Rückläufiger Pkw-Markt? Gilt – weltweit – für E-Autos nicht

Rückläufiger Pkw-Markt? Gilt – weltweit – für E-Autos nicht

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Die Elektromobilität entwickelt sich entgegen den rückläufigen allgemeinen Markttrends in wichtigen Automobilmärkten weiterhin sehr dynamisch. Während in Europa (EU+EFTA+UK) im ersten Halbjahr die Verkäufe für Benzin und Diesel-Pkw um 22,1 bzw. 32,1 Prozent zurückgingen, stiegen die Neuzulassungen für reine Elektroautos (BEV) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,6 Prozent an. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in Europa 647.479 E-Autos (BEV) abgesetzt, was 11,6 Prozent der Neuzulassungen entspricht. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 lag der BEV-Anteil nur bei 7,6 Prozent. Plug-in Hybridfahrzeuge zeigen dagegen in der ersten Jahreshälfte mit 472.722 (-12 Prozent) Neuzulassungen einen stark rückläufigen Trend in der wichtigen Marktregion Europa.

Der größte europäische BEV-Markt in der ersten Jahreshälfte 2022 bleibt mit deutlichem Abstand Deutschland mit 167.503 neuzugelassen Pkw (+12,5 Prozent), gefolgt von Großbritannien mit 115.249 (+56 Prozent), Frankreich mit 93.344 (+28,7 Prozent), Norwegen mit 54.177 (+12,7 Prozent) und Schweden 39.722 (+75,7 Prozent) Elektroautos. In Deutschland liegt die BEV-Quote nunmehr bei 13,5 Prozent, in Großbritannien bei 14,4 Prozent und in Frankreich bei 12,1 Prozent. In Norwegen, dem E-Auto-Vorzeigeland, machen reine E-Autos dagegen bereits 79,1 Prozent der Neuzulassungen aus.

CAM

Eine ähnliche Entwicklung zeigt der weltweit größte Elektroautomarkt China auf. Dort wurden in der ersten Jahreshälfte 1,95 Millionen BEV abgesetzt, was einem Zuwachs von 106 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum wurden zusätzlich 534.000 Plug-in Hybride (PHEV) neu zugelassen (+168 Prozent). Die Gesamtneuzulassungen sind in der ersten Jahreshälfte um 6,6 Prozent auf 10,355 Millionen Pkw zurückgegangen. Insgesamt machen reine Elektroautos in China bereits 18,8 Prozent der Pkw-Neuzulassungen aus. Im Juni 2022 setzte insbesondere aufgrund der Halbierung der Umsatzsteuer für Pkw von 10 auf 5 Prozent, die bis Dezember gilt, eine starke Zulassungsdynamik bei Elektrofahrzeugen ein.

Spiegelbildlich zur Dynamik der Elektromobilität in den wichtigen Automobilmärkten entwickelt sich der globale Absatz der wichtigsten Automobilhersteller für E-Autos. Die hier betrachteten zwölf wichtigen Elektroautohersteller verdoppelten nahezu ihre BEV-Verkäufe im ersten Halbjahr 2021 auf mehr als 2,1 Millionen Pkw (teilweise keine Daten/geschätzte Daten aufgrund fehlender Berichterstattung). Tesla bleibt mit deutlichem Abstand der Marktführer und setzt nach zwei Quartalen 565.000 Pkw ab (+46 Prozent). Im zweiten Quartal gingen die Absatzzahlen jedoch zurück, was vor allem auf den Lockdown des Werks in Shanghai und allgemeine Lieferkettenprobleme zurückzuführen ist.

Die chinesischen Hersteller SAIC und BYD folgen mit 355.000 bzw. 324.000 abgesetzten Elektrofahrzeugen. Besonders beeindruckend ist dabei BYD, die mit einem Zuwachs von fast 250 Prozent an Position 3 vorrücken, was vor allem auf die Erfolgsmodelle wie den Han EV, Dolphin oder Qin Plus EV zurückzuführen ist. Insgesamt rücken bei der Elektromobilität die chinesischen Hersteller weiter nach vorn. Eine nahezu Vervierfachung der BEV-Verkäufe weist der Geely Konzern mit 125.000 Pkw auf, der vor allem von den BEV-Marken Geometry und Zeekr in China sowie von Polestar und Volvo getrieben ist. Ein starkes Wachstum zeigen auch Xpeng sowie Hozon und Leapmotor, während Nio nur geringe Zuwächse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aufweist.

CAM

Bei den deutschen Herstellern kommt der Volkswagen Gruppe mit 217.000 BEV-Absätzen vor allem aufgrund der Lieferproblemen nur auf ein Plus von 27 Prozent, während BMW seine Absätze auf 76.000 mehr als verdoppeln kann. Mercedes-Benz Group landet bei 52.000 BEV-Verkäufen, was einem Zuwachs von rund einem Drittel entspricht.

Für das Gesamtjahr 2022 geht das CAM in einer aktuellen Prognose trotz anhaltender Lieferkettenprobleme von einer deutlichen Steigerung der globalen BEV-Absatzzahlen aus. Auf Basis des kontinuierlich steigenden Fahrzeugangebots sowie zunehmender Produktionskapazitäten von batterieelektrischen Fahrzeugen wird im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um rund 50 Prozent von 4,6 Millionen auf mehr als 6,5 Millionen BEVs prognostiziert.

Die Elektromobilität wächst in allen großen Automobilregionen entgegen dem rückläufigen Gesamtmarkt. Auch im laufenden Jahr 2022 werden hohe Zuwächse erwartet“, sagt Studienleiter Stefan Bratzel vom CAM. Automobilhersteller, die bereits jetzt eine breite Produktpalette von reinen Elektroautos anbieten können und robuste Lieferketten besitzen, sollen dadurch schnell Marktanteile gewinnen und künftig eine wichtige Position in der globalen Automobilindustrie einnehmen können. „Mit dem Zeitalter der Elektromobilität verändert sich dabei zunehmend die angestammte Branchenstruktur und Rangordnung der Automobilhersteller“, so Bratzel abschließend.

Quelle: CAM – Pressemitteilung vom 20.07.2022

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