VDA: „Stärkung der Resilienz ist das Gebot der Stunde“

VDA: „Stärkung der Resilienz ist das Gebot der Stunde“

Copyright Abbildung(en): Verbandes der Automobilindustrie e.V.

Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), zieht in einem ausführlichen Interview Bilanz über das Jahr 2022 und erklärt, wie sie sich die Zukunft ihrer Branche vorstellt. Ihrer Meinung nach reichen E-Autos allein nicht aus, das Ziel einer CO2-neutralen Mobilität zu erreichen. Daher bekräftigt sie ihren Standpunkt zur Einführung von synthetischen Kraftstoffen.

Mit den Erwartungen an 2023 sei sie zurückhaltend, nachdem sie Ende 2021 mit Blick auf das Jahr 2022 gesagt habe, „dass es eigentlich nach der Corona Pandemie nur besser werden kann. Dann kam der furchtbare russische Angriffskrieg“, so Müller. Viele aktuelle Krisen zusammen, neben dem Krieg in der Ukraine seien noch die Verwerfungen in den Lieferketten, der Halbleitermangel und die steigende Inflation zu erwähnen, „belasten die Märkte weiterhin stark“. Die Menschen seien verunsichert und „besorgt – und das wird sicherlich auch entsprechende Konsequenzen für die Automobilindustrie haben und sich in den Verkaufszahlen zeigen“, so die VDA-Präsidentin.

Beim Blick zurück auf 2022 wirft sie den Entscheidungsträgern in Berlin und Brüssel vor, „in wichtigen Bereichen ihre Hausaufgaben nicht erledigt“ zu haben. Zum Beispiel vermisst Müller auf dem Weg zur Klimaneutralität, durch das EU-weite Verbrenner-Neuzulassungsverbot ab 2035 beschlossene Sache, „eine entsprechende Energiestrategie mit weltweiten Handels- und Rohstoffverträgen“, um die Antriebswende abzusichern. Müller fordert zudem „grundsätzlich eine moderne aktive Industriepolitik“: Das Steuersystem sei nicht wettbewerbsfähig und Genehmigungsverfahren dauern zu lange. „Wenn Europa diese Aufgaben nicht konsequent angeht, droht der Kontinent als großer Verlierer aus den aktuellen Krisen hervorzugehen“, warnt sie.

Der Aufbau der Infrastruktur für die Elektromobilität brauche „eine massive Beschleunigung“, und der Bereich der Nutzfahrzeuge müsse eine größere Rolle spielen. „Nur wenn die Geschwindigkeit beim Ausbau verfünffacht wird, können bis 2030 eine Million Ladepunkte realisiert werden“, rechnet die VDA-Präsidentin vor. Dies sei „eine Gemeinschaftsaufgabe, die auch das Engagement der Kommunen sowie von Arbeitgebern oder beispielsweise auch dem Handel voraussetzt“, sagt Müller. Entscheidend sei außerdem, dass die rechtlichen Voraussetzungen für bidirektionales Laden (V2G) geschaffen werden und sich die Energiewirtschaft einbringt. „Nur sie kann dafür sorgen, dass die für das Laden notwendigen Netzkapazitäten tatsächlich vorhanden sind“.

Müller hält es für falsch, dass die EU die Einführung von E-Fuels als Alternative zu fossilen Treibstoffen nicht entschieden verfolgt. Mit der Elektromobilität alleine sei „die Aufgabe CO2-Neutralität im Verkehrsbereich nicht gelöst“, sagt Müller, da selbst bei den von der Bundesregierung anvisierten 15 Millionen E-Autos bis 2030 immer noch gut 30 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf den Straßen sein werden. EU-weit sei sogar mit 280 Millionen Verbrennern zu rechnen, weltweit mit gut 1,5 Milliarden. „Klimaneutraler Verkehr – ohne den Bestand mitzudenken und ihn zu dekarbonisieren – das ist unmöglich“, sagt Müller daher und betont die Relevanz von synthetischen Kraftstoffen, damit auch die Bestandsflotte klimafreundlicher werden kann.

„Mit der Massenproduktion kommen Skaleneffekte“

Zudem geht Müller davon aus, dass Verbrenner-Modelle weltweit betrachtet „sicher auch nach 2035 hergestellt werden“, weshalb es von Interesse sein müsse, „in diesem Bereich auch weiter führend zu sein und weltweit die Standards zu setzen“. Für E-Autos geht Müller davon aus, dass sie ihren Nachteil bei den Anschaffungskosten bald ausgleichen können: „Mit der Massenproduktion kommen Skaleneffekte, und die Modelle werden preiswerter“, stellt sie in Aussicht. Allerdings müsse die Autoindustrie dafür „über ausreichende Rohstoffe, Batteriezellen und Halbleiter verfügen“.

Die Produktion von Fahrzeugen, Bauteilen, Rohstoffen und Zuliefer-Komponenten sollte so umfangreich wie möglich „auch in Europa angesiedelt sein“, etwa um Abhängigkeiten zu verringern und Arbeitsplätze zu sichern. Europa müsse sich „mit der Tatsache auseinandersetzen, dass es einen globalen industriepolitischen Wettbewerb gibt“. Handelsabkommen, Rohstoff- und Energiepartnerschaften sowie „die Stärkung der Resilienz sind das Gebot der Stunde, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben“, mahnt Müller. Fast 70 Prozent der Arbeitsplätze in der Autoindustrie hängen vom Export ab, so die VDA-Präsidentin. „Wenn der Standort an Attraktivität einbüßt, hat das dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt – und unser aller Wohlstand.“

Quelle: Auto-Medienportal – Hildegard Müller: Das Hochlaufen der Elektromobilität soll gelingen

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Unsere „Die-Anderen-sollen’s-richten“-Hildegard malt mal wieder ein Mentekel an die Wand: „… dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt“
In der Wellt da draußen ist der Mangel an Arbeitskräften die beherrschende Realität!

Praktisch sind u.a. alle handwerklichen Berufe komplett unterversorgt. Wer’s nicht glaubt, soll doch nur mal versuchen, haushaltsübliche Aufträge irgendwelcher Reparaturen erledigt zu bekommen … von Solarinstallationen oder gar Wärmepumpen-Heizungen schon mal ganz abgesehen – selbst bei Teileverfügbarkeit!

Last edited 2 Tage zuvor by Wolfbrecht Gösebert

1) Synthetische Kraftstoffe – woher soll der viele Ökostrom kommen, etwa den ärmeren Ländern wegnehmen?

3) Verbrenner-Modelle weltweit – gerade in der „3. Welt“ wären E-Leichtfahrzeuge (wenig Ressourcen) mit Solarzellen auf der Karosserie und auf den Häusern in Verbindung mit kleinen Akkus ideal.

3) Arbeitsplätze – das alte Märchen der Verbrenner-Lobby, wird durch stete Wiederholung nicht wahrer.

Ach Hildegardchen – es ist auch wirklich schwer mit dem vielen Geld der alten Konzerne auf den Schultern eine aufrechte Haltung in Zeiten des Klimawandels und seiner katastrophalen weltweiten Folgen zu bewahren.

Vielleicht hilft es bei diesem Thema ein wenig weiter, sich einmal den Online-Vortrag von Professor Fichtner anzuschauen. Hier der Link:
https://youtu.be/QcGxP75MyzU
Der Vortrag ist zwar sehr lang und die Akustik nicht wirklich optimal, aber die fachlichen Bedenken gerade gegenüber synthetischen Kraftstoffen sind schon sehr verständlich und überzeugend zusammengefasst worden. Wenn man die dort gemachten Aussagen einmal mit denen aus gängigen Werbeportalen wie futurefuels.blog u. ä. vergleicht, merkt man erst, was einem von Seiten der E-Fuel-Lobby so alles verschwiegen wird.

E-Fuels wird es nie in ausreichender Menge geben und die Mengen die produziert werden gehen vorrangig in den Flugverkehr, wenn überhaupt. Bitte hier mal schauen, der Herr weiß wenigstens wovon er spricht: https://youtu.be/QcGxP75MyzU
Die existierenden Anlagen sind doch nur Forschungsanlagen, mit Ausnahme der in Chile von Porsche. Aber die können ja gerade mal soviel herstellen wie sie für die Fahrer ihrer Marke benötigen. E-Fules sind einfach Quatsch. Mal abgesehen davon, dass man es, entgegen der Behauptungen der Lobbyisten, eben nicht mal nur so tanken kann. Es gibt verschiedene Arten von E-Fuels für verschiedene Fahrzeuge. Diese müssen aber vorher mehr oder weiniger technisch modifiziert werden. Dazu gibt es bereits Tests von bzw. mit einem VW Fahrzeug wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Ergo: Umbau des Bestandsfahrzeugs und dann 5 € pro Liter aufwärts. Das können sich vielleicht die Porsche Fahrer leisten aber eben nicht die Masse an Fahrern von Verbrennern die sich kein E-Fahrzeug leisten können (wie sie sagen) und für die die E-Fuels angeblich die Alternative ist. Es ist nur Lobbyismus und Marketinggequatsche.
Der Hype um Wasserstoff erschließt sich mir ebenfalls nicht. Warum nicht, wie in vielen anderen Ländern bereits erfolgreich praktiziert, auf Batteriespeichersysteme setzten? 100% Strom rein und minimum 80 % Strom raus. Wasserstoff: 100% Strom rein und mit Glück 30 % Strom raus. Energieverschwendung.

Ich würde Frau Müller ebenfalls das hier bereits mehrfach benannte YT-Video mit Prof. Fichtner empfehlen – einem Experten, der immerhin viele Jahre lang zu Wasserstoff geforscht hat. Gleichwohl halte ich Frau Müller keineswegs für derart minderbemittelt, dass ihr diese Zusammenhänge nicht längst bekannt wären.Im Gegenteil: ich gehe stark davon aus, dass es sich um plumpeste Propaganda (wider besseren Wissens) handelt, um das unvermeidbare Ende des Verbrennungsmotors doch noch ein wenig hinauszuzögern. Wenn irgendetwas die Automobilindustrie nicht die Bohne interessiert, dann ist es das KLIMA! Um des (kurzfristigen) Profites willen wird die jahrzehntealte Praxis des Lügens und Betrügens munter weitergeführt. Wie krzsichtig das ist, sehen wir bsw. daran, dass die von China betriebene Industriepolitik Jahre früher als hier zu Lande erkannt hat, welche unschätzbaren wirtschaftlichen Vorteile es bringt, möglichst umfassende Teile der Wertschöpfungskette bei E-Fahrzeugen im eigenen Land zu konzentrieren und den Rest der Welt davon abhängig zu machen. Unsere Petrolheads haben schlichtweg viel zu spät erkannt, dass die Technologie des über 150Jahre zur Perfektion gebrachten Verbrennungsmotors nunmehr in kürzester Zeit quasi wertlos wird. Blöd auch für das Oligopol der Mineralölindustrie und die Ölförderländer, für die die Autofahrer über ewige Zeiten hinweg verlässliche Melkkühe waren. Zu dumm auch, dass der E-Mobilist mit eigener PV-Anlage auf dem Dach große Anteile seines Fahrstroms selber herstellen und deutlich weniger Wartung und Verschleiß an seinem Fahrzeug hat – nicht wahr Frau Müller?

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