Bei Kia liegt „der Fokus klar auf Elektroautos“

KIA EV6 gewinnt Vergleich der Langstreckentauglichkeit von E-Autos

Copyright Abbildung(en): KIA

Bei der dritten Ausgabe des P3 Charging Index (P3CI), der die Schnellladefähigkeit von aktuellen E-Autos unter die Lupe nimmt, gibt es einen neuen Sieger – der gleichzeitig einen neuen Bestwert aufstellt. Denn der KIA EV6 (in der Version mit der 77,4 kWh großen Batterie und Heckantrieb) hat als erstes Fahrzeug überhaupt den Idealwert von 1,0 erreicht und übertrifft diesen mit 1,03 sogar leicht. Damit gewinnt er über alle Klassen hinweg die dritte Ausgabe des P3 Charging Index (hier ausführlich zu finden), den die P3 Group in Zusammenarbeit mit dem Branchendienst Electrive erstellt hat. Das E-Auto des südkoreanischen Herstellers kann im Optimalfall in 20 Minuten 309 km Reichweite nachladen, was die besonders hohe Langstreckentauglichkeit des Fahrzeugs unterstreicht.

Der Großteil der aktuellen Elektroautos kommt gegenwärtig mit einer Schnelllademöglichkeit von 100 kW Ladeleistung oder mehr auf die Straße. Die Spanne reicht bis zu 270 kW. Allerdings hat diese Kenngröße der maximalen Ladeleistung in Kilowatt nur eine begrenzte Aussagekraft für die alltagstaugliche Schnellladefähigkeit, da jedes E-Auto eine andere Ladekurve hat und nicht dauerhaft die volle Ladeleistung abrufen kann und zudem jedes E-Auto auch einen anderen Verbrauch auf 100 Kilometer aufweist.

Der P3 Charging Index wurde entwickelt, um die reale Ladegeschwindigkeit von Elektroautos besser vergleichbar zu machen, indem er einen speziellen Ansatz verfolgt und eben auch die Verbräuche der Fahrzeug berücksichtigt: Der Idealwert des P3 Charging Index von 1,0 entspricht der Fähigkeit eines E-Autos, 300 km reale Reichweite innerhalb von 20 Minuten nachzuladen.

Seit der ersten Ausgabe 2019 hat sich der P3 Charging Index mit dem E-Automarkt weiterentwickelt. Erstmalig werden im P3 Charging Index daher nicht mehr Fahrzeuge aller Segmente miteinander verglichen, sondern in drei Kategorien aufgeteilt, die sich am BAFA-Nettolistenpreis des betrachteten Modells orientieren: Oberklasse (BAFA-Nettolistenpreis ab 65.000 Euro), Mittelklasse (BAFA-Nettolistenpreis von mehr als 35.000 Euro bis 65.000 Euro), Kompaktklasse (BAFA-Nettolistenpreis bis 35.000 Euro).

Neben elf neuen Fahrzeugen (u.a. BMW iX xDrive50, KIA EV6 und Peugeot e-208 GT), die erstmals im P3CI gelistet werden, gab es auch Updates bei Fahrzeugen aus vorherigen Veröffentlichungen. Im Vergleich zu der im Jahr 2021 veröffentlichten zweiten Ausgabe des P3CI, wurde beispielsweise die Ladekurve des Porsche Taycan aktualisiert, die seit Frühjahr 2022 mit dem neuen Porsche Taycan GTS verfügbar ist. Zudem wurden die Daten des Mercedes-Benz EQS 450+ sowie die Ladekurven des Mercedes-Benz EQA 250 und des BMW iX3 (2020) aktualisiert.

Zum besseren Vergleich der Langstreckentauglichkeit der Fahrzeuge hat die P3 Group nicht die Leistungs-, sondern die Reichweiten-Derivate der Fahrzeugmodelle miteinander verglichen. Weiterhin werden ausschließlich Fahrzeuge betrachtet, die mit dem europäischen Ladestandard CCS (Combined Charging System – Schnellladen über Combo 2 Stecker) ausgestattet sind. Um möglichst realitätsnahe Verbräuche der einzelnen Elektroautos einfließen zu lassen, wurden die vom ADAC Ecotest ermittelten Verbrauchswerte verwendet.

Die dritte Ausgabe des P3 Charging Index berücksichtigt insgesamt 21 Fahrzeuge, die den folgenden Segmenten zugeordnet sind (Die angegebenen Batteriekapazitäten sind Nettowerte in kWh):

P3-Charging-Index-Testfahrzeuge
P3 Group

Bei den Oberklassefahrzeugen nähern sich die führenden drei Modelle immer stärker dem Idealwert des P3 Charging Index von 1,0 an. Den besten Wert in der Oberklasse schaffte der Mercedes EQS 450+, für den ein Wert von 0,92 ermittelt wurde. In 20 Minuten Ladedauer kommt er auf 275 km nachgeladener Reichweite. Knapp dahinter folgt der BMW iX xDrive50 (0,91 im P3 Charging Index), der nach 20 Minuten 273 km nachladen kann. Auf Platz 3 folgt der Porsche Taycan GTS, der nach 20 Minuten 271 km frische Kilometer nachlädt und einen Charging Index von 0,90 aufweist.

In der Mittelklasse erreicht der KIA EV6 mit der 77,4 kWh Batterie und Heckantrieb als erstes Fahrzeug überhaupt den Idealwert von 1,0 und kann diesen mit 1,03 sogar etwas übertrumpfen. Damit gewinnt er die dritte Ausgabe des P3 Charging Index über alle Klassen hinweg. Das E-Fahrzeug des südkoreanischen Herstellers kann in 20 Minuten 309 km Reichweite nachladen. Knapp dahinter folgt der Konzernbruder Hyundai Ioniq 5, der wie auch der KIA auf der E-GMP Plattform basiert, mit einem Ladeindex von 0,91 bei 272 nachgeladenen Kilometern in 20 Minuten. Auf Platz drei folgt mit Respektabstand der BMW i4 eDrive40, der einen Charging Index von 0,78 und nach 20 Minuten insgesamt 235 nachgeladene Kilometer erreicht.

In der Kompaktklasse führt der Volkswagen ID.3 (58 kWh) mit einem Charging Index von 0,51 das Feld an. Er kann in 20 Minuten rund 154 km Reichweite nachladen. Der Hyundai Kona mit der 64 kWh Batterie liegt mit einem Indexwert von 0,48 auf Rang zwei und kann in 20 Minuten 144 km nachladen. Der Peugeot e-208 GT (0,43), baugleich mit dem Opel Corsa-e und der Fiat 500e (0,41) folgen knapp dahinter.

Für die weitere Fahrzeugentwicklung seien sowohl die Steigerung der Ladeleistungen als auch die Optimierung der Verbrauchswerte zu berücksichtigen, so die P3 Group in ihrem Report. Einerseits sei bereits jetzt mit neuen Fahrzeugen zu rechnen, die zukünftig Ladeleistungen jenseits der 300 kW erreichen werden (z.B. Rimac Nevera mit bis zu 500 kW laut Herstellerangabe oder Lucid Air, bei dem bei Erprobungen eine maximale Ladeleistung von 304 kW dokumentiert wurde). Andererseits rückt als zweite Stellschraube der Verbrauch in den Fokus, bei dem zukünftig durch zusätzliche Effizienzsteigerungen weitere Verbesserungen zu erwarten sind. Paradebeispiel dafür ist der Mercedes-Benz VISION EQXX, der auf einer Testfahrt im Juni 2022 im realen Straßenverkehr mit einer Batterieladung eine Strecke von 1202 km gefahren ist, bei einem Verbrauch von nur 8,3 kWh/100km.

Obwohl derzeit auch die Vergrößerung der Batteriekapazitäten in den Fahrzeugen zur Verbesserung der Werte im P3 Charging Index beiträgt, ist es aus Sicht von P3 aus technischer aber vor allem wirtschaftlicher Sicht nicht zielführend, die Batteriegrößen immer weiter zu steigern. Vielmehr sei die Optimierung der Faktoren Ladeleistung, Effizienz sowie Möglichkeiten zur Fahrzeug- und Batteriekonditionierung die wichtigsten Stellhebel für die künftige optimale und nutzerfreundliche Auslegung von E-Autos.

Quelle: P3-Group – P3 Charging Index Report 07/22: Vergleich der Schnellladefähigkeit verschiedener Elektrofahrzeuge / Electrive – P3 Charging Index: Kia EV6 ist neuer Langstrecken-Meister

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In diesen Vergleich scheint nicht die Ladeperformance im Winter eingegangen zu sein. Es wird zwar irgendwo erwähnt, dass eine Vorkonditionierung wichtig ist, aber ob die bei den einzelnen Fahrzeugen funktioniert und wie gut sie funktioniert wurde nicht gemessen.
Außerdem interessant wäre, wie gut das Hochgeschwindigkeitsladen nach 5 oder 10 Jahren Lebensdauer der Batterie noch funktioniert.

Inwieweit wird bei diesem Test eigentlich berücksichtigt dass in einem großen Akku (<100kWh) in den ersten 20 Minuten natürlich deutlich mehr Kilometer „reingepresst“ werden können als in einem kleineren Akku (70kWh)
Spannend wäre ja auch eine „Sweetspot Betrachtung“ aus gefahrener Geschwindigkeit und Ladezeit – also z.B. wie schnell kann ich beispielsweise eine Strecke von 1000 km fahren?
Das „Coldgate“ und das „Hotgate“ verschiedener Fahrzeuge bleibt auch unberührt – Warum nur?

Da sind mir die realen Vergleichsfahrten unter realen Bedingungen, wie sie das Team von Stefan Möller bei NextMove durchführt lieber, weil transparenter.

Ich halte von dem sogenannten Testverfahren gar nichts. Es muss ein Realverbrauch auf Langstrecke gegen den Ladewert gesetzt werden. Einige Sachen kann er auch nicht abbilden, z.B. dass der Taycan ein schnelleres Tempo durch die Ladeleistung überkompensieren kann. Trotzdem ist zu sehen, dass die Tesla durchgereicht wurden. Und wer sind die neuen Gewinner? Keine Start-Ups, keine Chinesen – klassische deutsche OEM oder von ihnen verkaufte 800 V Technik. German Engineering hat übernommen. 800 V seit 2014, Porsche 919.

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