Was der Elektroauto-Hersteller Nio in Deutschland und Europa plant

Was der Elektroauto-Hersteller Nio in Deutschland und Europa plant

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Das erst acht Jahre alte Elektroauto-Startup Nio aus China hat schon einige Erfolge aufzuweisen: Mehr als 14.000 Mitarbeiter weltweit, fast 200.000 ausgelieferte Elektroautos, eine innovative Batterietechnologie, mehr als 900 Batterie-Wechselstationen, an denen innerhalb weniger Minuten ein leerer gegen einen vollen E-Auto-Akku getauscht werden kann, sowie vielversprechende Fortschritte beim autonomen Fahren. Über all dies und die Pläne des chinesischen Autoherstellers für Deutschland hat das Fachblatt Edison mit Hui Zhang gesprochen, dem Chef von Nio in Europa.

Nio ist ein globales Start-up und seine besondere Mission ist es, mit smarten Premium-Elektrofahrzeugen, die ein herausragendes Nutzererlebnis bieten, unseren Usern ein positives Lebensgefühl zu vermitteln“, sagt Zhang zu beginn des Interviews. Die Marke wolle „viel Lebensfreude und schöne Erfahrungen, die sie untereinander teilen können“, vermitteln.

Nio will in Sachen Mobilitätein rundum komplettes Ökosystem“ anbieten: „Und dabei hat unser Kompass vier attraktive Richtungen“, wie Zhang erklärt: Nummer eins sei das smarte, nachhaltige Elektroauto „mit zukunftsweisenden Features bis hin zu Feststoffbatterien oder dem autonomen Fahren“. Nummer zwei sei das Netzwerk, das auch „umfangreiche Ladeangebote umfasst, inklusive der Swap-Stations“, wie der Hersteller seine Batterie-Wechselstationen nennt. Als Drittes nennt der Manager „das gesamte digitale System mit den Nio-Apps“ und schließlich viertens die Point of Sales, die Anlaufstellen für den Autokauf, die auch die Nio Houses und die Service-Center beinhalten.

Wo und wann die ersten Nio Houses in Deutschland öffnen sollen, hat Zhang leider nicht verraten. Nur soviel: An ihnen werde „bereits gebaut“. Aber dass es sich dabei um „die großen Metropolen“, also „eine Handvoll interessanter deutscher Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern und den dazugehörigen, sehr attraktiven Zentrumslagen“ handelt, wie Zhang sagt, dürfte auf der Hand liegen. Die Nio Houses sollen jedenfalls noch vor den ersten Fahrzeug-Auslieferungen an deutsche Kunden erfolgen, welche für das vierte Quartal 2022 eingeplant sind.

Als erstes Modell kommt die Premiumlimousine ET7 nach Deutschland, mehr als fünf Meter lang und mit bis zu 480 kW Leistung an den Achsen. Das Fahrzeug sei mit der aktuellsten und smartesten Technologie des Herstellers ausgestattet. „Und außerdem finden wir, dass der ET7 auch vom Design her noch gelungener ist als der große SUV, der später ebenfalls die neue Software-Architektur bekommt“, sagt Zhang mit Blick auf das erste Modell von Nio, das nach Europa kam: Der SUV ES8, der in Norwegen bereits seit Herbst des vergangenen Jahres erhältlich ist.

Noch in diesem Jahr will Nio eine magische Marke knacken und ein Elektroauto mit mehr als 1000 Kilometern Reichweite auf den Markt bringen: Eine Variante der Limousine ET7, die mit einer 150 kWh fassenden Feststoffbatterie ausgestattet sein soll – es wäre der erste derartige Akku weltweit. Nio sehe sich hierbei „als echter Pionier“. Aber auch bei anderen Themen wollen die Chinesen ein Vorreiter sein, etwa beim autonomen Fahren, für das der Hersteller beim ET7 das Level drei bis vier in Aussicht stellt, also selbstfahren, ohne dass der Fahrer eingreifen müsste. Das Nio-System sollen Kunden „ganz normal kaufen, aber auch auf monatlicher Basis mieten können“.

„Wir haben zwei leistungsstarke Fabriken“

Bislang hat Nio fast 200.000 Elektroautos ausgeliefert. Bald dürften es deutlich mehr werden: Wir haben „zwei leistungsstarke Fabriken“, sagt Zhang. Eine davon ist das Stammwerk Hefei, in dem Nio die Kapazität auf bis zu 300.000 Autos erhöhen kann. Die fast fertiggestellte Fabrik zwei befindet sich ebenfalls in Hefei und weise auch eine Kapazität von 300.000 Einheiten auf. „Damit haben wir also schon ein hohes Volumen parat“, so der Manager. Zusätzlich prüft der Hersteller die Fahrzeugmontage bei einem Auftragsfertiger in Europa. Gerüchte, wonach es sich um Valmet oder Magna Steyr handeln soll, wollte Zhang nicht kommentieren.

Die Batterie des ET7 kann auf zweierlei Weise aufgefrischt werden: Sie könne „an entsprechenden Wallboxen oder Säulen“ wieder aufgeladen oder in einer Wechsel-Station schnell gegen eine volle getauscht werden, so Zhang. 915 dieser Stationen gebe es aktuell in China, und jede habe „einen Vorrat von 13 Batterien“, wobei die leeren Akkus direkt in der Station auch wieder geladen werden. Somit sollen mehr als 300 Wechselvorgänge pro Tag möglich sein. Weltweit will Nio bis Jahresende 1300 Wechselstationen aufgebaut haben, auch in Deutschland. „Zeitnah“ wolle sich Nio zu den ersten Swap-Stations in Deutschland äußern, das Team arbeite aktuell an „mehreren Geschäftsstandorten“. Als Beispiele nennt Zhang beliebte Reiserouten, etwa von München die Verbindung über den Brenner nach Italien oder von Hamburg aus die Routen in die nordischen Länder.

Bis 2025 will Nio seine Produkte und seinen Service in mehr als 25 Ländern anbieten und „ein signifikanter Player im Premium-Segment“ geworden sein, sagt Zhang. „Am wichtigsten“ sei dem Hersteller dabei, „die höchste Kundenzufriedenheit unter allen bekannten Automobilherstellern“ erreicht zu haben.

Quelle: Edison – „Nio will ein positives Lebensgefühl vermitteln“

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Prinzipiell eine gute Idee, im Alltag mit einer nicht allzu üppig dimensionierten Batterie zu fahren und sie in der eigenen Garage oder bei beliebigen öffentlichen Ladepunkten zu laden. Auf der Langstrecke dann eine Wechselstation anfahren und nach wenigen Minuten weiterfahren.
Was spricht dagegen:
Die Batterien müssen im Eigentum des Herstellers bleiben und nur gemietet werden, denn niemand wird seine neue (Kauf)batterie gegen eine vielleicht deutlich ältere tauschen wollen. Aus demselben Grund wird ein herstellerübergreifendes System kaum mehr möglich. Somit muss folglich jeder Hersteller ein eigenes Netz an Tauschstationen betreiben.
Für Otto Normalverbraucher (der nur im Urlaub Langstrecke fährt), halte ich es für besser, für die Urlaubsfahrt je Strecke eine Stunde mehr Zeit für die Ladepausen einzuplanen.
Somit bleibt nur mehr die Gruppe übrig, die beruflich sehr viel fahren muss (und meint, das müsse ohne Pause sein). Ob diese Klientel den Aufwand für ein (markengebundenes) Netz an Tauschstationen finanzieren will?

Wenn ich die Wahl habe ein Auto zu kaufen, bei dem sich der Akku extrem einfach wechseln lässt ist das ein großer Pluspunkt.
nicht kaufentscheidend, aber ein attraktives Feature, dass in einem langen Autoleben diverse Vorteile bringen kann.

bin sehr gespannt auf die erste Nio Limousine als Alternative für das Model 3

SUVs interessieren mich dagegen nicht

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