Fahrbericht des vietnamesischen E-SUV VinFast VF 8 plus

Fahrbericht des vietnamesischen E-SUV VinFast VF 8 plus

Copyright Abbildung(en): VinFast

Vinfast ist ein seinem Heimatland Vietnam ein gigantischer Konzern und mischt mit seinen neuen Modellen auch den amerikanischen Elektromarkt auf. Ende 2022 kommt Vinfast nach Deutschland und hat auch hier große Pläne. Bestes Beispiel ist der Vinfast VF 8 Plus.

Das hat man alles nicht zum ersten gehört in der Automobilindustrie: Man nehme Geld in die Hand, kaufe sich entsprechendes Know-how ein, errichte eine eigene Fabrik oder übernehme die eines erfolglosen Autobauers, kreiere ein möglichst zeitgemäßes Vertriebsmodell und fertig ist der neue Stern am Automobilhimmel. Klingt einfach, ist es aber nicht. Die Liste der gescheiterten Hersteller ist lang: Fragen Sie nur mal bei Qoros oder Borgward nach. Da waren die Ambitionen groß und der Fall ebenso. Der vietnamesische Autobauer VinFast will es besser machen. Geld ist da. Der Multimilliardär und Besitzer des Dach-Unternehmens VinGroup Phạm Nhật Vượng verfügt über genug finanzielle Mittel, um aus dem automobilen Start-up eine Erfolgsgeschichte zu machen. Also holte man sich unter anderem Magna als Entwicklungspartner, Pininfarina für das Design und ZF für die Fahrassistenzsysteme in Boot. Herausgekommen ist der VF 8, ein 4,75 Meter langes Elektro-SUV, das im D-Segment für Furore sorgen soll.

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Wir sitzen in der Plus-Variante mit 300 kW / 408 PS und einem maximalen Drehmoment von 620 Newtonmetern. Über den riesigen 15,6 Zoll Touchscreen werden alle wesentlichen Einstellungen initiiert. Angefangen von der Position des Lenkrads, den Außenspiegeln bin hin zu den Fahrmodi Eco, Normal und Sport. Im Zusammenspeil mit den Lenkradtasten justieren wir das Volant und finden schnell eine passable Sitzposition. Allerdings merken wir schnell, dass der Seitenhalt ausgeprägter sein könnte.

Auf der Straße schlägt sich der VF 8 zunächst ordentlich. Der Allradantrieb, bestehend aus jeweils einem Motor an der Vorder- und Hinterachse, sorgt für genug Traktion. Das ändert sich, sobald es um die Kurven geht, dann benimmt sich der Vorderwagen störrisch und das ESP muss spürbar eingreifen, um diese Untersteuerneigung auszugleichen. Allerdings sitzen wir in einem Vorserienfahrzeug, also haben die Entwickler noch Zeit nachzubessern. Gleiches gilt für das Stahlfahrwerk, das bei Unebenheiten und Richtungswechseln fast ständig in Bewegung ist. Das hat seinen Grund. Auch wenn die Vietnamesen beharrlich zum Thema Gewicht schweigen, gehen wir von rund 2,5 Tonnen aus. Diese Masse muss im Zaum gehalten und dabei der Komfort nicht vernachlässigt werden. Hier könnten adaptive Dämpfer helfen, den Konflikt zwischen notwendiger Straffheit und Komfort zu lösen. Die gibt es aber beim VF 8 nicht.

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Beim Raumangebot bietet der VinFast-Crossover ein zweigespaltenes Bild. Während es im Fond gerade bei der Beinfreiheit wahrlich fürstlich zugeht, ist es vorne enger. Das liegt an der mächtigen Mittelkonsole und dem Kardantunnel, der daher rührt, dass der VF 8 auch mit einem Verbrennungsmotor angeboten wird. Das Infotainmentsystem basiert auf Android Auto, wird aber beim Serienmodell Apple CarPlay beherrschen – sowohl drahtlos als per USB-Anschluss. Deswegen gleicht die Benutzeroberfläche der eines Smartphones und gibt bei der Bedienung keine Rätsel auf. Bei den Untermenüs muss man sich erst zurechtfinden. Weitere Software-Updates werden drahtlos erfolgen.

Die Fahrmodi und die Rekuperationsstärke (Leicht oder Standard, was nicht für One-Pedal-Fahren reicht), stellt man über den großen Bildschirm ein. Hier wären Schaltwippen sowie ein kleines Drehrad am Lenkrad besser. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich die Fahrprogramme spürbar unterscheiden. Bei Sport steht die volle Leistung zur Verfügung, der VF 8 Plus erreicht aus dem Stand nach 5,5 Sekunden die 100-km/h-Marke und ist bis zu 200 km/h schnell. Bei Normal wird das Drehmoment um zehn Prozent reduziert und der Top Speed beträgt 180 km/h. Bei Eco reagiert der Antriebsstrang deutlich zurückhaltender, das Drehmoment fällt um weitere zehn Prozent und die Maximalgeschwindigkeit auf 160 km/h.

VinFast bietet den VF 8 in zwei Batteriegrößen an: mit 82 oder 87,7 Kilowattstunden Netto-Kapazität. Je nach Akkugröße kommt der VF 8 plus entweder bis zu 400 Kilometer oder bis zu 447 Kilometer weit. Bei uns errechnete der Bordcomputer 333 Kilometer. Die maximale Gleichstrom- Ladegeschwindigkeit beträgt 200 kW, damit sollen die großen Akkus in weniger als einer Stunde wieder voll sein. Das AC-Stromtanken ist bis zu 11 kW möglich, dann sind die Energiespeicher in etwa 31 Minuten von 10 auf 70 Prozent gefüllt.

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Der VF 8 wird Ende des Jahres in Deutschland erhältlich sein. Je nach Batteriegröße kostet die Plus-Version 50.800 oder 50.300 Euro. Bei diesem geringen Unterschied dürften die kleineren Akkus keine große Rolle spielen. Wem 260 kW / 353 PS reichen, greift zum VinFast VF 8 Eco für 43.900 beziehungsweise 43.600 Euro. Dafür wächst die maximale Reichweite auf 471 Kilometer. Selbst die Basisversion ist mit elf Airbags, einem beheizbaren Lenkrad, einer Wärmepumpe, LED-Scheinwerfer und einer ganzen Reihe von Helfern wie dem Stauassistenten oder dem Notbremsassistenten, einer 360-Grad-Kamera sowie einem Head-up-Display wirklich gut ausgestattet. Allerdings verlangt VinFast für die Batterien eine monatliche Leasingrate von 120 Euro. Zum Vergleich: Der Aiways U5 kostet mindestens 35.403 Euro.

Anders als die meisten asiatischen Automobilhersteller, die zunächst im Heimatmarkt ihre Hausaufgaben machen, um dann weltweit erfolgreich zu sein, wird der VF 8 zusammen mit seinem größeren Bruder VF 9 Ende des Jahres nach Europa kommen. Los geht es in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden mit insgesamt 50 Stützpunkten, davon alleine 25 in Deutschland. Beginnend mit Niederlassungen in Frankfurt, Berlin, Köln, Oberhausen und Hamburg. „Wir wollen uns durch das Konzept der vietnamesischen Gastfreundschaft von den anderen Automobilherstellern unterscheiden“, sagt die VinFast-Chefin Le Thi Thu Thuy. Das bedeutet einen Rundum-Sorglos-Kundenservice und mehr. Es wird spannend zu sehen sein, wie und ob dieses Konzept Erfolg hat.


Über den Autor: Wolfgang Gomoll; press-inform

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„Das AC-Stromtanken ist bis zu 11 kW möglich, dann sind die Energiespeicher in etwa 31 Minuten von 10 auf 70 Prozent gefüllt.“ Das ist doch mal eine interessante Rechnung.
Von dem Irrtum mal abgesehen- schwer vorstellbar, dass jemand in D das Auto kauft. In 10 Jahren mag das anders aussehen.
Was ich, wie bei Tesla, völlig unmöglich finde: Offenbar kann man kaum etwas bis gar nichts ohne Zuhilfenahme des Displays einstellen.
Sonderbar übrigens, dass der Gesetzgeber uns bestraft, wenn wir im Auto mit dem Handy am Ohr erwischt werden, die wohl deutlich gefährlichere Rumwischerei auf unseren Mäusekinos aber zulässt.

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