Die Vorteile des Hybridauto von heute

Wer von Vor- und Nachteilen spricht, setzt einen Vergleich. Dazu ist ein Verständnis über den Elektromotor notwendig, sozusagen als Einstiegslektüre. Welche Vor- und Nachteile ein Verbrennungsmotor mit sich bringt, ist ja hinlänglich bekannt. Kurz seien nur die CO2-Emissionen und die hohen Preise an den Tankstellen zu nennen. „Kinderkrankheiten“, ist man sich ziemlich einig, gibt es bei keinen Antriebsarten mehr.

Die Vorteile beim Hybridauto liegen dort, wo die Nachteile des jeweils anderen Antriebs beginnen. Das heißt vorweggenommen, wenn es nicht anders geht, ist immer der Elektroantrieb vorzuziehen. Das ergeben die CO2-Bilanz und der Preis auf den Tankstellen. Falls nötig, kann der Fahrer beim Hybrid aber auf den fossilen Antrieb zurückgreifen. So einfach ist das. Etwa im Stadtverkehr, weil die Fahrten nicht so lang sind, so dass eine Aufladung an der Steckdose stattfinden müsste um ans Ziel zu gelangen. Also bei Langstrecken. Oder bei einem Aufenthalt in der tiefsten Peripherie. Aber der Alltag kann mit Strom anstatt Benzin oder Diesel bewältigt werden, also dem Gros der Verwendung. Dann gibt es noch Punkte, die weniger bekannt sind:

  • Höhere Agilität als bei Verbrennungsmotoren

Zehn bis zwanzig Prozent Unterschied an Leistung bewirkt der Elektromotor bei gleicher Systemleistung. Im Stadtverkehr oder auf hügeligen, kurvenreichen Straßen, wo man zwischendurch immer zum Stehen kommt, bringt diese Beschleunigung einen spürbaren Unterschied im Vergleich zu früher. Das führt weiter zum nächsten Punkt:

  • Kein Energieverlust beim Bremsmanöver

Der Elektromotor speichert jene Energie, die beim Bremsen ansonsten „abgewürgt“ wird und setzt sie bei Bedarf wieder frei. Die Bremsbeläge bleiben deutlich geschont zumal die Scheibenbremsen viel seltener benützt werden. Damit ergibt sich ein sattes Plus bei den Werkstattkosten. Die so gewonnene Energie steht zum Einsatz bereit und es bedarf einer verringerten Aufladung am Stromnetz.

Die Nachteile des Hybridauto von heute

Technisch gesehen gibt es keinen Nachteil. Auch  insgesamt rechnerisch gesehen ergibt sich keine Aufwendung, die beim Verbrennungsmotor nicht mindestens ebenso zu Buche schlägt. Doch, wie wohl alle wissen, ist es die Anschaffung, welche für den „Nachteil“ in wirtschaftlicher Hinsicht sorgt. Im Durchschnitt sind gängige Modelle mit Hybridantrieb mit einem knappen Drittel an höheren Einkaufspreisen behaftet. Nun würde das bedeuten, dass die ungefähre Ersparnis beim langjährigen Betrieb schon vorab in den Taschen der Autobauer landet und nicht dem Eigentümer.

Damit bliebe uns „nur“ der Effekt auf unsere Umwelt bei einem Umstieg. Es geht aber auch anders: Erstens ist die Höhe der Ersparnis vom individuellen Fahrverhalten abhängig. Wer viel im Stadtverkehr unterwegs ist, gewinnt durch die Rückspeisung der Energie. Häufige  Langstreckenfahrer können von diesem Vergleich nur in geringerem Ausmaß profitieren.

Resümee zum Umstieg auf ein Hybridauto

Abgesehen von der CO2-Ersparnis besteht die Möglichkeit auf Kostenersparnissen. Das ist eine Frage des „Wie“. Hier genügt eine kleine „Milchmädchen-Rechnung“: Verlangen die Autobauer um ein Drittel höhere Preise für dasselbe Fahrzeug mit Hybridantrieb, so kann dieser Betrag in seiner Höhe beim Weiterverkauf nicht mehr dazugerechnet werden sondern höchstens proportional. Selbst wenn es um ein Drittel mehr als der Weiterverkaufspreis wäre, ist dieser Betrag in Relation zu den Betriebskosten, die ja immer gleich hoch sind, viel geringer. Wer also einen gebrauchten Hybrid erwirbt, kann mit einer überproportional rascheren Amortisierung rechnen.

Zu guter Letzt ist es allgemein bekannt, dass die Gesetzgeber hinsichtlich der Eindämmung von Schadstoffausschüttungen stark gefordert sind. Wollen die Regierungen die Masse erreichen, kann man sich nicht nur auf potentielle Eigentümer von Neufahrzeugen konzentrieren. Zumindest nicht in einer Zeit, wo sich die Vermögen an oberster Spitze immer stärker konzentrieren. Die CO2-Emissionen sind nämlich bei jedem gleich. Es ist daher jeden anzuraten, nicht nur die Augen am Gebrauchtmarkt offen zuhalten, sondern auch über die neuesten Förderungen informiert zu sein.