Autokauf: Diesel weniger gefragt, Elektro im Vormarsch

Autokauf: Diesel weniger gefragt, Elektro im Vormarsch

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Trotz Mobilitäts- und Verkehrswende ist das Auto auf deutschen Straßen noch lange kein Auslaufmodell, im Gegenteil: in den letzten 10 Jahren ist der PKW-Bestand in Deutschland um ca. 6 Millionen Fahrzeuge angewachsen (auf ca. 48 Millionen Stück in 2021). Das durchschnittliche Wachstum in diesem Zeitraum betrug 1,3 %. Gerade die Corona-Pandemie hat den öffentlichen Verkehr unattraktiver gemacht und die Menschen wieder in die Autos getrieben. Unübersehbar ist hingegen der Trend zum E-Auto: jeder dritte Neuwagenkäufer in Deutschland erwägt den Kauf eines Elektroautos, wie die aktuellen Ergebnisse der OpinionTRAIN 2021 belegen. Diese von der exeo Strategic Consulting AG und der Rogator AG durchgeführte Langzeitstudie untersucht geplante Neuwagenkäufe und die Präferenzen für Antriebsformen und Fahrzeugtypen. „Wurde jahrzehntelang die Dieseltechnologie vor allem bei längeren Strecken als besonders ökonomische und verbrauchsarme Form der Autonutzung herausgestellt, ist die öffentliche Meinung nicht zuletzt durch den Dieselskandal und die Feinstaubdebatte umgeschlagen. Diesel ist schlecht, Elektro ist gut, lautet der Tenor„, wie Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG und Co-Autor der Studie zusammenfasst.

Trotz Corona-Krise lassen sich die Bürger die Lust auf ein neues Auto nicht nehmen. Wird ansonsten beim Konsum gespart, geben 23 % der deutschen Studienteilnehmer an, sich innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Neuwagen gönnen zu wollen. In Österreich und der Schweiz sind es sogar 28 %. Dabei liegt es wohl nicht am verfügbaren Geld, gerade jüngere Verbraucher (< 30 Jahren) zeigen in allen drei Ländern eine deutliche höhere Kaufabsicht als die Altersklasse 60+, das Auto ist also auch für jüngere Menschen immer noch wichtig.

Von jenen, die eine Kaufabsicht innerhalb der nächsten zwei Jahre äußerten, können sich in Deutschland 36 % vorstellen, ein Fahrzeug mit Hybrid-Antrieb zu kaufen, bereits 34 % überlegen konkret den Kauf eines Elektroautos. An erster Stelle steht der Benzin-Motor (49 % Erwägung), der Diesel-Motor liegt bei 23 %. Hier ist im Vergleich zur Studie von 2020 ein Wandel sichtbar: stand bei der Vorstudie nach dem Benzin- und dem Hybrid-Motor der Dieselantrieb an dritter Stelle, so hat das Elektroauto 2021 den Diesel von Platz drei verdrängt. Grund dafür ist das stark steigende Angebot von unterschiedlichen Modellen mit Elektroantrieb sowie Skaleneffekte und Kostensenkungspotentiale, und damit niedrigere Verkaufspreise. Gleichzeitig wird die Ladeinfrastruktur wahrnehmbar verbessert, das schafft Akzeptanz beim potentiellen Käufer. In Österreich hingegen liegt der Dieselantrieb mit 43 % Erwägerquote sogar auf Platz 1 der Antriebsformen, gerade bei PKW-Nutzern mit hoher jährlicher Fahrleistung jenseits der 20.000 Kilometer. In diesem Bereich verliert der Elektromotor stark an Akzeptanz. Insgesamt fahren in Österreich jedoch nur 12 % mehr als 20.000 Kilometer pro Jahr und der Anteil hat sich – auch Corona-bedingt – seit 2018 um 4 % verringert. 34 % der Österreicher überlegen hingegen, sich ein Elektroauto anzuschaffen. In der Schweiz überwiegt mit 49 % Erwägung der Benzin-Motor, 35 % können sich vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Auffallend ist, dass sich in Deutschland mit 19 % fast dreimal soviele Interessenten den Kauf eines Wasserstoff-betriebenen Fahrzeuges überlegen als in den Nachbarländern, trotz der hohen Preise und der geringen Verfügbarkeit geeigneter Modelle. In Österreich sind das nur 7 %, genauso wenige in der Schweiz (6 %).

Wer sich für ein Elektroauto interessiert, wird stark durch ökologische und Klimaaspekte getrieben (55 % der Personen mit Erwägung des Elektroantriebs), die Kaufprämien spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Jene, die einen Elektroantrieb nicht in Erwägung ziehen, kritisieren vor allem den hohen Preis (24 % der Personen ohne Erwägung eines Elektroantriebs) und die limitierten Lademöglichkeiten (17 %). Außerdem bestehen Vorbehalte gegenüber der Technologie, wie die Ökobilanz oder Rohstoffknappheit (15 %). Die begrenzte Reichweite scheint jedoch kein besonderes Hindernis mehr zu sein (9 %). Studien-Co-Autor Prof. Dr. Andreas Krämer, CEO der exeo Strategic Consulting AG, geht insgesamt davon aus, dass „größere Stückzahlen und verbesserte Batterie-Technologien in nächster Zukunft dazu führen dürften, dass sich die Vorbehalte der Verbraucher in puncto Anschaffungspreise und Lademöglichkeiten sowie Reichweite reduzieren lassen.“

Gleichzeitig zum steigenden Wunsch nach elektrifiziertem Antrieb geht der Trend in Deutschland immer noch in Richtung SUV: mit 35 % Erwägung liegt diese Modellform an der Spitze, knapp vor Limousinen (34 %) und Kleinwagen (33 %). Auffallend ist, dass sich das SUV gerade in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern besonderer Beliebtheit erfreut (39 %), während es am Land (< 10.000 Einwohner) kaum gefragt ist (29 %). In der Schweiz dominiert ebenfalls das SUV mit 35 % knapp vor dem Kleinwagen (34 %). Die Österreicher hingegen lieben Kleinwägen, mit 38 % stehen sie an der Spitze, auf Platz 2 folgt hingegen ebenfalls das SUV (36 %).

Quelle: rogator.de – Die Autokäufer verlieren die Lust auf den Dieselantrieb – aber nicht alle//exeo Strategic Consulting AG & Rogator AG – OpinionTrain (2021)

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Zitat: „Auffallend ist, dass sich das SUV gerade in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern besonderer Beliebtheit erfreut (39 %), während es am Land (< 10.000 Einwohner) kaum gefragt ist (29 %)“

Tja, die Muttis brauchen das für die Fahrt Zur KiTa oder Schule, damit die Kleinen nicht ausgegrenzt sind, weil die anderen Helikopter-Eltern die Route vorgeben….

Mich würde einmal interessieren wie das ganze auf dem Gebrauchtwagenmarkt aussieht.
Wegen Chipmangel und Lieferzeiten kaufen viele Leute verstärkt Gebrauchtwagen.

Das geht sogar soweit, dass ich für meinen Diesel Baujahr 2008 inzwischen ca. 5.000€ mehr bekommen würde als Anfang 2020.

Ich fahre 35.000km im Jahr und regelmäßig 600km Einfachstrecken mit meinem Model 3 und sehe da gar kein Problem auch 60.000km im Jahr zu fahren. Lediglich die Aussendienstfraktion mit 80.000km+ im Jahr sehe noch kritisch.

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