Kleine E-Autos: Stark gefragt – kaum gebaut

Kleine E-Autos: Stark gefragt - kaum gebaut

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Umweltschützer kritisieren seit Jahren einen wenig nachhaltigen Trend: Ähnlich wie zuvor Benziner und Diesel werden auch E-Autos immer größer, stärker und schwerer. Im Gegenzug haben kleine Stromer einen schweren Stand. Zwar wären sie gerade für die Innenstädte bestens geeignet, und gleichzeitig würde sich die aktuelle Förderung von 9570 Euro anteilig besonders stark auswirken – doch das Angebot ist mäßig und oft veraltet.

Unter den batterieelektrischen Topsellern findet sich 2021 (bis einschließlich November) der VW e-Up (Platz 2), der Smart Fortwo (Platz 6) und der Fiat 500 (Platz 9). Das berichtet „zeit.de“ unter Berufung auf eine Analyse des Branchendienstes „electrive.net“. Nach der Definition der EU gehören diese drei zu den Kleinstwagen. Zählt man Kleinwagen mit dazu, schaffen es noch Renault Zoe, Hyundai Kona und BMW i3 auf die Liste der Top-Ten.

Doch der Schein trügt. Die Hersteller dünnen ihr Angebot zunehmend aus. VW hat den e-Up gestrichen, die baugleichen Modelle Škoda Citigo und Seat Mii sowie der Smart Fortwo und der BMW i3 sind ebenfalls Auslaufmodelle. Nachfolger sind aktuell nicht in Sicht. Der ID.1 wird wohl nicht vor 2025 kommen. Zudem böten die Hersteller in diesem Segment veraltete Modelle an, die nicht mehr dem aktuellen Stand der Sicherheit entsprächen, heißt es bei „zeit.de“.

Verwiesen wird dabei auf Dacia Spring und Renault Zoe, die im Crashtest Euro-NCAP lediglich einen von fünf möglichen Sternen erzielt hätten. Stattdessen würden auch 2022 die unter dem Label „Kompakt-SUV“ geführten Modelle wie VW ID.5, Audi Q6 e-tron, Genesis GV60 oder Kia EV6 boomen, heißt es. Das in Deutschland produzierte Tesla Model Y und der Nachfolger des Mercedes EQC kämen ebenfalls hinzu. Ein elektrischer Kleinstwagen sei dagegen nicht in Sicht.

Hauptgrund ist das Geld. Bei größeren Autos sind schließlich auch die Renditen höher. Bei Kleinwagen hingegen müssten die Hersteller wegen der geringen Margen über das Volumen in die Gewinnzone kommen, wird Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zitiert. Es sei aus Sicht der Unternehmen daher wirtschaftlich vernünftig, in besonders begehrten Segmenten anzufangen. Mit ein Grund sind da die Regularien der EU. E-Autos gelten nämlich völlig unabhängig von Größe und Gewicht als emissionsfrei und so gibt es keinerlei Anreiz für die Hersteller, auch kleinere Fahrzeuge in den Blick zu nehmen. Dies zu ändern, würde vorrangig eine politische Entscheidung erfordern. Doch damit ist gegenwärtig nicht zu rechnen.

Zwar wird über einen Akku-Panda auf Basis des Fiat 500 geraunt, auch eine E-Version des Toyota Aygo ist nicht ausgeschlossen – doch offizielle Bestätigungen oder gar Termine stehen aus. Tatsächlich verkauft wird etwa der rund 8000 Euro teure Opel Rocks-e, doch weil der Bonsai-Blitz kein Auto ist, muss er ohne Förderung auskommen. Auch hier wäre die Politik gefragt.

Quelle: zeit.de – SUV statt Kleinwagen

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Die Marge und die CO2 Einsparung für die Flottenziele ist zu gering.

Da wird man wohl auf einen Anbieter warten müssen, der mit BEV bereits heute die höchsten Gewinne pro verkauftem Fahrzeug macht 🙂

Natürlich geht es auch um Margen, aber es gibt weitere relevante Einflussfaktoren.
Kleinstwagen der Vergangenheit bedien(t)en sich oft aus dem bestehenden Teile-Regal eines Konzerns, deren Enwicklungskosten längst anderweitig refinanziert und/oder abgeschrieben sind. Ein Fiat 500 1.2 8V POP (ca. 12.000€ Straßenpreis) aus dem Jahr 2009 hatte den (ur)alten FIRE-Motor, der bereits 30 Jahre alt war und nur über die Einspritzungssteuerung auf Euro4 abgeschnürt wurde (später noch weiter zugeschnürt auf Euro 5). Deswegen war der Spritspareffekt bei den Kleinsten (z.B. im Vergleich zur Kompaktklasse) auch immer deutlich geringer, als es aufgrund des Größen- und Gewichtsunterschiedes hätte sein können (und natürlich weil so oder so 60% der eingegebenen Spritenergie verheizt werden). Der 1.2 8V Fire-Motor verbraucht im 2009er Fiat 500 ca. 0,5 Liter mehr, als ein 1.0TSI im 2020er Polo (der Polo ist aber größer und etwas schwerer).
Solche bereits refinanzierten und/oder abgeschriebenen Regalteile gibt es bei den E-Autos noch nicht. Die Drillinge UpMiGo, der Smart/Twingo (und auch der Zoe => Clio) stehen ja auf einer etablierten ausentwickelten Verbrennerplattform, deren Entwicklungskosten abgeschrieben sind und/oder bereits über Verbrennerverkäufe refinanziert wurden.
Wenn man nun alles neu entwickeln und einpreisen würde: Wie gut würde ein neu konzipierter E-Kleinstwagen für 30.000Euro ankommen? Alle würden sagen „zu teuer für die Größe“. VW hat es mit dem Golfklasse-ID.3 anders gemacht. Ergebnis: Gejammer über Plastikwüste und fehlende Knöpfe.

@Powerwall Thorsten:
@steinpilz:
Dann werden andere Mitspieler sehr bald den Markt betreten!
Ich sage mal ab 2022 voraus – also schon dieses Jahr … 🙂

In meinem Umfeld und für mich fehlt nicht etwas in der Art zwischen Opel Rocks-e und Dacia Spring, sondern schon ein richtiges Auto; so etwa in der Art des Renault Zoe – aber etwas mehr à jour. Oder vielleicht wie ein VW T-Cross ein Renault Captur oder ein Opel Crossland. Aber bitte nicht über 180cm breit und mit einem Wendekreis unter 11m. Reichweite ist wichtig, Kofferraum auch, Beschleunigung nicht, bzw. bei einem Elektromobil immer genügend. Ein Fahrzeug, mit dem man überall hin kommt, aber auch gerne in eine Stadt und in ein Parkhaus fährt.

Ich glaube weniger, dass mit einem großen SUV selbst viel verdient wird, es sind eher die vielen Extras mit denen die Hersteller das große Geld machen. Bei einem 60.000 Euro teueren SUV lassen eher 10.000 Euro an Extras dazu verkaufen also bei einem 20.000 Euro teueren Kleinwagen.

Durch einen Gerichtsprozeß war bekannt geworden, dass Porsche für Aluräder 10.000 Euro Aufpreis verlangte, obwohl die Aluräder im Einkauf nur 1.000 Euro gekostet hatten.

Für kleine E-Autos sehe ich erst Chancen, wenn die Städte ihre breite Strassen für Fußgänger und Radfahrer drastisch verkleinern, so dass die großen Autos in der Stadt zunehmend Platzprobleme bekommen. Dann werden auch die Hersteller eine große Auswahl an kleinen und günstigen E-Autos anbieten.

Mit den Radstrassen, die in Zukunft vermehrt kommen, wird der Begegnungsverkehr mit den Autos und das Risiko eines schweren Unfalls deutlich sinken, so dass hier vermehrt die überdachten Pedelecs als Autoersatz im städtischen und stadtnahem Bereich kommen, die zudem sehr resourcenschonend sind.

Da passt kein richtiger LI-Akku rein! Ein durchschlagendes Argument!

Warten bis die Chinesen kommen!

Was ist das für ein Auto das da abgebildet ist? Ich finde nichts im Text.
Gefällt mir aber sehr gut!

Der e-up ist mit über 5.000 Zulassungen auch im Dezember wieder auf Platz 2 gelistet.

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