Izera: Erstes polnisches E-Auto wird sehr chinesisch sein

Copyright Abbildung(en): Izera

Das erste polnische Elektroauto “Izera” ist ein Prestigeprojekt der polnischen Regierung. Izera sollte Kompetenzen und Know-How rund um den Bau von elektrischen Fahrzeugen in Polen bündeln. Ursprünglich sollte eine vollständig auf heimische Produktion ausgelegte Lieferkette geschaffen werden. Der Produktionsstart wurde mehrfach verschoben. Aktuell wird damit im Jahr 2025 gerechnet.

“Das Projekt des Bau des polnischen Elektroautos Izera war von Anfang an umstritten, vor allem wegen der Eigentümerstruktur des Unternehmens, das derzeit aus vier Energieunternehmen und dem polnischen Staat besteht. Hinter ElectroMobility Poland (EMP) selbst steht jedoch derzeit ein Team von rund 70 Personen mit starken geschäftlichen und technologischen Kompetenzen.” erklärt die polnische Energie- und Mobilitätsexpertin Katarzyna Sobótka.

EMP hat am 17. November mit dem chinesischen Privatkonzern Geely einen Lizenzvertrag über die Verwendung der SEA-Plattform abgeschlossen. Die polnischen Experten sind eher geeicht die Vorteile dieser Partnerschaft zu sehen, als die Risiken aufzuzeigen. Bartłomiej Derski von dem Fachportal Wysokienapiecie stellt heraus, dass die SEA-Plattform eines gutes Produkt ist. In Kürze soll sogar der Volvo EX30 auf dieser Plattform gebaut werden.

Geely hat die Personenwagensparte des schwedischen Herstellers 2010 erworben. Der Izera wird dementsprechend das erste E-Auto sein, das die Geely-Plattform verwendet, aber keine Geely-Marke ist. “In der Praxis werden zunächst die meisten Komponenten der Plattform, einschließlich der Batterie, von den Chinesen geliefert. EMP wird mit der Zeit ein eigenes Netz von Lieferanten aufbauen können. Es wird erwartet, dass chinesische Ingenieure EMP auch bei der Entwicklung des restlichen Fahrzeugs unterstützen werden“ – schreibt Derski.

Izera

Erste Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass der Izera mit einer maximalen Reichweite von bis zu 450 km und kleineren Batterien, die voraussichtlich eine Leistung von 69 kW nicht überschreiten werden, nicht attraktiv genug sein könnte. Weitere Zweifel an Izera betreffen die Finanzierung und die Eigentümerstruktur des Projekts.

“Die Wahl des chinesischen Mischkonzerns Geely als Technologiepartner ist sicherlich ein wichtiger und guter Meilenstein in diesem Projekt. Geely ist ein unangefochtener Marktführer bei der Produktion und dem Verkauf von Elektroautos, nicht nur in China, sondern auch mit Erfahrung in Europa. Das Fehlen eines strategischen Investors für die EMP und insbesondere die fehlende Beteiligung von Privatkapital, die Verzögerungen beim Bau des Werks in Jaworzno und das Fehlen einer vollständigen Lieferkette für die Komponenten des Izera lassen den Erfolg dieses Projekts jedoch weiterhin im Unklaren” sagt Sobótka.

Der leitende Direktor der polnischen Verbandes für Alternativantriebe (PSPA), der die polnische E-Autobranche unter dem Dach des Verbandes vereint, Maciej Mazur, sieht in dem Deal mit Geely nicht nur eine Chance für den Bau des Izera, sondern darüber hinausgehende Chancen für die generelle Weiterentwicklung der polnischen E-Mobilität.

Mazur erhofft sich im Zuge des Engagements der Chinesen weitere Investitionen in den Bereich der E-Mobilität in Polen. Er hält es sogar für möglich, dass Geely Produktionsstätten für seine anderen Automarken in der Nähe des Sitzes von EMP in Jaworzno bauen könnte, um die Zusammenarbeit ohne umständliche Transportwege, besser abwickeln zu können. Davon würde die gesamte Automobilbranche in Polen profitieren.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

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Prestigeprojekte eines nationalen Autos sind besonders blöd. Erstens, weil Nationalstolz absolut kontraproduktiv ist, wenn man einen Blick auf die geographische Einheit wirft und feststellt, die Welt ist das Gebilde, wo man zusammen lebt und wo jeder Eintrag immer auch andere tangiert. Zweitens, weil Autos besonders ungeeignet sind, um etwas Gemeinsames zu haben. Denn sie stehen für das Gegenteil, für Individualität, sind oft ein Symbol, um sich zu kommunizieren, das aufgenommen wird. Z.B. EQE – vermutlich leitender Angestellter.

Vor allen Dingen werden solche Sachen immer scheitern, weil auch hier die Begeisterung der Beteiligten praktisch immer übersieht, wer denn jetzt die Käufer sein könnten. Dazu kommt, durch die Verrücktheiten dieser nationalen Instanz wird so ein Fahrzeug grundsätzlich teurer sein, als marktübliche Fahrzeuge.

Es hat schon seinen Grund, dass in allen Industrienationen (und sonstwo sowieso) sich in der Pkw-Produktion die OEM durchgesetzt haben. Marktlücken gibt es bei Exoten für Sammler, Multimillionäre und Freaks und bei einigen Nischenanwendungen. Dafür sind 0,5% des Marktes reserviert.
Entwicklung, rationelle Produktion und Vertrieb+Kundendienst wuppen nur die Großen am Markt.

Also … wird nix .. bei aller Sympathie für die „Kleinen“

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