Globale Autohersteller untergraben das 1,5°C Klimaziel

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Eine aktuelle Analyse geht hart mit der Automobilindustrie ins Gericht: Die größten Automobilhersteller der Welt untergraben die globalen Klimaziele, da sie bei den Zielen für Elektroautos ins Hintertreffen geraten und gleichzeitig Lobbyarbeit betreiben, um die Lebensdauer des Verbrennungsmotors zu verlängern, wie neue Untersuchungen des Klima-Think-Tanks InfluenceMap zeigen.

Alle zwölf für diese Forschung analysierten Unternehmen haben öffentlich ihre Unterstützung für das Pariser Abkommen erklärt. Aber nur einer – Tesla – engagiert sich ausreichend, um die Ziele des Abkommens zu erreichen. Neben Tesla werde voraussichtlich nur Mercedes-Benz genug Elektroautos in den Verkauf bringen, um das 1,5 °C-Ziel der Internationalen Energieagentur (IEA) zu erfüllen.

Durch die Analyse der Prognosen der Fahrzeugproduktion identifiziert der Bericht einen klaren Zusammenhang zwischen dem klimapolitischen Engagement der Automobilhersteller und den Produktionsstrategien. Toyota zum Beispiel schneidet beim klimapolitischen Engagement aller zwölf Automobilhersteller am schlechtesten ab. Der japanische Hersteller hat demnach die niedrigste prognostizierte E-Auto-Produktion, basierend auf unabhängigen Daten von IHS Markit.

„Der neueste Bericht des IPCC zeigt klar, dass eine möglichst schnelle Verbreitung von Elektroautos entscheidend ist, um die globalen Klimaschutzziele zu erreichen. Unsere Untersuchung zeigt jedoch, wie große Automobilhersteller weltweit zu den größten Gegnern der Klimapolitik gehören. Fast alle Autohersteller halten nicht mit dem Übergang zu Null-Emissionen Schritt.“ – Ben Youriev, InfluenceMap

Die Ergebnisse basieren auf einer detaillierten Bewertung des weltweiten klimapolitischen Engagements von zwölf Unternehmen, gepaart mit einer Prüfung zukünftiger Produktionsdaten von IHS Markit bis 2029 (dem Ausmaß der aktuellen Prognosen) aller Automobilhersteller. Dies wird mit dem 1,5°C-Szenario der IEA zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors verglichen.

Der Übergang zu Elektroautos erfolgt nicht schnell genug

Das 1,5°C-Szenario der IEA zeigt einen Weg auf, um bis zum Jahr 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Für den Verkehrssektor bedeutet dies einen Ausstieg von der Verbrennertechnologie in Pkw und einen schnellen Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge. Die Technologie für emissionsfreie Fahrzeuge umfasst batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) und wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV). Da die FCEV-Produktion Prognosen zufolge bis 2029 jedoch nur 0,1 Prozent der weltweiten Pkw erreichen wird, sind sie fürs Erreichen der Klimaziele als vernachlässigbar zu betrachten.

Bis 2030 erfordert das 1,5 °C-Szenario der IEA, dass 57,5 Prozent der weltweiten Neuzulassungen auf emissionsfreie Fahrzeuge entfallen müssen, so der Bericht. Um dies mit den Prognosen von IHS Markit für 2029 abzugleichen, würde der IEA-Szenariotrend von 1,5 °C erfordern, bis zu diesem Jahr etwa 52 Prozent zu erreichen. Die kombinierte globale Produktion von Elektroautos durch alle Automobilhersteller wird jedoch bis 2029 laut ihren aktuellen Plänen nur 32 Prozent ausmachen.

Prognostiziert wird, dass nur zwei Autohersteller – Tesla (100 Prozent) und Mercedes-Benz (56 Prozent) – die Trendlinie für 2029 übertreffen werden, die erforderlich ist, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Basierend auf IHS Markit-Daten kommen die drei Autohersteller mit den niedrigsten Null-Emissions-Fahrzeugen (Batterie elektrisch oder Wasserstoff) bis 2029 aus Japan: Toyota (14 Prozent), Honda (18 Prozent) und Nissan (22 Prozent).

Automobilindustrie-Klimaziel
InfluenceMap

Es gibt jedoch bei den einzelnen Herstellern starke regionale Unterschiede. Zum Beispiel sollen 49 Prozent der für die EU produzierten Flotte von Toyota bis 2029 Elektroautos sein, während es in den Vereinigten Staaten nur 4 Prozent sein sollen. Die beiden untersuchten US-Autohersteller Ford (36 Prozent) und General Motors (28 Prozent) werden der Analyse zufolge beide bei ihrer weltweiten Produktion für E-Autos hinter den 1,5 °C-Szenarioanforderungen der IEA zurückbleiben. Die in der EU verkaufte Produktion von Ford soll jedoch bis 2029 voraussichtlich 65 Prozent betragen – und das Ziel somit erfüllen.

Der Bericht stellt auch fest, dass die stetig steigende Produktion von immer größeren SUV die Dekarbonisierung des Automobilsektors massiv bedroht. Die erhöhte Fahrzeuggröße ist demnach ein Haupttreiber der globalen Verkehrsemissionen, da die zwölf analysierten Autohersteller 2029 im Vergleich zu 2020 weltweit einen höheren Anteil an SUV produzieren werden.

Die meisten Autohersteller engagieren sich negativ in der Klimapolitik

Wenn es um klimapolitische Lobbyarbeit geht, erzielen acht der zwölf untersuchten Autohersteller ein „D+“ oder schlechter im A-bis-F-System von InfluenceMap, welche für das Engagement für das Pariser Klimaabkommen Schulnoten vergibt. Während diese Autohersteller zwar Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen kommuniziert haben, haben sie sich zum Teil gleichzeitig strategisch gegen spezifische Strategien zur Regulierung und/oder zum Auslaufen von Verbrenner-Fahrzeugen ausgesprochen.

Insgesamt ist Toyota der weltweit am schlechtesten bewertete Autohersteller, trotz seiner jüngsten Verbesserungen bei der Transparenz des politischen Engagements. Die Punktzahl des Unternehmens von „D“ spiegelt seinen negativen Ansatz in Bezug auf Strategien zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors wider – etwa weltweit gegen eine ehrgeizige Klimapolitik im Verkehrssektor einzutreten und gleichzeitig auf eine längerfristige Rolle für Verbrenner-betriebene Hybridfahrzeuge gegenüber E-Autos zu drängen.

Diese Position bringt Toyota in Konflikt mit dem neuesten Bericht des IPCC, wonach „Elektroautos, die mit emissionsarmer Energie betrieben werden, im gesamten Lebenszyklus das größte Dekarbonisierungspotenzial für den Straßenverkehr bieten“. Tesla (B) ist der einzige Autohersteller, der die Pariser Klimapolitik weitgehend unterstützt und den klaren Marktführer des Sektors darstellt. Frei weitere Unternehmen – Volkswagen (C), Ford (C-) und General Motors (C-) – zeigen ein gemischtes klimapolitisches Engagement.

Branchenverbände, die Autohersteller in großen Regionen (USA, EU, Deutschland, Japan und Großbritannien) vertreten, haben der Analyse zufolge ein sehr negatives klimapolitisches Engagement und werden strategisch von Autoherstellern eingesetzt, um weltweit negative Bemühungen gegen die Klimagesetzgebung anzuführen.

Große regionale Unterschiede spiegeln politische Einstellungen wider

Der Untersuchung zufolge besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Politik der Länder und Regionen, Verbrenner-Pkw auslaufen zu lassen und der lokalen Produktion von Batterie-Elektroautos.

In der Europäischen Union etwa, die einige der ehrgeizigsten Strategien zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors verfolgt, zeigen IHS Markit-Daten, dass bis 2029 59 Prozent der lokalen Produktion batteriebetriebene Elektroautos sein werden. Damit wäre die EU in Sachen Klimaziel auf einem guten Weg. Dennoch scheinen einige große europäische Automobilhersteller immer noch die Lobbyarbeit gegen das vorgeschlagene Null-Emissions-CO2-Ziel in der EU für 2035 anzuführen.

Für die USA wird prognostiziert, dass nur zwei Automobilhersteller – Tesla (100 Prozent) und Volkswagen (57 Prozent) – ausreichend Elektroautos produzieren werden, um das IEA-Ziel zu erreichen. Der Umstieg auf E-Autos insgesamt soll aber zu schleppend verlaufen: Im Jahr 2029 sollen 65 Prozent der in den USA hergestellten Pkw weiterhin von Verbrennungsmotoren angetrieben werden.

Japans im Inland produzierte Flotte werde bis 2029 mit 76 Prozent weiterhin von Verbrenner-betriebenen Fahrzeugen dominiert werden, wobei nur 14 Prozent aller produzierten Fahrzeuge im Jahr 2029 batterieelektrisch sein sollen. Dies spiegelt die Dominanz von Verbrenner-betriebenen Hybridfahrzeugen in den Geschäftsstrategien der japanischen Automobilhersteller wider, was das Risiko erhöht, dass Honda, Nissan und Toyota bei reinen Elektroautos weiter hinter die globalen Konkurrenten zurückfallen.

Die Untersuchung zeigt auch, dass große Automobilhersteller planen, die Produktion von Verbrennern nach Afrika, Indien und Südamerika zu verlagern. Im krassen Gegensatz zu Europa soll die Produktion von Elektroautos bis 2029 nur drei Prozent in Südamerika, acht Prozent in Afrika und neun Prozent in Indien ausmachen. Selbst Autohersteller mit bedeutenden europäischen E-Auto-Ambitionen, wie etwa Volkswagen, werden demnach in diesen wichtigen Schwellenländern nur sehr wenige emissionsfreie Fahrzeuge produzieren.

Quelle: InfluenceMap – Pressemitteilung vom 18.05.2022

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„Neben Tesla werde voraussichtlich nur Mercedes-Benz genug Elektroautos in den Verkauf bringen, um das 1,5 °C-Ziel der Internationalen Energieagentur (IEA) zu erfüllen.“

Was machen die anderen derweil?

Tja David, irgendwelche schlauen Bemerkungen?
Top Lobbyarbeit – Dein Chef wird dich lieben.

;-)

Naiv, der etwas anderes erwartete…

Durch die beruflich und wirtschaftlich geforderte Mobilität der Bürger wird der KFZ-Verkehr in Zukunft noch zu nehmen und trotzt E-Fahrzeuge die Co2 Emmisionen erhöhen.

  1. Bis der Co2 Rucksack von Elektrofahrzeuge abgebaut ist, vergehen ca. 5 Jahre.
  2. Bis ein nennenswerter Anteil an Elektrofahrzeugen vorhanden ist, werden mindestens noch 5 Jahre ins Land gehen.
  3. Der Strommix in Deutschland ist auch nicht ohne Co2.

Selbst wenn die Batterien zu 90% Recyclet werden, wird das auch nicht ohne Co2 gehen, es wird möglicherweise das Rohstoffproblem etwas verbessern. Da neue Batteriegenerationen andere Rohstoffe benötigen, wird sich auch durch das Recyclen die Co2 Bilanz nicht stark verbessern.

Es wird schon der richtige weg in eine saubere Umwelt sein, aber erst in vielen Jahren bzw. Jahrzehnten. Für die Menschen im urbanen Umfeld ist es schon jetzt ein Gewinn.

Ich habe diesen Punkt heraus gegriffen …

Der Bericht stellt auch fest, dass die stetig steigende Produktion von immer größeren SUV die Dekarbonisierung des Automobilsektors massiv bedroht.

… da er das wirkliche Problem beinhaltet, nämlich den enormen Resourcen- und Energieverbrauch durch immer größere Fahrzeuge und damit alle Versuche zunichte macht allein mit erneuerbaren Energien die Produktion und den Betrieb der Millionen von Fahrzeugen weltweit zu meistern.

Das Anspruchsdenken – 2 bis 2,5 Tonnen Blech auf 4 Räder, 180 km/h und mehr auf der Autobahn, mindestens einmal im Jahr per Flugzeug weit weg, alle paar Jahre mit dem Kreuzfahrtschiff und dreckigem Dieselmotor über die Weltmeere schippern, billige Klamotten und Elektronik aus Asien nach kurzem Vergnügen ab in die Mülltonne – das macht es schwierig mit den Resourcen und grünen Energien auszukommen.

Viele Leute haben immer noch nicht verstanden, dass die Menschheit kein „garantiertes Recht“ aufs Überleben hat und wenn wir nicht schnellstens unsere Ansprüche und damit Resourcen- und Energieverbrauch reduzieren, dann braucht es keine zusätzlichen Kriege, um uns selber durch Hitzeperioden, Wasser- und Bodenverschmutzung, Dürren, Überflutungen und Hungersnot massiv zu dezimieren.

…seit mir nicht böse, aber dabei ist mir zuviel Kaffee-Sud-Leserei…
Aktuell gibt es noch sehr viel „Marketing-Zahlen“ von Konzernen und wir stehen noch ganz ganz am Anfang.

(Große) Teile der Automobilindustrie scheinen es trotz der immer offensichtlicheren Entwicklung der „Klimakrise“ zur Klima-Katastrophe immer noch nicht kapiert zu haben, dass die über Jahrzehnte perfektionierte Praxis des Verleugnens, des Greenwashing, des Lügens und Betrügens heute nicht mehr verfängt! Dass sie es wider besseren Wissens weiter tun, zeigt unmissverständlich auf, dass der Profit, den die Bosse innerhalb ihrer persönlichen Restlaufzeit noch fröhlich verprassen können ihnen weit über die Lebenschancen kommender Generationen geht. Sie haben es nicht anders verdient, als vom Markt zu verschwinden – je schneller umso besser für die Welt!

Ich glaube ja dass die Nachfrage nach BEVs in den nächsten 3 bis 5 Jahren explodieren wird. Wer dann nicht ausreichend BEVs liefern kann wird einfach nichts verkaufen. Die Leute werden dann lieber 2 Jahre auf ein BEV warten als sich einen neuen Verbrenner zu bestellen. Wenn die Wartezeit lang ist kauft man sich halt zum überbrücken einen älteren Verbrenner. Die Hersteller die sich von den Altlasten zu spät lösen möchten werden unter gehen. Ich bin gespannt.

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