VDB sieht „keine Konkurrenz zwischen Elektroantrieben und Biokraftstoffen“

VDB sieht "keine Konkurrenz zwischen Elektroantrieben und Biokraftstoffen"

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto- Nummer: 1397482955

Derzeit stärkt die deutsche Politik vor allem den reinen E-Antrieb als Alternative zum Verbrenner und Diesel. Die Dienstwagenförderung wurde gestärkt und verlängert, der Umweltbonus (Kaufprämie) wird ebenfalls angehoben und verlängert und für einen Masterplan Ladeinfrastruktur hat man sich ebenfalls ausgesprochen. All dies um die selbstgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Eine stärkere politische Berücksichtigung des Beitrags herkömmlicher Biokraftstoffe zum Klimaschutz wünscht sich der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Im Interview mit AGRA-EUROPE stellte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann fest, dass das Klimapaket der Bundesregierung in dieser Hinsicht keine Impulse bringe. Fehlende preisliche Anreize für Biokraftstoffe führte er dabei als großes Manko auf, vor allem da er in puncto Klimaschutz durch regenerative Kraftstoffe noch Luft nach oben sieht. Hier besteht nach Baumanns Einschätzung wegen einer „kraftlosen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II)“ sogar die Gefahr, dass diese bei einer nationalen Eins-zu-eins-Umsetzung zu einer Halbierung der Biokraftstoffmenge aus landwirtschaftlicher Biomasse führen würde.

Des Weiteren sieht er die Gefahr einer mittelfristigen „Kannibalisierung“ der Biokraftstoffe der ersten Generation durch fortschrittliche Biokraftstoffe und Elektromobilität, durch die Deckelung der Treibhausgas-(THG)-Quote. Seine Forderung sei vielmehr eine Anhebung der THG-Minderungsquote, um das 2030er Ziel des deutschen Klimaschutzplans für den Verkehrssektor zu erreichen.

Positiv hervorzuheben ist, dass Baumann die E-Mobilität nicht schlecht darstellt, sondern E-Antriebe und Biokraftstoffe auf eine Ebene hebt. Nach seinem Verständnis müssen Elektromobilität, fortschrittliche Biokraftstoffe und strombasierte Kraftstoffe vielmehr zur Erreichung der Klimaschutzziele die marktgängigen Biokraftstoffe ergänzen. Dabei sei es allerdings notwendig, dass man Biokraftstoffe aus landwirtschaftlicher Biomasse auf dem heutigen Niveau hält, um das Klimaziel überhaupt ernsthaft in Angriff zu nehmen. Für 2020 erwartet er zunächst ein deutliches Absatzplus. Damit die höhere THG-Quote erfüllt werden kann, wird es ihm zufolge sogar erforderlich sein, neben den üblichen Kraftstoffen B7, E5 und E10 weitere Biokraftstoffmengen in den Markt zu bringen.

Es wird sich zeigen müssen, ob Baumann recht behält. Denn Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, gab erst kürzlich zu verstehen, dass die Diskussion über Biokraftstoffe aus Pflanzen „von Anfang an in die Sackgasse geführt (habe). Schon mit einem einfachen Dreisatz lässt sich ausrechnen, dass die verfügbaren Anbauflächen nicht ausreichen.“

Quelle: topagrar.com – Baumann: Klimaschutzziele nur mit Biokraftstoffen erreichbar

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „VDB sieht „keine Konkurrenz zwischen Elektroantrieben und Biokraftstoffen““ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
18 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Sehr geehrter Herr Elmar Baumann,
es tut mir sehr leid, aber ihrem Verband fehlt irgendwie die Daseinsberechtigung.
Auf den Äckern sollten wir lieber etwas zu essen anbauen, statt die Fläche zu nutzen um Nahrungsmittel (diese hätten es sein können) in einem ineffizienten Verbrennungsmotor größtenteils in Wärme umzuwandeln.
Suchen sie sich lieber einen Job mit Zukunftsaussichten.
Selbst ihnen sollte klar sein, dass das Potential überschaubar ist, eher gegen Null tendiert.

Danke –
und ergänzend:
Bei solchen Lobbyäußerungen bleibt immer wieder die Belastung, also der Dreck der Verbrennungsmotoremissionen, außen vor auch wenn dort Biokraftstoffe verbrannt werden.

Satire On: Gerne dürfen die Befürworter der unzeitgemäßen Verbrenner einmal zwecks Selbsttest solche Kraftstoffe tanken, den Auspuff eines so betriebenen Verbrennerfahrzeuges in den Innenraum legen und bei laufendem Motor tief durchatmen…
Satire Off

Von den von der Lobby viel beschworenen doch so sauberen „modernen“ Verbrennern wird die Luft doch weiterhin verpestet – ob mit oder ohne Bio-Kraftstoff.
Des weiteren: Auch Wasserstoff ist u. a. wegen der Komplexität des Antriebes (s. unten) und der geringen Verfügbarkeit für PKW ein Null-Thema. Alleine der angemeldete Bedarf der deutschen Großindustrie für Fertigungsprozesse etc. ist derart riesig, dass an ein nutzloses Verschwenden dieses hohen Gutes in PKW auf lange Sicht nicht verantwortbar ist. Da ist der sinnvolle Einsatz im Schwerlastverkehr, also Bahn, Schiffe, LKW noch nicht einmal eingerechnet.
Zur Veranschaulichung das Foto eines PKW-Wasserstoffantriebes (Toyota) und dem eines Tesla…
https://tff-forum.de/download/file.php?id=60592&mode=view

Bitte nicht wieder die unsägliche „Tank oder Teller?“-Diskussion hochkochen, denn die entbehrt jeder Grundlage!
Der Gedanke, Rapsöl direkt oder in Form von Biodiesel als Treibstoff zu verwenden kam ja überhaupt nur deswegen in die Welt, weil man mit dem „Doppel-Null Raps“ endlich eine Feldfrucht in die Hand bekam, mit der man das ökologisch verheerende Soja-Schrot als Kraftfutter und die Zuckerrübe ersetzen konnte, deren Zucker ohne massive Subventionen niemals konkurrenzfähig sein würde.
Dabei fielen aber große Mengen Rapsöl als Abfallprodukt an, das im Nahrungsmittelmarkt beim besten Willen nicht unterzubringen war. Darum ging man dazu über, den Überschuss als Treibstoff anstelle von Mineralöldiesel zu verwenden. Ein kluges Konzept, das aus gutem Grund auch mal steuerlich begünstigt wurde – leider nicht lange!
Davon abgesehen wird Biodiesel mittlerweile ohnehin zumgrößten Teil aus UCO („used cooking oil“) hergestellt, das einen ausgezeichneten THG-Index hat.

Biokraftstoffe sind eine anacronistische Sache. Nicht richtig erforscht schon obsolet. Jedenfalls für den PKW Bereich. Nein sowas brauchen wir nicht und auch keinen der meint man müsse die Verbrenner retten.
Eine vergangen Technik künstlich am Leben zu erhalten bringt, selbst mittelfristig, niemand etwas.

Ganz so Einfach ist es dann doch nicht. Bio Gasanlagen gibt es schon lange, diese werden mit Resten der Lebensmittel Industie, Gülle oder auch mit Mais betrieben. Aus dem Entstehenden Gas wird entweder Wärme oder Strom produziert der ins Netz eingespeist wird und ein Teil der erneuerbaren Energien ist. Damit lade ihr zb. eure E Autos. Macht man aber aus den gleichen Ausgangsstoffen alternative Kraftstoffe, dann ist es nicht mehr ok???? Wieder eine einseitige Sichtweise. Und solange man aus Gülle noch etwas uns nützliches Herstellen kann finde ich es alle mal besser als diese auf den Feld auszubringen und den Nitrat Gehalt im Boden weiter zu steigern. Das ist auch Umweltschutz….

Das was hinten aus den Auspuffen der PKW, etc. raus kommt ist auch mit so erzeugten Kraftstoffen völlig inakzeptabel. Da gibt sicher viel sinnvollere und vor allem saubere Anwendungen außerhalb der PKW-Antriebe. Mit Ihren Ansichten zu der Erzeugung aus den von Ihnen genannten Quellen bin ich einer Meinung.

Es ist erstaunlich mit welcher Vehemenz gegen alle anderen Ansätze der Mobilität hier vorgegangen wird. Wenn die E Mobilität so gut ist, einfach zurücklehnen, ihr habt nicht zu befürchten:)
Komischerweise sind klassische Verbrenner Fahr da entspannter. Es kann doch jeder frei wählen, was müsst es ein wenn es mit erneuerbarer Engerien lädt, aber sonst nichts an seinen Umwelt Verhalten geändert hat. Dann bleibt unser Planet der Verlierer!!! Also bitte alle Möglichkeiten aus nutzen in allen Bereichen, und nicht nur seine Sache für gut heißen.

Sorry, aber das ist Unsinn!
Biokraftstoffe sind die bei weitem eleganteste Methode, Sonnenergie für die Energiegewinnung und vor allem für die Mobilität nutzbar zu machen. Eine Konkurrenzsituation zur Nahrungsmittelproduktion besteht übrigens auch nicht, weil Nahrungsmittel reichlich und billig verfügbar sind.
Das Problem ist vielmehr, dass es leider viele Menschen gibt, die sie sich trotzdem nicht leisten können, weil wir ihre Existenz mit unseren billigen Nahrungsmittelüberschüssen, die wir in alle Welt exportieren, ruiniert haben. Gerade für die wäre die Produktion von Energiepflanzen eine hochwillkommene Alternative – wenn wir sie denn in unseren Markt ließen!
Die E-Mobilität hat sicher ihre Existenzberechtigung, vor allem im städtischen Bereich und auf Kurzstrecken, aber man tut ihr bestimmt keinen Gefallen, wenn man sie mit unerfüllbaren Erwartungen z.B. für den Fernlastverkehr überfrachtet und eine Art „Ausschließlichkeitsanspruch“ durchsetzen will, indem man gegen Biokraftstoffe polemisiert. Beides hat seine Existenzberechtigung.

Danke Christian, dem kann ich so beipflichten. Jeder Ansatz ist willkommen und sollte seine Chance bekommen…

Schon jetzt werden Nahrungsmittel quer über den Globus transportiert und ausgetauscht, ein Biokraftstoff würde das ganze nur verschärfen und Klimaneutral ist dieser ohnehin nicht, da eine nicht unwesentliche Menge an Energie investiert werden muss, welche am Ende größtenteils in Wärme verpufft.

An meine Vorkommentatoren:
Ein sehr großer Teil des Biodiesel der heute hergestellt wird besteht aus Altspeiseöl und Resten aus der Pflanzenölraffination. Frische Pflanzenöle werden auf Grund des mittlerweile hohen geforderten THG-Einsparpotentials kaum noch verwendet. Zum Thema Nahrungsmittel kann ich nur sagen, wir haben hier in der EU eine massive Überproduktion von Lebensmitteln, so dass die Überschüsse nach Afrika exportiert werden. Dort werden sie billiger angeboten als die heimischen Produkte. Damit verursacht unsere Lebensmittelproduktion Armut und Hunger in den entsprechenden Ländern da sich Lebensmittelproduktion dort nicht mehr rechnet, verlassen die Menschen ihre Höfe und ziehen in Städte nur um dort weiter in die Armut abzurutschen. Ihre Hauptbeschäftigung besteht dann zumeist darin unseren dorthin exportieren Plastikmüll für wenige Cent pro Tag zu sortieren. Deshalb bevor man hier die Tank oder Teller Diskussion los tritt, besser mal vorher informieren. Unsere Überproduktion schafft dort Armut und daraus resultierent Hunger. Somit stellt sie auch eine der Fluchtursachen dar. Die Dinge sind komplizierter als sie auf den ersten Blick scheinen.

Die Vorstellung von riesigen, chemieverseuchten Energiemaisfeldern ist gruselig.

Als Kraftstoff macht das keinen Sinn bei den lausigen Wirkungsgraden von um die 20% der Verbrenner. Dann schon eher als Brennstoff für die Gebäude-Heizung. Kombiniert als BHKW für die Stromerzeugung kann man um die 90% heraus holen. Und elektrisch fahren.

Na ja, Benziner haben einen Wirkungsgrad von ca. 35% und Diesel liegt bei ca. 40%.Nur mal so zur Richtigstellung.

@Rohlf: Verbrennungsmotoren in Kraftfahrzeugen erreichen die von Ihnen genannten Wirkungsgrade. Aber eben weder dauerhaft und vor allem nur in extrem engen und kurzen Fenstern des Betriebs. Ein Gerät (Verbrennungsmotor) das seine „Stärken“ in der Produktion von Wärme hat und dies ja bei klassischen Heizungen im Hauskeller mit brauchbaren Wirkungsgraden auch liefert (alle negativen Begleiterscheinungen außen vor gelassen), kann und wird die Wirkungsgrade von Elektromotoren, die in der Regel beim Faktor 3 gegen- über dem Verbrennungsmotor liegen, nicht ansatzweise erreichen können. Apropos Heizkeller: Auf eine halbwegs aktuelle Wärmepumpe
(Luft/Wasser) trifft dies ebenso zu: 1 kWh Strom einsetzen und ca. min. das dreifache an Energie in Form von warmen Wasser nutzen können, abgaslos obendrein.

Respekt, der Gedanke gefällt mir !

Zur Zeit Arbeitet man daran den Wirkungsgrad bei Bio Diesel auf 60 % zu steigern. Als Rohstoff werden Abfall oder Reste der Pflanzenölraffenerie verwendet.
In Kanada stellt eine Firma E Fuel aus CO2 und Wasser her. Das ist heute schon zu Konkurrenzfähigen Preisen möglich.
Auch in Deutschland gibt es bereits Öko Diesel. Dieser wird aus CO2 aus der Luft und Wasser hergestellt. Dieser Kraftstoff ist frei von Schwefel und Aromen. Der Wirkungsgrad bei dem ganzen Prozess liegt bei 70 %.
Im Moment werden zwei Anlagen in Niedersachsen gebaut.
Ein weiter Schritt die Mobilität neu Aufzustellen.

Nur kurz und klar:
1. Synthetische CO2 neutrale Kraftstoffe – JA!
2. Biokraftstoffe – NEIN!
Ackerland wird für die Nahrungsproduktion immer mehr nötig!

Diese News könnten dich auch interessieren:

Toyota testet Wasserstoff-Verbrenner im GR Yaris
Nissan baut E-Auto-Schnellladenetz in Deutschland und Europa weiter aus
Uniti One: Update zum E-Kleinwagen aus Schweden
18
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).