Renault Kangoo Rapid E-Tech Electric: Spannung für den Arbeitsalltag

Copyright Abbildung(en): Wolfgang Plank

Noch denken viele bei E-Mobilität bloß bis zum Privatgefährt. Doch gerade in Innenstädten sind eben nicht bloß Pkw unterwegs, sondern jede Menge Nutzfahrzeuge. Nach wie vor hauptsächlich mit Selbstzündern. Am Steuer: Lieferanten, Heizungsbauer, Fliesenleger, Malermeister – und natürlich Elektriker. Üblicher Ablauf: Am Tag kurze Strecken, nachts ausreichend Zeit zum Laden. Im Grunde wie gemacht für Batterie-Antrieb. Da wartet ein gewaltiger Markt.

Und so macht sich Renault erneut mit dem Kangoo auf. Der ist der Malocher bei den Franzosen. Treuer Begleiter von Handwerkern, Freund all derer, die ordentlich was wegzupacken haben – und denen ein Kombi zu knapp ist und ein Kleinbus zu kolossal. Seit 1997 schon firmiert er unter dem Namen. Jetzt gibt es den Kompakttransporter auch in der Neuauflage als Strom-Kasten. Und dieses Mal richtig: Ein Boden-Akku mit 44 kWh Kapazität verhilft zu 287 Kilometern Radius (WLTP) und einer Leistung von 122 PS. Das ist immerhin doppelt so viel Power wie beim Vorgänger.

Wer Ähnlichkeiten mit Nissan Townstar und Mercedes Citan entdeckt, liegt kein bisschen verkehrt. Die Brüder im Busse entstammen gemeinsamer Entwicklung und laufen auch zusammen im französischen Maubeuge vom Band. Frontpartie, Interieur und Abstimmung indes modelliert dann doch jeder Hersteller nach eigenen Vorstellungen. Im Kangoo Rapid E-Tech Electric geht’s da auch weiterhin plastikhart zu. Ordentlich gemacht ist das Innere trotzdem und im harten Arbeitsalltag zählt einfache Pflege mehr als Ambiente. Apropos: Die Familien-Versionen mit Sitzen und Auslegeware kommen gegen Jahresende.

Den Laster-haften Renault kann man aktuell als 4,50 Meter langen Kastenwagen bestellen. Mit 3,9 Kubikmetern Platz und bis zu 526 Kilo Nutzlast. Wahlweise mit Klappe oder Doppelflügel im Heck sowie zwei seitlichen Schiebetüren, die erfreulicherweise nicht rumpeln sondern gleiten. Die nutzbare Ladelänge beträgt 1,81 Meter, bei Varianten mit Vario-Trennwand und klappbarem Beifahrersitz packt der Kangoo sogar Ausladendes bis 3,05 Meter weg. Wenn selbst das nicht reicht: Über Kopf dürfen per Dachträger 80 Kilo und achtern an den Haken bis zu 1,5 Tonnen.

Menschen mit noch raumgreifenderem Equipment müssen sich ein wenig in Geduld üben. Vermutlich Mitte 2023 reichen die Franzosen eine um 40 Zentimeter gestreckte Version mit längerem Radstand, maximal 4,9 Kubikmetern Fassungsvermögen und 800 Kilo Nutzlast nach. Da darf das Sperrgut dann sogar bis zu 3,55 Meter lang sein. Pfiffig ist die optionale „Sesam öffne Dich“-Funktion. Dank fehlender B-Säule gibt der 90 Grad schwenkende Flügel der Beifahrerseite zusammen mit der geöffneten Schiebetür 1,45 Meter lichte Weite für Leitern und ähnlich Unhandliches frei. Neun spezielle Versteifungen sorgen dafür, dass die Sicherheit nicht leidet. Leiser allerdings macht die Konstruktion den Wagen nicht gerade.

Weil auch ein Transporter mehr bewegen soll als nur Päckchen, Werkzeug oder Menschen, gibt es bequeme Sitze – und jede Menge Ablagen für Handy, Paketscanner, Laptop, Kaffeebecher, Zollstock, Taschenlampe und all die anderen Dinge, die den Arbeitstag über so gebraucht werden. Sogar Einpark-Unterstützung und Kamerabild statt Innenspiegel finden sich in der Aufpreisliste. Das wie ein Schubkasten funktionierende Handschuhfach ist zwar hübsch gemeint, funktioniert aber leider nur, wenn rechts Niemand seine Knie im Weg hat.

Das Fahrwerk ist für den harten Einsatz ausgelegt und reagiert beladen schöner als leer. Für gut 1,80 Meter Höhe jedoch bleibt der E-Kangoo erfreulich aufrecht. Geht man mutwillig zu Werke, schiebt der Fronttriebler dann doch deutlich, aber immer noch kontrolliert, Richtung Tangente. Sei’s drum. Die pfeilschnelle Biege zählt nun mal nicht zu den Kernkompetenzen eines Kasten-Kombis.

Zumal Radius vorrangig eine Frage des Gleichmuts ist. Klar macht der Kangoo Rapid E-Tech Electric tatsächlich Tempo 132 und schafft die dreistellige Tachoanzeige aus dem Stand in 11,6 Sekunden, alltäglicher ist selbstverständlich die gemächliche Tour im „Eco“-Modus, in dem die Elektronik zugunsten von Reichweite gedrosselte 75 PS freigibt und den Vortrieb bei Tempo 110 einbremst. Auch jeder Versuch der Rekuperation hilft. Wer da kein glückliches Füßchen hat, kann die Sache in die Hand nehmen: Der Grad der Stromrückgewinnung lässt sich in drei Stufen über den Wahlhebel der Fahrstufen einstellen. Im äußersten Fall verzögert der Kangoo bis unter Tempo zehn. Das ist dann fast schon One-Pedal-Driving.

Mit ein wenig französischer Gelassenheit kommt man dem Idealverbrauch tatsächlich ziemlich nahe. Doch selbst mit defensivster Fahrweise geht dem Raum-Gleiter irgendwann der Saft aus. Ab Werk verfügt der Kangoo Rapid E-Tech Electric über einen Bordlader mit 11 kW sowie einen luftgekühlten Akku, auf Wunsch verbaut Renault aber auch 22 kW samt Wasserkreislauf um die Batterie und serienmäßiger Wärmepumpe. Möglicher Kollateralnutzen dieser Version ist ein optionales Ladesystem für 80 kW Gleichstrom. Das zieht in 30 Minuten Strom für 170 Kilometer. An einer Wallbox zapft man für 15 auf 80 Prozent Kapazität gute zweieinhalb Stunden, an der heimischen Steckdose fünfmal so lange. Aber selbst das reicht üblicherweise, weil jeder gute Handwerker ja auch mal schlafen muss.

Alle Preise kommuniziert Renault noch nicht. Die Türen sollen sich aber ab 40.448 Euro (33.990 Euro netto) öffnen. Das ist nicht wenig Geld, aber womöglich dennoch eine gute Investition in die Zukunft. Zumindest dann, wenn man auch in ein paar Jahren noch in Innenstädten seinen Geschäften nachgehen will.

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Nachdem Renault den elektrischen Kangoo jahrelang nur unterbemittelt ausgestattet hatte, endlich eine (auch) gewerblich gut nutzbare Variante. Praktisch wäre durch die Plattform-Bauweise auch mehr Akku möglich … gerne :)

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