Ärger über volle Tesla-Supercharger in Kalifornien

Tesla Fahrer ärgern sich über volle Supercharger-Stationen

Copyright Abbildung(en): JL IMAGES / Shutterstock.com

Eines Vorweg: Kalifornien ist einer der bevölkerungsreichsten Flecken der Erde. 40 Millionen Menschen leben hier, die meisten entlang des Küstenstreifens zwischen Los Angeles und San Francisco. Allein die Metropolregion L.A. hat gut 18 Millionen Einwohner. Rund um San Francisco sind es nochmal fünf Millionen. Zudem fördert der US-Bundesstaat Elektroautos wie sonst kein anderer US-Staat, und die Kalifornier, mit Apple, Google, Microsoft und wie sie alle heißen direkt vor der Haustür, sind von Haus aus um einiges innovationsoffener als Menschen anderer Landstriche.

So wundert es kaum, dass in Kalifornien jeder zehnte Neuwagen ein Elektroauto ist, mehr als eine halbe Million davon sind schon auf den Straßen. Zum Vergleich: In Deutschland mit seinen mehr als 80 Millionen Einwohnern sind es Stand Oktober 2019 nur um die 150.000, grob runtergebrochen ein Anteil von einem Sechstel im Vergleich zum US-Staat. Und da in Kalifornien auch noch jedes zweite Elektroauto ein Tesla ist, kann es schonmal vorkommen, dass es an den Superchargern, den Hersteller-eigenen Schnellladestationen, etwas enger zugeht. Zum Beispiel an Thanksgiving, wenn das ganze Land unterwegs ist, um Familie, Freunde und Bekannte zu besuchen und gemeinsam Truthahn zu Schlemmen.

Lange Warteschlangen verärgern Tesla-Fahrer

Wie mehrere Youtube- und Twitter-Videos zeigen, kam es zuletzt an Thanksgiving zu langen Warteschlangen an Superchargern. Teilweise warteten mehr als 40 Fahrzeuge gleichzeitig auf einen freien Ladepunkt, wie etwa in Kettleman, auf halber Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco. „Ich verbrachte mehr Zeit mit Aufladen als mit Fahren“, schrieb Twitter-Nutzer Shawn Nag etwas frustriert. Es wurden auch bereits Vorwürfe laut, dass Tesla bei der Konzentration auf das Massenmarkt-Modell Model 3 und neue Fahrzeuge wie den Cybertruck zu wenig darauf geachtet habe, auch das Ladesäulennetz weiter auszubauen.

Das Grundproblem ist, dass das Laden eines Elektroautos deutlich länger dauert als das Betanken eines Verbrenners. Zwar laden Teslas an Superchargern innerhalb einer halben Stunde Strom für mehrere Hundert Kilometer nach. Aber würde man jedes benzinbetriebene Fahrzeug gegen ein elektrisches austauschen, bräuchte es mehr Ladestationen als Zapfsäulen, um — bei den aktuellen Ladegeschwindigkeiten — lange Wartezeiten in den seltenen Momenten zu vermeiden, in denen die Nachfrage am höchsten ist. Denken wir nur mal an die allsommerlichen Ferienverkehr über den Brenner, wenn sich gefühlt halb Deutschland Richtung Italien schiebt.

Das Problem in den USA scheint allerdings nur Kalifornien und dort auch nur die vielbefahrene Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco betroffen zu haben. Andere Tesla-Besitzer wie Steve Baker sagten, sie mussten woanders in den USA und auf deutlich weiteren Strecken nicht auf eine freie Ladestation warten, zudem seien die Ladeparks nur maximal zur Hälfte belegt gewesen.

Tesla hat übrigens bereits eine mögliche Lösung für dieses Problem aufgezeigt, und mobile Ladepunkte mit einem industriellen Batteriespeicher auf einem Tieflader an mindestens eine Supercharger-Station geschickt. Deren Energieinhalt soll für 100 Ladevorgänge reichen. Es ist jedoch unklar, wie sinnvoll eine solche Strategie in größerem Maßstab wäre.

Dass Tesla jetzt auch wieder mehr Supercharger bauen muss, ist indes unausweichlich, vor allem in Kalifornien. Zumal der Hersteller allein in den ersten drei Quartalen 2019 mehr als 255.000 neue Elektroautos ausgeliefert, im gleichen Zeitraum aber nur etwa 230 neue Supercharger-Stationen und insgesamt rund 2600 zusätzliche Ladesäulen in Betrieb genommen hat. Aber dass sich etwas tut, zeigt die aktuelle Standort-Karte auf der Tesla-Website, wir haben die Westküste der USA als Ausschnitt gewählt. Jede grau hinterlegte Station öffnet in Kürze. Wir sind jetzt schon gespannt, wie es im kommenden Jahr zu Thanksgiving an Kaliforniens Superchargern aussieht.

Tesla

Quellen: Twitter // Youtube // Tesla-Website

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5 Antworten

  1. Es wird jetzt schwierig ..
    Tesla muss sparen .. und sparen macht man in dem man Kosten vermindert.
    Der Bau von Superchargern erzeugt Kosten .. und wenn dann noch kostenlos geladen werden kann .. noch mehr.
    Also lässt man das mal lieber ..
    und erzeugt so richtig Frust beim Kunden. Tesla-user sind leidensfähig aber je mehr die Tesla-Kundschaft aus der Nerd-Szene in Richtung Normalbürger wandert wandeln sich die Ansprüche.
    Die Gefahr ist, dass der Markt für BEV nicht so schnell wächst wie Tesla es benötigt und gleichzeitig der Wetbewerb die Preis runter drückt und leistungsmäßig aufschließt.
    Ich schließe keine Wetten aber es sieht nicht gut aus.

    1. Kostenlos laden konnten nur die ersten Model S Kunden. Alle anderen zahlen einen (recht fairen) Preis pro kWh (afaik 0,34 €/kWh) und einen deutlich höheren Preis (afaik 80 Cent in D) für das blockieren einer Ladesäule ohne zu laden.
      Der deutsche Wettbewerb drückt die Preise keineswegs. Ein ID3 mit schlechterer Ausstattung und Leistungswerten wird auch 50k€ in der besten Ausstattungslinie kosten.

      Die Probleme an Thanksgiving sind aber diesselben wie unser Ferienreiseverkehr. Da steht man an Autobahntankstellen auch gerne mal 30-60min bis man tanken darf.
      Interessant wäre, wieviele SuC-Nutzer dort nur ein bisschen geladen haben um dann zu einem anderen SuC zu fahren und dort weiterzuladen.

    2. Schwarz malen ist bei diesem Fall unangebracht. Es ist übertrieben, wegen Problemen an Thanksgiving eine ganzes System in Frage zu stellen. Aus Tesla darf lernen und sich entwickeln. Und Supercharger zu erweitern, ist das kleinste Problem. Zug um Zug werden ja Kapazitäten an Tankstellen und Autohöfen frei, die von Supercharger genutzt werden können. Shell hat das als erster Mineralölkonzern erkannt und das Ladesäulen Netz New Motion geschluckt und sich so seine Zukunft gesichert. New Motion erzeugt einen Zugang zu 110.000 Ladesäulen. Primär in Benelux und Scandinavian. Und dort gibt es keine Probleme mit dem Laden

  2. Nun die mobilen TESLA-Supercharger sehen noch ein bisschen unbeholfen aus. Aber wie so oft, Musk ist auf dem richtigen Weg und wenn der Markt mal bisschen boomt interessiert es auch niemanden mehr was der Ladestrom dort kostet. Denn die viel preisgünstigeren Säulen können ja von denen, die genug Zeit und vor allem Lust auf Warten haben trotzdem angefahren werden. Mobilladen ist eine Lösung für temporäre Engpässe und die Lösung für Netzunzulänglichkeiten, die werden wir noch reichlich erleben. Wir setzen schon seit 2018 auf Mobilladen, haben auch schon eine BMVI-Förderung erhalten und entwickeln derzeit ein Dualladefahrzeug (H2 + Strom).
    Mobilladen kommt und wenn autonomes Fahren eingeführt wird, führt daran kein Weg mehr vorbei. 3 MWh Energie auf der Straße, das bedeutet, ca. 50 Fahrzeugladungen an einem X-beliebigen Punkt, und das schönste, der kommt auch noch per APP zum Kunden. Das kann auch den TESLA-Fahrern in Kalifornien helfen. Aber geht natürlich nicht für 34 Cent, sondern kostet fast das Doppelte.

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