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Batterietausch nach Garantieablauf: was er wirklich kosten kann

Copyright Abbildung(en): Daimler

Es ist die Horrorvorstellung jedes E-Auto-Fahrers: die Batterie geht kaputt – und die Garantie ist bereits abgelaufen. Dann kann es richtig teuer werden, wie eine Recherche der Autobild ergab. Wer bei einem Verbrenner schon mal einen Motorschaden hatte, kennt das. Meist ist ein neuer Motor und der Einbau teurer als der Restwert des Fahrzeuges. Bei E-Autos ist das nicht viel anders. Während aber die Elektromotoren wartungsfrei und extrem langlebig sind, ist die Batterie das Herzstück des Elektroautos und daher entsprechend teuer.

Ist die Batterie hinüber, verliert ein E-Auto drastisch an Wert. So wurde kürzlich ein gebrauchter Tesla Model S aus 2013 ohne Batterie zum Kauf angeboten, um 6.900 Euro bei nur 75.000 Kilometer Laufleistung. Vergleichbare Modelle mit Batterie kosten um die 30.000 Euro.

Fehlt die Antriebsbatterie oder ist diese defekt, ist das meist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Die Hersteller gewähren deshalb großzügige Garantien von bis zu acht Jahren oder einer gewissen Laufleistung, falls nur mehr weniger als 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität vorhanden sind. Toyota ist großzügiger: für den Lexus UX 300e gibt es zehn Jahre Garantie oder bis zu einer Million gefahrenen Kilometern! Auch Daimler gewährt für den Mercedes EQS zehn Jahre Garantie, allerdings nur bis 250.000 Kilometer.

Viele neuere E-Autos erreichen nun diese magische Acht-Jahres-Schwelle. Die Hersteller geben aber nur ungern Preise für Neubatterien an, wollen lieber einzelne Zellen oder Module tauschen. Einige Hersteller würden erst gar keine Tauschakkus anbieten, andere geben überhaupt keine Preise bekannt, darunter Audi, Fiat, Opel und Tesla. Aus einem aufsehenerregenden Video eines finnischen Youtubers – der hatte sein acht Jahre altes Model S kurz vor Weihnachten in die Luft gesprengt – weiß man hingegen, dass der Tauschakku für einen Tesla an die 20.000 Euro gekostet hätte. Das war dem Finnen wohl zuviel und er löste das Problem anderweitig. Auch während der Garantiezeit wird bei Tesla der Akku nicht vollständig getauscht, sondern „remanufactured“ (erneuert), also die defekten Zellen oder Module ausgetauscht. Das handhaben alle Hersteller so.

Opel und BMW beharren darauf, keinen „Ersatzteilpreis“ für einen Tauschakku zu haben, weil dieser Fall nicht auftreten würde. Angeblich gäbe es keinen BMW i3 der ersten Jahre, dessen Akku 70 Prozent unterschritten hätte, wie ein BWM-Sprecher mitteilt. Auch VW nennt keine exakten Preise. Für Modelle der ID-Familie soll dieser aber zwischen 10.000 und 15.000 Euro kosten. VW arbeitet derweilen an einer „Einheitszelle“, um die Akkupreise deutlich zu drücken. Auch alte Akkus sollen aufbereitet werden.

Exakte Preise nennt Mercedes: Ein Tauschakku für den EQA kostet 15.209,22 Euro, für den EQS 19.603,12 Euro und für den EQV 27.230,31 Euro. Akkus für den Smart EQ fortwo und den Smart EQ forfour sollen jeweils 6537,92 Euro kosten. Bedingung ist immer die Rückgabe des alten Akkus. Die Nachfrage würde sich jedoch im „einstelligen Promillebereich“ bewegen, teilt Mercedes mit. Honda berechnet für einen Tauschakku im Honda e 7283 Euro. Ein Ersatz-Batteriepack für den Dacia Spring kostet 6769,65 Euro. Renault kann nur Ungefähr-Preise angeben. Sie betragen für Zoe, Kangoo ZE und Twingo Electric jeweils ca. 9000 Euro. Für das Leichtauto Twizy werden ca. 4000 Euro fällig. Nissan berechnet für den kleinen Leaf-Akku (40 kWh) 10.306 Euro, für den großen (62 kWh) 15.516 Euro.

Volvo, Hyundai und Kia geben nur die Preise pro Modul an. Die Begründung: Bei Defekten werden nur die schadhaften Module ausgetauscht, der Ausfall eines kompletten Akkus sei sehr unwahrscheinlich. Auch hier mag niemand darauf eingehen, dass irgendwann Akkus versagen, weil die Zeit sie dahinrafft. Addiert man die Zahl der Module, ergeben sich folgende Preise: Hyundai Kona-e (100 kW) 20.176,78 Euro, Kona-e (150 kW) 33.771,68 Euro, Hyundai Ioniq 20.176,78 Euro, Kia e-Niro (39,2 kWh) 6940,08 Euro, Kia e-Niro (64 kWh) 10.410,12 Euro, Kia e-Soul (39,2 kWh) 5826,42 Euro, Kia e-Soul (64 kWh) 8739,36 Euro, Kia EV6 10.364,90 Euro, Volvo XC40 Recharge 37.854 Euro.

Beim Preis für die Tauschbatterie ist es nicht getan, denn die muss auch noch aufwändig aus- und eingebaut werden. Das dauert in der Regel etwa vier bis fünf Stunden. Beim Hyundai EV6 sollen es sogar über neuen Stunden sein! Bei den Kleinwagen geht es meist etwas schneller. Eine Stunde der spezialisierten Werkstatt schlägt mit bis zu 200 Euro zu Buche. Beim EV6 wären das also bis zu 1.900 Euro.

Quelle: autobild.de – So teuer sind Tauschakkus fürs Elektroauto

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Wow – die Autobild malt wieder düstere BEV Ängste – wie schon damals mit den „brennenden BEVs“ – gerne auch Teslas.

Der informierte Leser weiß heute, daß Verbrenner deutlich häufiger brennen (war der Faktor 7?)

Um welchen Faktor mag der Motortotalschaden eines Verbrenners wohl höher sein, als der eines Totalausfalls einer BEV Batterie?

Na Autobild, wie sehen da die Zahlen aus?
Ich habe da so eine Vermutung ;-)

Eigene Erfahrung:
Peugeot iOn 9/2011 gekauft, damals bestimmt nicht das Licht der Batterietechnik, wir sind damit 11 Jahre ohne großartige Kosten gefahren.
Es gab 2 Rückrufe wegen Vakuumpumpe und Onboard Wechselrichter! Service war zwischen 50 und 100€.

nach 100.000km hatte die Steinzeitbatterie mit 16kWh über 1800 Vollzyklen und noch immer 75% ihrer Kapazität.

Bremsbeläge waren nach 100.000km runter, 1x Winterreifen, 1x Sommerreifen, im Winter 2020 war die 12Volt Batterie am Ende, das war es auch schon mit Erhaltungskosten.

Nachtrag:
Wir hatten uns nie um die Batterie gekümmert, wenn es erforderlich war wurde sie auch 10x hintereinander voll geladen und bis zur Schildkröte runter gefahren, Angesteckt und vergessen war eher die Regel als die Ausnahme.

01/2022 wurde der iON gegen einen Twingo Urban Night Z.E. getauscht, 25% vom Neupreis des Twingo hat der iON im Eintausch gebracht…

Last edited 9 Monate zuvor by Martin Hofstetter

Gut, dieser Artikel ist tatsächlich differenziert und betrachtet auch den Austausch aller Module. Das ist eine sinnvolle Vorgehensweise, weil sich nach acht Jahren nicht schlagartig jeder Akku zerlegt, sondern typischerweise irgendwann einzelne Module schwächeln. Beim Taycan kostet übrigens jedes Modul 795 € inklusive Mehrwertsteuer. Da wäre also der Akkutausch günstiger als so manche Motorrevision. Wobei ich mir vorstellen kann, dass es im Laufe der nächsten Jahre ein Geschäftsmodell für eine Nachrüsterszene/Neubestückerszene, wie beim Elektrofahrrad, geben kann.

Die gute Nachricht dabei ist: mit einem guten Batteriemanagemant kann man die Batterie lange fit halten. Dazu gehört vor allem möglichst wenig schnelladen und die Batterieladung nach Möglichkeit immer im Bereich zwischen 30 und 70% zu halten.

In Anbetracht einer Gesamtkostenrechnung relativiert sich ein Akkutausch.
Wenn ein Akku 10 Jahre hält und ausgetauscht werden muss sind die Ersatzkosten in diesem Moment hoch, in Bezug auf den Restwert durchaus moderat und tragbar aufgrund einer Restwertsteigerung, siehe Oldtimer.
Kaum ein Verbrenner hat nach zehn Jahren einen nennenswerten Restwert, von den unzähligen technischen und teuren Mängeln ganz zu schweigen. Luxuslimousinen in dieser Altersklasse sind für Appel und Ei zu bekommen.
Wenn der Rest eines BEVs weiterhin hält, ist die Akku Neuanschaffung durchaus denkbar, wobei der Akkupreis in Zukunft runter gehen wird.
Denkbar sind auch das Akkutauschsystem von Nio mit 200EUR/Monat (effektiv nur 150Eur/m nach Fahrzeugpreisreduzierung), welches derartige Kosten relativiert, und durchaus eine Alternative darstellen kann, insbesondere für Viel-und Weitfahrer.

Alle genannten Preise beziehen sich auf neue Akkus. Aber genauso wie niemand in seinen 10 Jahre alten Verbrenner einen nagelneuen Motor einbauen lässt, wird es zukünftig bei ausreichenden E-Auto Zulassungen auch gebrauchte Tauschakkus geben.

Für den Nissan Leaf gibt es z.B. auch schon Nachbauakkus, die etwa die Hälfte der Originalteile mit Einbau kosten.

Bei Tesla ergibt sich eine zusätzliche Hürde, die nicht genannt wurde. Wird ein Akku nicht von einer zertifizierten Teslawerkstatt getauscht (z.B bei gebrauchten Akkus) kann es passieren, das Tesla die Benutzung der Tesla Supercharger sperrt. Das ist vor allem wegen Unfallautos gedacht, die privat wieder hergerichtet werden und bei denen Tesla dann die Sicherheit des Akkus nicht mehr garantieren kann.
Man kann dann natürlich weiterhin die Ladesäulen anderer Anbieter nutzen.

Beim Preis für die Tauschbatterie ist es nicht getan, denn die muss auch noch aufwändig aus- und eingebaut werden. Das dauert in der Regel etwa vier bis fünf Stunden. Beim Hyundai EV6 sollen es sogar über neuen Stunden sein!

Wenn Hersteller von E-Autos mit Tauschakkus diese in Tauschstationen in 5 Minuten wechseln können, dann sollte auch bei anderen E-Autos ein schnellerer Akkuwechsel möglich sein – wenn deren Hersteller es wollen.

Bei den leichten zukünftigen E-Autos (L7e) sind wechselbare Akkus vielfach Standard – bei Pedelecs sowieso.

@ Daniel W:

„Bei den leichten zukünftigen E-Autos (L7e) sind wechselbare Akkus vielfach Standard …“

Für den XBUS (electricbrands.de) werden folgende Angaben gemacht:

„Bis zu 24 entnehmbare Lithium-Batterie-Packs á 25 kWh – insgesamt bis zu 30 kWh. Basis-Ausstattung 8 Batterie-Packs mit insgesamt 10 kWh (optional erweiterbar). Das Gewicht eines Akkumoduls wird ca. 9 kg liegen.“

Übrigens liegt der LFP-Akku meines Mini-Busses nach >10 Jahren Betrieb (seit 11-2011) immer noch bei 95% der Nennreichweite! Nach etwa 8 Jahren hatte ich per Fernübertragung zum Akku- und BMS-Hersteller in Südfrankreich) eine Akku-Diagnose und Nachjustierung für rd. 100 € veranlasst. Es gäbe aber auch komplette, Software- und steckerkompatible Akku-Neubauten mit verbesserten Werten und einer Umbauzeit von unter 90 Minuten!
Kein Grund also zu BILD-typischer Schwarzmalerei :P

Last edited 8 Monate zuvor by Wolfbrecht Gösebert

Ich finde die Preise wenig realistisch. Bei Renault gab es Miet und Kaufoption und demnach war das deutlich billiger. Bei einem alten Auto wurde man auch nur einen aufgearbeiteten Akku einbauen. Für die Reparatur werden sich dann auch Fachbetriebe finden, wenn der Markt dies erfordert.

Einzige sinnvolle Lösung kann hier nur ein generelles Wechselakku-System sein, bei dem es genormte Formate gibt. Das würde auch dicke fette Ladearchitekturen ersparen.
siehe auch
https://elektroauto-news.net/2022/e-auto-boom-mit-schoenheitsfehlern#comment-148039

Wechselakkus würden auch die Umladeprozesse einsparen, die schließlich auch Wirkungsgrad kosten. Auch, wenn nur ein Teil der Gesamtkapazität der Akkus eines Fahrzeugs leicht wechselbar wäre, würde dies schon helfen.

Und schließlich hätte der entstehende Wettbewerb auch einen Vorteil für Home-PV-Anlagen. Akkus würden leistungsfähiger, leichter und günstiger werden. Ältere KFZ-Akkus könnten ohne weitere Verrenkungen in der Home-PV-Anlage verbeliben und ihre zweite Lebenszeit verbringen.

Wie es bei den Verbrennern Tauschmotoren gibt, wird es beim BEV auch in einigen Jahren ähnliches in der Batterietechnologie geben. Mein neuer Stromer ist zwei Monate alt, daher mache ich mir dazu noch keine allzugroßen Sorgen was in sieben oder acht Jahren mit meinem Akku los ist?

Ich zitiere mal diesen Absatz, denn allein der ist Bild-typisch falsch.

Zitat Anfang:
Addiert man die Zahl der Module, ergeben sich folgende Preise: Hyundai Kona-e (100 kW) 20.176,78 Euro, Kona-e (150 kW) 33.771,68 Euro, Hyundai Ioniq 20.176,78 Euro, Kia e-Niro (39,2 kWh) 6940,08 Euro, Kia e-Niro (64 kWh) 10.410,12 Euro, Kia e-Soul (39,2 kWh) 5826,42 Euro, Kia e-Soul (64 kWh) 8739,36 Euro, Kia EV6 10.364,90 Euro, Volvo XC40 Recharge 37.854 Euro.
Zitat Ende.

Es ist bekannt dass Hyundai Ioniq-5 und KIA EV6 im Prinzip die gleichen Chassis sind, auch die Batteriezellen sind gleich, der KIA hat sogar noch ein paar mehr. Trotzdem werden hier für den KIA EV6 10.364,90 EUR angegeben, beim Hyundai Ioniq-5 aber gleich fast doppelt soviel, nämlich 20.176,78 EUR obwohl weniger (glaube 4 St.) Akkuzellen verbaut sind.

Da sollte mal einer ein bisschen genauer nachsehen.

Last edited 8 Monate zuvor by Horst

Akkutausch kostet beim Renault Twizy nicht wie hier angegeben 4000€ sondern 5700€ (ohne Arbeitszeit und Entsorgungskosten). Ist für mich ein Wirtschaftlicher Totalschaden (Baujahr 2012, erste Generation)

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