Geht in den „Zahnarztalleen“ das Licht aus?

Copyright Abbildung(en): DS

Eigentlich muss der Einbau oder Betrieb einer privaten Ladestation dem Stromnetzbetreiber gemeldet werden, sofern die maximale Leistung 3,7 kW übersteigt (was bei allen gängigen Wallboxen der Fall ist). Laut Niederspannungsanschlussverordnung ist für Wallboxen mit einer Leistung von 3,7 bis 11 kW nur eine Meldung erforderlich, ab 12 kW benötigt man hingegen eine Genehmigung des Netzbetreibers. Liegt diese nicht vor, darf die Wallbox nicht installiert werden. Die Netzbetreiber können so die zu erwartenden Lasten besser planen und das Netz entsprechend vorbereiten. Viele Betreiber von Wallboxen verzichten allerdings offenbar auf diese Meldung. Daher warnen Netzbetreiber wie EWE davor, dass unangemeldete private Ladestationen potentiell zu Stromausfällen führen können.

Betroffen sind vor allem die in der Branche so genannten „Zahnarztalleen“, also Straßenzüge, in denen viele wohlhabende Menschen in Einfamilienhäusern leben, und die auch überproportional oft ein Elektroauto fahren. Der überwiegende Teil lädt zumindest mit einer 11 kW-Wallbox, wurden diese doch auch großzügig gefördert. Das bereitet den Netzbetreibern Sorge, sind sie doch für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung aller Anwohner in den von ihnen belieferten Gebieten verantwortlich. Wenn die Netzbetreiber allerdings nicht wissen, welche Lasten in einem Gebiet zu erwarten sind, können sie das Netz auch nicht entsprechend verstärken oder intelligente Energiemanagementsysteme integrieren. Werden dann alle Elektroautos abends angesteckt, wenn die Bewohner nach Hause kommen, kann diese Netzüberlastung zu Stromausfällen führen – auch in benachbarten Straßen. Dies gilt vor allem für den ländlichen Bereich. Im städtischen Umfeld sind die Netze etwas aufnahmefähiger, wie Oliver Brückl, Professor für Energieverteilung in Regensburg, erklärt. Aber auch die städtischen Mittelspannungsnetze würden irgendwann an ihre Grenzen stoßen.

Wer also eine Wallbox betreiben will, sollte diese an den Netzbetreiber melden, auch wenn man keinen unmittelbaren Sinn darin erkennt. Man trägt damit dazu bei, potentielle Stromausfälle zu verhindern. Viele Elektriker, die die Wallbox installieren, bieten die Meldung beim Netzbetreiber gleich mit an. Soll die Wallbox mehr als 12 kW leisten, wird sich der Netzbetreiber die Bausubstanz und die Leitungen vor Ort ansehen und gegebenenfalls eine Mängelliste übergeben. Werden diese behoben, steht der Genehmigung nichts im Wege. Für den normalen Hausgebrauch reicht aber eine 11 kW-Wallbox ohnehin in der Regel völlig aus. Diese kann der Netzbetreiber nicht verweigern.

Quelle: t3n.de – Immer mehr unangemeldete Ladestationen – EWE warnt vor potentiellen Stromausfällen

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Gleichzeitigkeitsfaktor. Wenn jeder Haushalt gleichzeitig seinen Wasserkocher in Betrieb nimmt, bricht das Stromnetz der Republik zusammen, wahrscheinlich wäre halb Europa zeitweise betroffen. Ist aber noch nicht passiert…

Ja, ich weiß, in der Siedlung Önkelstieg hat schon eine Kaffeemaschine zum Blackout geführt, aber das waren dann auch „spezielle“ Umstände. Mittel- bis langfristig wird sich durch die Elektromobilität die Stabilität der Netzes durch bidirektionale Lademöglichkeit sogar noch deutlich erhöhen…

Sehe ich als theoretisches Problem.

Es sind ja keine reisenden Zahnärzte. In der Parkallee wird vielleicht für 40 km Strom täglich nachgeladen, also maximal 15 kWh. Und Gutverdiener kommen durchaus zu unterschiedlichen Zeiten heim, denn sie haben keinen Standardjob mit gleichen Abläufen. Mal macht man nach den Sprechzeiten noch Fortbildungen oder Verwaltungskram, mal geht es zum Golf oder segeln. Eher gemein sind ihnen regelmäßige Zeiten, wo sie aus dem Haus gehen und daher werden gerne Timer am BEV eingestellt. Also lädt man frühmorgens.

Zumal ihre Luxushäuser kaum mit Standardanschlusswerten beantragt wurden und daher die Versorgung meist entsprechend ausgelegt ist. Hallenbäder und Wellnessbereiche fressen nicht mehr den Strom wie vor 20 Jahren, es sind also in etablierten Gegenden gar heimlich Reserven entstanden.

Dieses theoretische Problem wird leider zum praktischen Problem durch übervorsichtige Netzbetreiber. Man rechnet mit Standardwerten, läßt großzügig Reserven und macht entsprechend früh einen Cut. Das ist richtig bescheuert, weil es auch gilt, wenn der Hausanschluss passend dimensioniert ist. Man darf dann zwei 11er Säulen bauen, aber keine 22 kW-Säule. Nein, ich meine nicht mich, ich habe 22 kW trotz Parkallee.

Der Artikel bringt also einen interessanten Aspekt, nämlich dass wohl manche oder viele der installierten 11 kW Wallboxen gar nicht beim Energieversorger gemeldet seien. Hmm.
Als wir unsere 11 kW Wallbox vor gut 2 Jahren installieren ließen, meldete dies der Fachbetrieb unmittelbar an den Energieversorger – gut so. Ich weiß gar nicht, ob er „ohne“ bereit gewesen wäre, den Auftrag bei uns auszuführen.

Unsere „Regulierungswut“ ist weltweit legendär. Viel einfacher wäre es, so etwas wie Marktwirtschaft einzuführen. Da Deutschland größer als der DDR-Ministerrat ist, sollten sich auch einige Fachleute dazu finden lassen, gern geb ich Nachhilfe: Strom knapp= teuer, Strom im Überfluss (bei Wind, Sonne oder am Wochenende) = Strompreis runter. DAS kapiert wirklich jeder, selbst ohne Förderprogramm.
Ergo: Auto von 0…5Uhr laden = wäre derzeit billig. Steckdose zu 5,45€ reicht. Bringt bei 2,3kW (60% der zulässigen Belastung) ca 10kWh ins Auto, reicht für 50-60km „Nachladung“ also mehr als der tägliche Durchschnitt.
Leider ist die Marktwirtschaft völlig unbekannt und so kommt es, dass die Stromwirtschaft sich zunehmend selber sabotiert: 11kW-Ladebox um 18:00Uhr anstecken (zur absoluten Spitzenzeit) und das Auto ist um 19:00Uhr voll.
Ach ja, wurde ja mit 900,-€ gefördert.

Folgendes Zitat aus einem HANDELSBLATT-Artikel wird dort EWE Netz zugeschrieben:
„Den geschätzt 20.000 nicht gemeldeten Ladern stünden nur 10.000 angemeldete gegenüber.“
Hui.

Ich habe meine 11 kW Wallbox 2019/20 vor Einführung der staatlichen Förderung gekauft und installieren lassen. Und sie natürlich angemeldet.
Wenn man mit Förderung kaufen und installieren will, geht das überhaupt ohne Nachweis der Anmeldung??

Wäre ich ein Netzbetreiber, würde ich in meinem Versorgungsgebiet nur Wallboxen zulassen, die zentral gesteuert werden können! Das Problem ist tatsächlich der „Gleichzeitigkeitsfaktor“: Wenn Berufstätige heimkommen und das Auto sofort anschliessen (auch wenn nur 50 km nachgeladen werden sollen). Nebenbei ist das die Zeit, wo auch im Haushalt viel Strom verbraucht wird (Kochen TV,…). Wenige Stunden später sinkt die Netzlast rapide ab, das wäre der ideale Zeitpunkt, um die Autos zu laden. Dass ein zentrales Lastmanagement hier wirklich der Stein der Weisen ist, wurde in einem halbjährigen Feldversuch in Linz bewiesen. Suchen Sie im Internet nach „urcharge“, um mehr darüber zu erfahren!

okey, alle Zahnärzte melden brav ihre Wallbox – und jetzt ?

man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass in Einfamilienhaus Siedlungen eAutos (und Photovoltaik) wie Pilze aus dem Boden sprießen wird

Wäre also nice, wenn sich die Energieversorger der Herausforderung annehmen und in intelligente Lösungen investieren.

Smart Grid ist das Zauberwort

In dem obigen Text wird geschrieben, die Netzbetreiber würden gerne wissen wieviele 11Kw Wallboxen installiert seien. Das wissen die doch. Denn im gleichen Satz wurde erwähnt, dass aufgrund der Förderung viele Wallboxen installiert wurden, man bekam aber die Förderung nur, wenn man die Wallbox angemeldet hatte! Also warum geht es hier eigentlich?

Ich finde ja die Fotos immer schön.
Typische deutsche Wirklichkeit des Wohnens, Lebens und Ladens ;) Fehlt nur die hübsche junge Dame oder sportliche Familienmutti mit der Hand am Ladestecker, die man auf den Bildern auch oft antrifft ;)

Irgendwann wird sich das BEV durchsetzen und die Verbrenner ablösen. Spätestens dann werden der öffentlichen Hand erhebliche Steuereinnahmen aus dem Verbrennersektor fehlen. Egal ob KfZ-Steuer oder die Steuern auf Diesel & Benzin. Dann dürfen wir BEV-Fahrer diese Ausfälle ausgleichen. Da werden bestimmt entsprechende Steuern auch auf den privaten Fahrstrom erhoben. Dann wird an jeder gemeldeter Wallbox bestimmt ein Zähler Pflicht und man kann eine zusätzliche Steuer für Fahrstrom erheben. Das kann ich mir schon sehr bald vorstellen. Da sind dann die, die ihre Wallboxen nicht gemeldet haben oder an der 220 V Steckdose nuckeln erst mal fein raus.

Ein rein theoretisch rechnerisches Problem. Ich lade meine eAutos, da ich in Pension bin, nahezu 100% über meine PV Anlage. Wenn nicht genug Strom vom Dach kommt mit reduzierter Leistung um keinen Strom kaufen zu müssen. Das Haus wurde in der Leistung großzügig dimensioniert.

Dabei wird ignoriert, dass die Mehrzahl der geförderten Wallboxen gar nicht verwendet wird, weil die Geförderten kein E-Auto besitzen.

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