BEM: Weg vom Antriebs- hin zum Mobilitätswandel - ein Gespräch

BEM: Weg vom Antriebs- hin zum Mobilitätswandel – ein Gespräch

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Markus Emmert, Vorstand des Bundesverband eMobilität (BEM), sowie Leiter & Organisation BEM-Arbeitsgruppen, hat sich die Zeit genommen, um ein wenig die Sicht des BEM auf den Mobilitätswandel im Podcast von Elektroauto-News.net zu teilen. Relativ zu Beginn stellt er klar, dem BEM geht es nicht um einen Antriebswandel, sondern um den Wandel der Mobilität als Ganzes. Denn nur wenn man das Thema Mobilität allumfassend denkt, kann eine nachhaltige Veränderung stattfinden, wie Markus im Verlauf des Gesprächs zu vermitteln weiß.

Den Einstieg wagen wir mit der Kritik am aktuellen System des Umweltbonus / Kaufprämie für elektrifizierte Fahrzeuge. Dabei stellt das BEM den Umweltbonus per se nicht als schlecht dar. In seiner damaligen Form war er nachweisbar Treiber der E-Mobilität in Deutschland. Vielmehr geht es dem Verband darum die Kaufprämie auf ein zeitgemäßes Niveau zu holen. Denn mittlerweile offenbaren sich Fehler, welche ausgemerzt gehören – unter anderem die Förderung von Plug-In-Hybriden. Aber eben nicht nur.

Der BEM zitiert hierzu aus einer Studie des Center of Automotive Management. Demnach seien mehr als zehn Prozent der Elektrofahrzeuge, für die in Deutschland ein Umwelt-Bonus beantragt wurde, nach nur sechs Monaten ins Ausland verkauft worden. Das entspreche einer Fördersumme von rund 240 Millionen Euro. Rechne man die Prämien der Hersteller dazu, belaufe sich der Schaden auf bis zu 360 Millionen Euro. Dies kann natürlich nicht im Sinne der deutschen Steuerzahler sein. Statt die Haltedauer zu verlängern, gibt Markus zu verstehen, wäre es besser diese in Gänze abzuschaffen. Dafür allerdings eine Rückzahlungspflicht für den Umweltbonus einzuführen, sollte das Fahrzeug außerhalb weiter veräußert werden. Mit der Rückzahlungs-Verpflichtung, die den Export der Fahrzeuge ins Ausland unattraktiv macht, könne gleichzeitig auch der Gebrauchtwagenmarkt für Stromer deutlich aufgewertet werden.

Darüber hinaus betont er im Gespräch, dass die Pkw-Fixierung gelöst und breiter gedacht werden müsse. Statt sich nur auf Pkw und schwere Nutzfahrzeuge zu konzentrieren, sei es notwendig, dass man den Blick weite. Leichte Elektrofahrzeuge müssen ein Teil der Mobilitätswende werden. Hierzu schlug der BEM bereits vor einiger Zeit eine bessere finanzielle Förderung vor. So soll eine Förderung für die Fahrzeug-Klassen L1e bis L7e (LEV) auf den Weg gebracht werden. Darunter fallen u.a. e-Roller, Mofas, Golf-Caddys sowie mehrspurige dreirädrige und vierrädrige eFahrzeuge für den Personen- und Gütertransport, die allesamt für mehr als 25 Stundenkilometer zugelassen sind.

Beispiel, welche dir sicherlich etwas sagen, wären der Microlino, das Twike oder der Opel Rocks-e – um ein wenig die Nähe zu unserer Plattform herzustellen. Diese Fahrzeuge seien nicht nur handlicher im täglichen Verkehr und würden somit zur Stau-Vermeidung beitragen, sondern sind aufgrund ihrer Größe und Bauweise auch deutlich effizienter, wenn es darum geht den Energieverbrauch zu minimieren. Auf politischer Ebene werde dieses Thema der Förderung für leichte E-Fahrzeuge mittlerweile gehört, der Wille zur Veränderung sei auch da und mit der Energiewende komme nun auch genügend Druck auf, dass sich etwas verändert. Auch, wenn die Mühlen hier ein wenig langsamer mahlen, als im Bereich der Pkw, wo die Lobby-Arbeit in Berlin, noch spürbar ausgeprägter sei.

Dies zeigt sich auch am Masterplan der Ladeinfrastruktur, welcher derzeit eine Schärfung erfahre. Denn auch hier habe man gemerkt, dass dieser nicht mehr der aktuellen Zeit entspricht. Und dennoch sei es so, dass der BEM der Meinung ist, dass der Masterplan Ladeinfrastruktur nur die Vergangenheit und Gegenwart abbilde. Den Ausblick in die Zukunft – Meilenstein 2030 mit einer Millionen Ladepunkte – verliert man allerdings ein wenig aus dem Auge. Dies führt dazu, dass wenn dieser so verabschiedet wird, wieder nachgeschärft werden muss. Markus gibt im Gespräch zu verstehen, dass es doch eher von Vorteil sei sich ein wenig mehr Zeit zu nehmen, und mit dem geschärften Masterplan Ladeinfrastruktur die Zukunft abzubilden.

Dazu gehöre neben dem Fokus auf Pkw und Nutzfahrzeuge mit E-Antrieb die Ladeinfrastruktur für Boote, Schiffe und Leichte Elektrofahrzeuge, die Möglichkeit Vehicle to X-Ansätze im Alltag auch tatsächlich umsetzen zu können. Sowie sich tiefergehende Gedanken darüber zu machen, wo Pkw tatsächlich laden und unter welchen Gesichtspunkten. Denn auch in urbanen Räumen ergibt es durchaus Sinn, dass E-Autos schnell laden. Kommunen müssen hier eingebunden werden und auch von der Blockiergebühr müsse man in der derzeitigen Form Abstand nehmen.

Gegen Ende des Gesprächs haben wir uns noch über die Kopplung verschiedener Sektoren – in diesem Fall Mobilität und Energie – unterhalten. Hatte man früher auf politischer Ebene diese Segmente noch einzelnen betrachtet, gilt es heute mehr denn je, diese gemeinsam zu betrachten. Und Entscheidungen in Abhängigkeit voneinander zu bewerten. Bestes Beispiel, wir wollen einen massiven Ausbau der E-Mobilität. Denken wir auch daran Erneuerbare Energiegewinnung in gleichem Maß voranzutreiben? Die Gedanken von Markus Emmert, vom Bundesverband eMobilität, hierzu und zu einigen anderen Punkten gibt’s in dieser Folge unseres Podcast.

Gerne kannst du mir auch Fragen zur E-Mobilität per Mail zukommen lassen, welche dich im Alltag beschäftigen. Die Antwort darauf könnte auch für andere Hörer des Podcasts von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für die bereits erwähnten Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung, beim Podcast-Anbieter deiner Wahl, freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Ich denke, das erwähnte Beispiel der Haltedauer zeigt, dass Förderung immer missbraucht werden kann. Zudem ist sie teuer. Viel besser sind Lenkungsmaßnahmen, die kostenneutral sind oder gar Geld bringen. Ein Tempolimit 130 km/h auf der Autobahn und 30 km/h im Stadtverkehr wäre für Verbrenner der Todesstoß. Für Verbrenner-Fahrzeuge über 3,5t Mautpflicht überall, auch in der Stadt. Teuer natürlich.

Für mich ist klar, dass die Förderung – vor allem der PHEV – ein Geschenk für die Hersteller zulasten aller Steuerzahler war und vor allem Gutbetuchten und Firmen (siehe PHEV) zugute kam.

Dass ausgerechnet die schmutzigen Schummel-E-Autos (PHEV) eine Förderung bekamen, die kleinen, leichten und resourcenschonenden E-Fahrzeuge (L6e / L7e) dagegen keine, das war eine falsche Entscheidung von deutschen lobbyhörigen Politikern, die „dreckige Schummel-Diesel“ noch lange nach Aufdeckung des Dieselskandals eisern in der EU verteidigt haben – eben korrupt bis ins Mark.

Es gibt die CO2-Steuer, deren stärkere Anhebung und damit höheren Steuereinnahmen haben die Lobbyisten und Politiker verhindert, aber da haben sie die Rechnung ohne Putin, die Erdölförderländer und die Mineralkonzerne gemacht, denn die kassieren jetzt kräftig ab, während sich die Staatskasse rapide leert.

Jetzt erst merken die Politiker und die Konzerne, denen die Politiker jahrzehntelang in den Hintern gekrochen sind, dass die Energiewende so oder so kommen muss, aber das Ganze jetzt viel teuerer wird und durch Kriege und Epidemien auch auf die billigen Zulieferer aus dem Ausland kein Verlaß mehr ist.

Immer noch glauben viele Bürger sie hätten das Recht auf 2 Tonnen Auto plus X und 180 km/h oder mehr auf den Autobahnen, aber das müssen sich die Bürger in Zukunft abschminken, denn dafür reichen die Resourcen des Planeten auf Dauer nicht aus und je früher man die automobilen Wünsche reduziert desto einfacher wird es, denn beim Individualverkehr müssen „kleinere Brötchen“ gebacken werden.

Wir in der EU haben (noch) das Glück, dass sich der Krieg auf die Ukraine beschränkt, aber wenn wir weiter mit Gas unsere Wohnungen heizen und weiter auf erdölbasierte Kraftstoffe setzen, dann können wir nicht viel gegen Kriegtreiber unternehmen, denn dann sind wir weiter auf deren Gnade bei der Belieferung von Erdgas und Erdöl sowie in Zukunft auch von H2 und E-Fuels angewiesen.

Die E-Fahrzeuge müssen ganz einfach leichter und kleiner werden, weniger Resourcen und Energien bei Herstellung und Betrieb verbrauchen, ebenso weniger Platz in unseren Städten, damit mehr Platz für die Menschen und das kühlende Stadtgrün bleibt, das in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger wird.

die Haltedauer massiv zu verlängern mind. 2-3 Jahre wäre sinnvoll alles andere ist Quatsch denn eine Rückzahlungspflicht würde ja nur für den Besitzer des Fahrzeuges gelten der es verkauft nicht aber für den Händler der das Fahzeug kauft. wo kommen wir da hin wenn dem Händler vorgeschrieben wird das er bestimmte Produkte nur innerhalb von deutschland verkaufen darf? das wäre reine sozialistische Planwirtschaft, und wo Planwirtschaft hinführt wissen wir alle siehe DDR

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