Hyundai Ioniq 5 (c) Dirk Kunde

Jedes zehnte E-Auto soll von Hyundai kommen – Gespräch mit Deutschland-Chef Jürgen Keller

Hyundai präsentiert im Jahresgespräch ehrgeizige Pläne. Der südkoreanische Autokonzern will bis 2040 zehn Prozent am globalen Markt für Elektroautos erobern. Bis 2025 sollen weltweit 670.000 E-Autos, davon 110.000 Brennstoffzellenautos verkauft werden.

Auch in Deutschland läuft es derzeit gut. Mit einem Marktanteil von 4,1 Prozent erreicht Hyundai in Deutschland für 2021 ein Allzeit-Hoch. „Wir wachsen gegen den Trend“, sagt Jürgen Keller, Geschäftsführer der Hyundai Motor Deutschland GmbH im Gespräch mit Elektroauto-News. Während der Gesamtmarkt bei Pkw-Zulassungen im vergangenen Jahr um 10,1 Prozent zurückging, legt Hyundai 1,5 Prozent zu. Dabei entfallen 66 Prozent der 70.703 Verkäufe auf alternative Antriebe. Somit kann das Unternehmen die EU-Flottenvorgabe von 95 g/km beim CO2-Ausstoß mit 91,6 g/km unterschreiten.

„Wir setzen auf Nachhaltigkeit“, sagt Keller. Bis 2045 will der Autokonzern weltweit klimaneutral arbeiten. Im Jahr 2040 soll der Anteil von E- und Brennstoffzellen-Autos 80 Prozent betragen. „In Europa werden wir bereits ab 2035 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr anbieten“, so Keller. In den kommenden drei Jahren sind weitere 12 Modelle mit batterieelektrischem Antrieb geplant. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Submarke Ioniq. Als nächstes kommen auf der E-GMP Plattform die Sportlimousine Ioniq 6 sowie der SUV Ioniq 7 auf den Markt.

Wasserstoff ist wichtig

Hyundai gehört zu den wenigen Automarken, die mit dem Nexo hierzulande ein Brennstoffzellen-Fahrzeug im Programm haben. Hintergrund ist eine energiepolitische Vorgabe der südkoreanischen Regierung. Die Insellage (die Landverbindung nach Norden ermöglicht keine Energieimporte) zwingt zur Selbstständigkeit bei der Energieversorgung. Wasserstoff spielt bei der Speicherung und Nutzung von Energie im Land nicht nur für den Transportsektor eine entscheidende Rolle.

In Deutschland wartet der Einsatz von Wasserstoff in Pkw noch auf seinen Durchbruch. Dafür haben 46 Hyundai Xcient Fuel Cell-Lkw seit Oktober 2020 in der Schweiz rund 1,7 Millionen Kilometer zurückgelegt. Die 36 Tonner sind Teil eines Modellversuchs. Bis 2025 sollen weitere 1.600 Wasserstoff-Trucks in Europa zum Einsatz kommen.

Fußmatten aus dem Meer

Auf Nachhaltigkeit setzt Hyundai auch bei der Innenausstattung seiner Autos. Im Ioniq 5 bestehen die Fußmatten aus Econyl. Das Unternehmen Aquafil gab seinem Gar aus recycelten Fischernetzen den Markennamen. Aquafil als auch Hyundai zählen zu den Unterstützern der Meeresschutzorganisation Healthy Sea. Die Organisation koordiniert Aufräumaktion bei denen Müll als auch Reste der kommerziellen Fischerei aus den Meeren geborgen werden.

„Ab März 2022 pflanzt jeder Ioniq 5-Käufer einen Baum“, berichtet Keller. Zusammen mit der Organisation Plant my Tree entsteht im Naturschutzgebiet Stilleking bei Lüdenscheid der Ioniq-Wald. Jeder Käufer erhält ein Baum-Zertifikat mit den Geo-Koordinaten seines Baums.

Software-Update für den Ioniq 5

Jürgen Keller startet optimistisch ins Jahr. Nach 2,6 Millionen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland, schätzt er für 2022 rund 2,9 Millionen Neuzulassungen im Gesamtmarkt. „Auch wenn uns die Pandemie sowie die Logistik- und Halbleiterkrise weiter begleiten werden“, sagt der Geschäftsführer. Mit dem Ioniq 5, der im zweiten Halbjahr 2021 auf den Markt kam, hatte die Marke einen furiosen Start. Knapp 7.000 Modelle wurden in Deutschland bis Jahresende zugelassen. Mit einem Einstiegspreis von rund 42.000 Euro bringt Hyundai die 800 Volt-Batterietechnik in bezahlbare Regionen. Doch will man die vollständige technische Ausstattung, liegt der Ioniq 5 bei 54.000 Euro.

Nach sehr positiven Berichten in der Presse, häufte sich in der kalten Jahreszeit Kritik an der Ladeleistung. Auch dem Autor erging es bei rund 6 Grad Celsius so, dass bei mehrfachen Schnellladeversuchen trotz Batterieheizung maximal 64 Prozent der versprochenen Ladeleistung von 220 kW erreicht wurden. „Wir bringen dazu in den kommenden Wochen ein Update“, verspricht Keller. Die Feedback-Schleife der Kunden erreiche die Entwickler in Korea schnell. Hoffentlich korrigieren sie gleich die Ladeplanung mit. Nach einer Routenplanung im Ioniq 5 schlägt das System dem Fahrer die nächstgelegenen Schnelllader vor. Doch wer mit voller Batterie startet, möchte wissen, wo er oder sie in 200 bis 300 Kilometern laden kann.

Größter Arbeitgeber unter den Importeuren

Hyundai startete 1991 als Importeur günstiger Kleinwagen in Deutschland. Heute bieten sie ein vollständiges Autosortiment mit ehrgeizigem Führungsanspruch bei alternativen Antrieben. Der Zuwachs bei diesen Antrieben lag im Jahresvergleich bei 120 Prozent. Der Marktanteil von Hyundai kletterte von 0,64 Prozent im Jahr 2000 auf aktuell 4,1 Prozent. Der Verkauf teurerer und hochwertiger Fahrzeuge spiegelt sich auch in der gestiegenen Umsatzrendite sowie dem durchschnittlichen Gewinn pro Händler wider. Hyundai arbeitet in Deutschland mit 339 eigenständigen Händlern, die insgesamt 535 Standorte betreiben. Für 2022 ist die Eröffnung weiterer 20 Standorte geplant. Bei den Importmarken nimmt Hyundai nach Zulassungen Platz 3 in Deutschland ein. Als Arbeitgeber sind sie mit 2.160 Beschäftigten die größte Importmarke. 247 Menschen arbeiten in der Hyundai Motor Deutschland-Zentrale in Offenbach. Der Rest verteilt sich auf Tochterunternehmen wie Bank, Werbeagentur, Motorsport, Logistik und Zubehörteile. Auch in der Produktion hat das asiatische Unternehmen im Laufe der Zeit immer mehr Wertschöpfung nach Europa verlagert. Heute entstehen 72 Prozent der verkauften Autos in den zwei Fabriken im türkischen Izmit sowie im tschechischen Nošovice.

Fliegen und autonomes Fahren

Was der koreanische Konzern neben dem Autobau noch vorhat, kann man gut an den Messeauftritten bei der CES in Las Vegas ablesen. 2020 ging es um Air Mobility. Hyundai zeigte ein Flugtaxi für vier Passagiere und einen Piloten. 2021 präsentierte das Unternehmen zusammen mit Boston Robotics Visionen für maschinelle Helfer. Die Hyundai Group hält die Mehrheit an dem Robotik-Unternehmen.

Im kommenden Jahr startet der Einsatz von Ioniq 5-Robotaxen (Level 4) in den USA. In der Flotte von Lyft haben die selbstfahrenden E-Autos ihren ersten Einsatz. Die Technik dazu stammt von Motional, ein Gemeinschaftsunternehmen, das Hyundai zusammen mit Aptiv betreibt.

Im vergangenen Jahr hatten zwei Hyundai-Modelle ihr Hollywood-Debüt. Der Tucson und der Ioniq 5 waren im Film „Spider-Man: No Way Home“ zu sehen. Zumindest beim Ioniq 5 musste man sehr genau hinschauen. Nur wer das E-Auto kennt, erinnert sich an die Szene mit Happy Hogan, der am Wagen verhaftet wurde. Beim nächsten Film sollte Hyundai entweder das Product-Placement-Budget erhöhen oder härter mit den Produzenten verhandeln.

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Einen Marktanteil von mehr als dem aktuell Doppelten könnte Hyundai leicht erreichen: Statt größerer/teurerer Modelle (6/7) bräuchten sie nur Fahrzeuge im Bereich Ioniq 2…4 herausbringen, von einem e-Pendant zum i10-Einstiegspreis von rd. 12.000 € mal ganz zu schweigen … :P

Das tat jetzt weh. Keine Verbrenner ab 2035 mehr? Das werden sich weder die EU noch unsere Regierung gefallen lassen. Ich bin mir sicher, dass das einige Jahre früher kommen wird.

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