BDEW: Kluge Ladeinfrastrukturpolitik braucht realistischere Ausbauziele

BDEW: Kluge Ladeinfrastrukturpolitik braucht realistischere Ausbauziele

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Die Bundesregierung hat mit ihrem Ziel, bis 2030 insgesamt 15 Millionen vollelektrische Pkw auf Deutschlands Straßen zu haben, ihren Willen zur Antriebswende unterstrichen. Und auch Brüssel treibt mit dem Vorschlag zum Verbrenner-Aus für das Jahr 2035 die Verkehrswende konsequent weiter voran. Wo heute jedes zehnte Auto vollelektrisch fährt, ist es im Jahr 2030 dann jedes dritte Auto.

Damit steigt auch der Bedarf an Lademöglichkeiten. Die Bundesregierung setzt auf die Mobilisierung privatwirtschaftlicher Investitionen, um den Hochlauf der notwendigen Ladeinfrastruktur voranzubringen. Geplant ist, verschiedene Maßnahmen im Masterplan Ladeinfrastruktur II zu bündeln, der gerade mit den beteiligten Ressorts abgestimmt wird. Kritisch sei die hier vertretene Grundannahme, im Jahr 2030 würden eine Million öffentliche Ladepunkte benötigt, so der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer aktuellen Mitteilung. Denn damit werde ein Ziel ausgerufen, das weit über den tatsächlichen Bedarf hinaus gehe und das weitreichende Folgen für den gesamten Masterplan nach sich ziehe. Es drohe die Gefahr einer Übersteuerung durch staatliche Förderprogramme statt privatwirtschaftlicher Investitionen.

Es ist wichtig, dass wir uns auf realistische Ziele für den Ladesäulenbedarf verständigen“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Bundesminister Wissing sagt zu Recht, dass erst einmal der Bedarf an Ladeinfrastruktur ermittelt werden muss. Sicher ist, dass die ‚eine Million‘ weit jenseits des realistischen Ladesäulenbedarfs liegt und eine falsche Erwartungshaltung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern schürt“. Die Zahl sorge für große Verunsicherung und werde damit zu einer Einstiegshürde. Potenzielle E-Mobilistinnen und E-Mobilisten brauchen für ihre Kaufentscheidung eine realistische Vorstellung davon, wie viele Ladepunkte bundesweit tatsächlich benötigt werden. Unrealistische Ziele dagegen bremsen den Umstieg auf das Elektroauto, so Andreae weiter.

Zudem bedeuten überhöhte Ziele, dass der Staat zusätzliches Geld in den Ladeinfrastrukturaufbau stecken muss – obwohl dies eigentlich gar nicht erforderlich sei. Die Steuergelder können an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. „Nicht mehr Subventionen beschleunigen den Ausbau der Ladeinfrastruktur, sondern vor allem die Mobilisierung von Flächen der öffentlichen Hand und beschleunigte Genehmigungsverfahren“, sagt die BDEW-Chefin. Ein durch Subventionen angeregtes Überangebot an Ladesäulen hingegen führe dazu, dass der Wettbewerb unter den Betreibern zum Erliegen komme. Damit werde der Mechanismus ausgehebelt, der dafür sorgt, dass Kundinnen und Kunden ein für ihre Bedürfnisse passendes Produkt zu einem fairen Preis erhalten.

Die Politik setzt sich zudem beim Ladeinfrastrukturausbau unnötig unter Druck. Klar ist, dass wir 15 Millionen vollelektrische PKW aus Klimaschutzgründen in 2030 brauchen werden. Eine Million Ladepunkte zur Flankierung dieses PKW-Ziels werden wir aber sicher nicht brauchen“, so Andreae.

Wie viele öffentlichen Ladepunkte werden tatsächlich bis 2030 gebraucht?

Grundsätzlich gebe es nicht einen feststehenden Zielwert, so der BDEW. Wie viele Ladepunkte benötigt werden, hänge davon ab, wie schnell die Fahrzeuge laden können, wie viel zu Hause oder beim Arbeitgeber geladen wird und wie viele vollelektrische Fahrzeuge am Ende des Tages tatsächlich zugelassen werden. Ein Rechenmodell der Nationalen Plattform Mobilität (NPM) hat für 15 Millionen E-Pkw und den von der EU zugrunde gelegten drei Volllaststunden pro Tag einen Bedarf zwischen 107.000 und 631.000 Ladepunkten bis 2030 errechnet. Die große Spreizung ergibt sich aus den oben genannten Parametern, deren Entwicklung in verschiedenen Modellen geschätzt worden ist.

Nach Einschätzung des BDEW ist ein Bedarf zwischen 100.000 und 250.000 öffentlichen Ladepunkte im Jahr 2030 realistisch, da davon auszugehen ist, dass auch zukünftig der Großteil der Ladevorgänge privat oder beim Arbeitgeber erfolgen und der Anteil der Schnellladepunkte im öffentlichen Bereich zunehmen wird.

Quelle: BDEW – Pressemitteilung vom 13.06.2022

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Hier mal die einfache Formel:

Zahl der Tankstellen / Zeit fürs Tanken x Zeit fürs Laden = Zahl der Ladestationen

Und hier mal das Ganze mit Zahlen:

14.091 Tankstellen (Stand 2020) in Deutschland für 59 Mio. Kfz (Pkw, Lkw, Motorräder usw.)
14.091 Tankstellen x 12 (statt 5 Minuten tanken 60 Minuten laden) = 169.092 Ladestationen
14.091 Tankstellen x 6 (statt 5 Minuten tanken 30 Minuten laden) = 84.546 Ladestationen

In Deutschland gibt es 294 Landkreise. Zusammen mit den 106 kreisfreien Städten bilden sie die insgesamt 400 Gebietskörperschaften auf Kreisebene.

(Quelle: Wikipedia)

Selbst wenn man von 0 auf 84.546 Ladestationen in 15 Jahren kommen müsste, dann wären es …

… pro Woche etwa 108 Ladestationen in Deutschland
… oder alle 19 Tage 1 Ladestation pro Landkreis
… oder knapp 20 Ladestationen pro Jahr und Landkreis
… bzw. für jede Tankstelle, die schliesst, werden 6 Ladestationen eröffnet.

Wenn das Verbrennerverbot 2030 käme, dann wären es 23 Jahre, um auf 84.546 Ladestationen zu kommen, d.h. man bräuchte etwa 1 neue Ladestation pro Monat und Landkreis – realistisch genug?

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