Wie die Zwangspause an der Wallbox verhindert werden kann

Wie die Zwangspause an der Wallbox verhindert werden kann

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1812967372

Immer mehr Elektroautos und Wallboxen für die heimische Garage unterstützen eine Ladeleistung von bis zu 22 Kilowatt, womit sich in weniger als einer Stunde mehr als 100 Kilometer Reichweite nachtanken lassen. Doch ist damit bald Schluss? Statt der vollen Leistung fließen möglicherweise nur noch wenige Kilowatt oder gar kein Strom mehr – nämlich dann, wenn zu Spitzenzeiten das Netz überlastet ist.

Weil immer mehr Menschen E-Autos fahren und gleichzeitig laden wollen, rückt dieses Szenario für Stromnetzbetreiber vielerorts in den Fokus, hat allerdings von Bundesminister Peter Altmaier bereits eine Absage erteilt bekommen. Immer mehr kristallisiert sich nun heraus, dass Ladevorgänge smart gesteuert werden müssen, um die Sicherheit der Stromversorgung gewährleisten zu können. Denn verteilen sie sich gleichmäßiger über den Tag, wird das Netz nicht überlastet und Endverbraucher müssen keine Zwangspause an der Wallbox in Kauf nehmen.

In Zukunft können Preisanreize dabei eine entscheidende Rolle spielen: Dynamische Stromtarife können E-Auto-Fahrer dazu animieren, in verbrauchsarmen Zeiten zu laden oder ihnen die Freiheit geben, zu Spitzenzeiten mit voller Leistung – aber einem höheren Kilowattstundenpreis – zu tanken. Wie das preisgesteuerte Laden konkret funktionieren kann, zeigt die aktuelle Studie „Gesteuertes Laden von Elektrofahrzeugen über Preisanreize“, die im Förderprogramm Elektro-Mobil des Bundeswirtschaftsministeriums entstanden ist.

Ein Beispiel: Die Berliner Stadtreinigung hat im Zuge von Elektro-Mobil ihre elektrisch betriebenen Nutzfahrzeuge an fünf Standorten vernetzt und die Ladetechnik so ans Stromnetz angebunden, dass mögliche Ladezeiträume automatisiert an den Stromversorger übermittelt werden. Der Versorger meldet dann anhand von Strommarktprognosen die kostengünstigsten Ladezeitpunkte zurück. So konnte die Stadtreinigung – ohne die Bereitschaft ihrer zunehmend elektrifizierten Flotte einzuschränken – eine Netzüberlastung verhindern und zugleich die Beschaffungskosten je Kilowattstunde um rund 16 Prozent senken. Ein ähnlich hohes Einsparpotenzial bietet preisgesteuertes Laden für Endverbraucher.

Entsprechend einig sind sich die Studienautoren: Ungesteuertes Laden von Elektroautos ist mittel- bis langfristig aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll. Über die smarte Steuerung der Ladevorgänge können Kosten eingespart werden, sowohl für den Ausbau der Verteilnetze als auch für die Erzeugung notwendiger Regelenergie zum Ausgleich von Stromschwankungen. Gesteuertes Laden erhöht zudem die Nutzung von erneuerbarer Energie und verstetigt den Betrieb konventioneller Kraftwerke, was auch die CO2-Emissionen senkt.

Damit preisgesteuertes Laden Realität wird, sehen die Autoren u.a. folgenden Handlungsbedarf:

  • Neben der nötigen Vereinheitlichung von Hard- und Software kommt es auf die Umsetzung von Ladeinfrastruktur-Kommunikationsstandards an. Denn aktuell unterstützen nicht alle Ladesäulen- und Wallbox-Hersteller alle möglichen Funktionen. Das ist jedoch eine entscheidende Voraussetzung für flächendeckendes preisgesteuertes Laden.
  • Die Nutzungsforschung verdeutlicht, dass preisgesteuertes Laden für Nutzer möglichst einfach, d.h. in hohen Maße automatisiert und dennoch kosteneffizient sein muss.
  • Bei der Ausgestaltung von Anreizsystemen für preisgesteuertes Laden gilt es, finanzielle und nicht-finanzielle Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen.
  • Da Abgaben und Umlagen 80 bis 85 Prozent des Strompreises ausmachen, sollten diese für den Einsatzzweck des preisgesteuerten Ladens zumindest teilweise entfallen, damit die geringeren Ladestrompreise für die Verbraucher einen spürbaren Effekt haben.
  • Der Rechtsrahmen für Verteilnetzbetreiber sollte die Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen rund um preisgesteuertes Laden fördern und monetäre Attraktivität gewährleisten.
  • Nichtfinanzielle Aspekte können etwa in der Ausgestaltung der Nutzerschnittstellen adressiert werden, z. B. in Form App-basierten Feedbacks zum individuellen Umweltbeitrag.

Quelle: Begleitforschung Elektro-Mobil – Pressemitteilung per Mail

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Wie die Zwangspause an der Wallbox verhindert werden kann“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
19 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dies ist nicht das heutige Problem. Jeder braucht nicht eine 32 Ampere Steckdose in der Garage ,11 KW reichen.
Aber die Mieter die draussen parken ?

Das Thema Lastverteilung scheint schon länger beim Gesetzgeber bekannt zu sein. Da ist man also ausnahmsweise einmal sehr früh dran. Das aktuelle Förderprogramm für Wallboxen zeigt das. Es werden nur Modelle gefördert, die entsprechend steuerbar sind und eben nur 11 kW haben.

Ich glaube allerdings nicht, dass man energischer nachsteuern muss. Hier dürfte der Markt regeln. Mit der Anschaffung eines Elektroautos wird der Blick plötzlich auf das Thema Strom gelenkt. Da kommt plötzlich das Thema Anschaffung einer PV Anlage auf dem Tisch, dabei hilft, dass die Preise insbesondere für Speicher im freien Fall sind. Zudem gibt es bereits Anbieter, die variable Preise haben wie aWATTar oder Tibber und die haben einen richtigen Hype.

Da muss man also sagen: Problem erkannt, Problem (schon fast) gebannt.

P.S.: Das Thema Laternenparker, das bei jeder Debatte um die Versorgung von Elektromobilität auf den Tisch kommt, ist aktuell nicht in Priorität. Solange immer noch 98 % der Besitzer von geeigneten Grundstücken kein Elektroauto mit Wallbox besitzen, ist es nicht Priorität sich aufwändig um die anderen zu kümmern. Die Ideen dazu gibt es ja, von Laternen über Parkuhren bis zu mobilen Robotern. Nur wird das teuer werden. Eine Nacht an so einer Ladeeinrichtung muss 30€ bringen. Und die grundgeizige Klientel glaubt ja ernsthaft, ein Recht darauf zu haben, wenn nicht gratis, dann für 30c/kWh die Energie für die 35 km Pendlerweg am nächsten Tag aufnehmen zu dürfen und trotzdem die Ladesäule von 18 Uhr bis 07 Uhr am nächsten Tag zum Parken blockieren zu dürfen. Daher reißt sich niemand darum, hier sein Geschäftsfeld aufzumachen. Ich vermute eher, das wird auch nie der Fall sein und mittelfristig werden diese Autos bei Lidl und Aldi an CCS während des Einkaufs aufgeladen und man zahlt an der Kasse.

Oh, die armen Netzbetreiber. Die kassieren jetzt mehr Geld fürs Durchleiten von Strom weil mehr Stromverbraucht wird und müssen jetzt tatsächlich die Infrastruktur verbessern. (Ich rede nicht von Schnellladern aber die will eh keiner Privat)

Wo kommen wir den dahin als nächstes kommt man drauf, dass in einem Supermarkt mehr Kassen zum Besetzen sind wenn viele Kunden da sind.

Die Netzbetreiber verdienen viel Geld durch die bessere Auslastung ihrer Netze. Ein Großteil der E Autos können zu Zeiten geladen werden, wo Ihr Verbrauch in keiner Konkurrenz steht. Wenn nur ein Bruchteil des Geldes an die Kunden weitergegeben wird werden diese mitziehen.

Smarte Lösungen werden kommen hierfür braucht es keine allgemeine Vereinheitlichung. Es gibt so viele Lösungen die bereits problemlos funktionieren und kombinierbar sind.

Und ich sage es nochmal: V2G ist hier ein Teil der Lösung. Mein Auto steht tagsüber überwiegend zu Hause und ich hätte kein Problem abends zu Peakzeiten einen gewissen Prozentsatz von dem was ich Tagsüber durch die PV geladen habe zurückzugeben (oder selbst zu verbrauchen und dadurch das Netz zu entlasten). Das trifft sicherlich nicht auf alle zu, aber die Möglichkeit zu haben wäre ein Anfang. Irgendwann merken die meisten wohl auch dass das Auto nicht immer auf 100% sein muss “falls man plötzlich mal los muss”…

Nissan, EON, Imperial College rechnen in UK vor: ein V2G genutzter Stellplatz spart dem Netzbetreiber 12.000€ im Jahr, 60t CO2, bringt dem Autobesitzer 700-1300€/a, stabilisiert das Netz….
In innovationsfeindlichen Ländern wird das für Städte leider kein Geschäftsmodell, die begnügen sich mit 60€ Anwohnerparken pro Jahr, muss man sich nicht einlesen…..

Wenn man bei stark ansteigender E-Mobilität , was ansich eine tolle Sache ist nicht ständig Kraftwerke vom Netz genommen würden wäre das durchaus hilfreich.
Da E-Autos einen weitaus höheren Wirkungsgrad als Verbrenner haben ist es der Umwelt auch von nutzen wenn man nicht deren Stromversorgung killt.
Dieser hysterische Aktionismus führt in Bälde durch eine blödsinnig unnötig herbeigeführte
Energieknappheit zu einem schwerwiegenden Standortnachteil für ein Industrieland wie Deutschland.
Wir sind mal wieder die Lachnummer der Welt mit unserem Fanatismus.
Ein dermassen dummes Regime das sich selbst den Strom abdreht gibt es kein zweites mal auf der Welt.
Und dem [von der Redaktion entfernt] Altmaier der öffentlich erzählt dass ein dauerhaftes Abschalten
vieler Wirtschaftszweige keinen einzigen Arbeitsplatz kostet glaube ich nicht mal die Uhrzeit.

Diese News könnten dich auch interessieren:

Geely stellt Lifestyle-Marke Radar mit RD6 Pick-Up vor
Retro-Flitzer Renault 5 Turbo 3E: Zum Driften geboren
BMW könnte, will aber keine E-Autos mit mehr als 1000 km Reichweite bauen

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).