Traton fordert kon­sequenteren Ausbau der Lade­infrastruktur für Elektro-Lkw

Traton fordert kon­sequenteren Ausbau der Lade­infrastruktur für Elektro-Lkw

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Volkswagens Lkw-Tochter Traton fordert von der Bundesregierung einen kon­sequenteren Ausbau der Lade­infrastruktur für den Schwerlastverkehr. Das ist ein Statement aus dem Austausch zwischen Volker Wissing, Bundesminister für Digitalisierung und Verkehr, und Bernd Osterloh, Personalvorstand des LKW-Herstellers Traton, zum Transport der Zukunft, so Traton in einer aktuellen Mitteilung. Wissing und Osterloh waren sich demnach einig, dass der Aufbau eines europaweiten Ladenetzes hohe Priorität für das Erreichen der Klimaschutzziele der Europäischen Union hat. „Batterieelektrische Fernverkehrs-Lkw bieten große Chancen für die Erreichung der Klimaschutzziele im Verkehrssektor und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Bereits die ersten 100.000 elektrischen Lkw könnten jährlich rund zehn Millionen Tonnen CO2 einsparen“, sagte Osterloh im Austausch mit dem Bundesminister.

Osterloh erläuterte, dass Traton mit seinen Marken Scania, MAN Truck & Bus, Navistar und Volkswagen Caminhões e Ônibus weltweit bereits batterieelektrische Lkw, Busse und Transporter in Serie anbietet. Fortschritte bei der Batterietechnologie ermöglichen nach Einschätzung des Herstellers schon in den kommenden Jahren Reichweiten von bis zu 1000 Kilometern mit nur einer Ladung. Die Ladezeiten liegen dabei deutlich unter einer Stunde, das Laden ist somit während der in Europa gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen möglich. „Damit wird die Elektromobilität endgültig tauglich für den Fernverkehr und ebenso für den Massenmarkt“, sagte Osterloh.

Bislang fehlt für batterieelektrische Nutzfahrzeuge im Langstreckenbetrieb in Europa allerdings noch die notwendige Ladeinfrastruktur. Um hier eine Initialzündung zu setzen, plant Traton zusammen mit der Volvo Group und Daimler Truck ein Joint Venture, welches innerhalb von fünf Jahren nach Gründung mindestens 1700 Hochleistungs-Ladepunkte für Ökostrom an und in der Nähe von Autobahnen sowie an Logistik-Hubs und an Abladestellen errichten und betreiben will. Für das Joint Venture ist noch die Zustimmung der Kartellbehörden nötig. „Wir hoffen auf einen zeitnahen Abschluss der behördlichen Prüfungen, um mit dem Joint Venture endlich Fahrt aufnehmen zu können“, sagte Osterloh. Mit einer Investition in Höhe von 500 Millionen Euro wollen die drei Nutzfahrzeughersteller im Joint Venture beim Aufbau der Infrastruktur in Vorleistung gehen.

Osterloh machte deutlich, dass es ergänzend zum geplanten Netzaufbau durch das Joint Venture auch staatliche Unterstützung und ein klares Signal der Politik geben müsse, nicht zuletzt, um Vertrauen bei weiteren EU-Mitgliedsstaaten und den Spediteuren aufzubauen. Dies sollte etwa die Ankündigung der Bundesregierung für den Aufbau eines deutschen Lkw-Ladenetzes sein, analog zum bereits beschlossenen Deutschland-Netz für Pkw.

„Jetzt ist die Politik gefordert, den Ausbau der nötigen Ladeinfrastruktur voranzutreiben“

Das Ziel von deutschlandweit mindestens 300 Ladehubs mit insgesamt 1200 Hochleistungsladepunkten müsse ins Klimaschutz-Sofortprogramm auf­genommen werden, verlangt Osterloh, der ehemalige Betriebsratsvorsitzende des VW-Konzerns. Konkrete Zielmarken seien offenbar aus dem Programm entfernt worden, um flexibler zu bleiben. „Die Branche braucht aber Verbindlichkeit“, so Osterloh. „Dem Staat kommt eine besondere Rolle zu, da viele der benötigten Flächen entlang der Autobahnen ohne staatlichen Eingriff nicht für den Aufbau von Lkw-Ladepunkten umfunktioniert werden können“, sagte Traton-Vorstand Osterloh und ergänzte: „Jetzt ist die Politik gefordert, den Ausbau der nötigen Ladeinfrastruktur voranzutreiben, um der Elektromobilität auch bei schweren Lkw zum Erfolg zu verhelfen.“

Der Austausch von Wissing und Osterloh fand im Vorfeld einer Veranstaltung auf dem ehemaligen Flugfeld Berlin-Tempelhof statt. Dort wurde von MAN Truck & Bus der erste seriennahe Prototyp des batterieelektrischen Fernverkehrs-Lkw MAN eTGX präsentiert, der Anfang 2024 auf den Markt kommen soll.

In einer Diskussion mit Verkehrsminister Wissing und Kristin Kahl, deren Spedition Contargo bereits Erfahrungen im Einsatz von Batterie-Lkw gesammelt hat, betonten die Vorstandsvorsitzenden von MAN Truck & Bus SE, Alexander Vlaskamp, und ABB E-mobility, Frank Mühlon, dass die Industrie bereit für die Transformation hin zu Elektro-Lkw sei. MAN als Nutzfahrzeughersteller und ABB E-mobility als Anbieter von Ladestationen haben ihre Investitionsentscheidungen in batterieelektrische Fahrzeuge und Ladenetze bereits getroffen, jetzt brauche es politische Leitplanken.

„Wir sind bereit. Aber die Transformation hin zu Null-Emissions-Technologien wird nur gelingen, wenn die Politik massiv in den Aufbau eines belastbaren Ladeinfrastrukturnetzes für schwere Nutzfahrzeuge investiert. Der beschleunigte Ausbau der Ladeinfrastruktur ist die einzige Möglichkeit, die Verkehrswende herbeizuführen und die Klimaziele zu erreichen.“ – Alexander Vlaskamp, CEO MAN

Bundesminister Wissing zeigte sich einer Mitteilung von Traton zufolge einsichtig: „Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir den Straßengüterverkehr dekarbonisieren. Dabei setzen wir vor allem auf den Markthochlauf von klimafreundlichen Nutzfahrzeugen und den Aufbau einer entsprechenden Hochleistungs-Ladeinfrastruktur. Wichtig ist jetzt, schnell mehr E-Lkw auf die Straße zu bekommen. Die Kooperation zwischen MAN und ABB zeigt, dass wir hier auf einem guten Weg sind.“

Quelle: Traton – Pressemitteilung vom 13.05.2022 / Spiegel – VW-Tochter Traton kritisiert Wissing

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Natürlich ist es immer schön, wenn man die Kosten für ein Geschäft auf jemand anderen abschieben kann. Aber eine überzeugende Begründung, warum der Steuerzahler diese Infrastruktur zahlen soll, habe ich nicht gesehen. Der Staat hat ja schon eine vollelektrische Transportinfrastruktur stark subventioniert, die Eisenbahn. Die ist bei Langstrecken besonders gut geeignet. Für die regionale Verteilung mit LKW braucht es keine Schnelllade-Infrastruktur.

Oh Herr Sperling, und wie genau soll das denn bei den von Ihnen priorisierten Wasserstofffahrzeugen passieren? g
Glauben Sie etwa z.B. Nicola Trucks fängt von sich aus an – wie Tesla – ein eigenes Ladenetzwerk aufzubauen?

Genau damit sollte übrigens das „Europäische Konsortium“ vielleicht auch einmal selber anfangen – und nicht gleich wieder nach Steuergeld vom Staat schreien – hier bin ich voll und ganz beim Ihnen.

Time will tell – Hauptsache elektrisch :-)

Ich dachte, Daimler plant mit einem weiteren Schwerlasthersteller eine Investition von einer halben Milliarde Euro in Ladeinfrastruktur für LKWs. Statt dem Minister etwas vorzuheulen, könnte sich VW doch einfach beim Konkurrenten informieren, wann die was erreicht haben.

Fortschritte bei der Batterietechnologie ermöglichen nach Einschätzung des Herstellers schon in den kommenden Jahren Reichweiten von bis zu 1000 Kilometern mit nur einer Ladung. Die Ladezeiten liegen dabei deutlich unter einer Stunde, das Laden ist somit während der in Europa gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen möglich.

Also auch die Hersteller – zumindest, die die nicht der H2-Lobby aufgesessen sind – sehen BE-Lkws mit Reichweiten von 1.000 km und das Laden während der Pausen in absehbarer Zeit kommen und günstiger dürften die BE-Lkws auch noch sein, sowohl beim Preis, Energiebedarf und Wartungsaufwand.

Und was die LKW-Ladestationen betrifft, hier könnte man nach und nach die Zahl der Tankstellen an den Autobahnen reduzieren, evtl. per Gesetz, also das Angebot für Verbrennerfahrzeuge verkleinern und auf den freiwerdenen Platz mit Lkw-Ladestationen bestücken – allzuviel braucht man davon nicht, wenn gleichzeitig der Güterverkehr vermehrt auf die Schiene verlegt wird.

Die Lkw-Hersteller und die bisherigen Mineralkonzerne könnten ohne weiteres etwas in ihre eigene Zukunft investieren und Ladestationen finanzieren und bauen (lassen), schliesslich wollen sie auch im E-Mobilität-Zeitalter noch Lkws und Treibstoffe (Strom) verkaufen und reichlich Gewinne damit machen.

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