Wie Volvo den Service für Elektroautos schult

Volvo Hochvolt-Training „Fit for Electric“

Copyright Abbildung(en): Volvo

Die Elektro-Offensive von Volvo Cars prägt und verändert das Unternehmen entscheidend: Ab 2030 wollen die Schweden ausschließlich vollelektrisch angetriebene Modelle verkaufen. Diese Transformation bestimme zunehmend auch den Alltag der Vertriebs- und Servicepartner, so Volvo in einer aktuellen Mitteilung. Ihre Kompetenz – als erste Ansprechpartner für Interessenten und Kunden – sei ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Erfolgs. Ganz besonderen Herausforderungen stehen die Spezialisten in den Werkstätten gegenüber: Die Arbeiten an den Hochvolt-Batterien elektrifizierter Fahrzeuge machen nicht nur völlig neue Fachkenntnisse erforderlich, sie sind auch mit höheren Gefahren verbunden und unterliegen deshalb höchsten Sicherheitsstandards.

Einen zweistelligen Millionenbetrag hat Volvo Car Germany in den beiden letzten Jahren in seinen zweiten deutschen Standort im hessischen Dietzenbach investiert, auch um die Voraussetzungen für ein hochqualifiziertes Training auf ein neues Niveau zu heben. Seit 2012 werden dort Werkstattmitarbeiter der Volvo Partner für die Arbeit an und in der Batterie von elektrifizierten Modellen ausgebildet – mit der Markteinführung des vollelektrischen Volvo XC40 Recharge Pure Electric zu Jahresbeginn 2021 wurde hinsichtlich der Anforderungen ein neues Kapitel der Kompetenzentwicklung aufgeschlagen.

Sicherheit steht an erster Stelle

Die Arbeit an Plug-in-Hybrid- und Elektro-Fahrzeugen erfordert qualifizierte Fachkräfte, die sich mit Fahrzeugtechnik auskennen und insbesondere umfangreiches Wissen im Bereich Hochvolt erworben haben. Besondere Vorsicht ist vor allem bei allen orangefarbenen Leitungen und Fahrzeugteilen geboten – schließlich liegt an der Batterie eines E-Autos eine Gleichspannung von 400 Volt an. Schon 50 Volt genügen, um einen lebensgefährlichen Strom fließen zu lassen. Ohne persönliche Schutzausrüstung mit isolierten, bis zu 1000-Volt absorbierenden Handschuhen, Gesichtsvisier mit Störlichtbogenschutz, Schuhen mit antistatischer Brandsohle sowie schwerentflammbarer Kleidung darf kein Mitarbeiter an den extra abgesperrten Hochvolt-Arbeitsplatz – auffällige gelb-schwarze Schilder warnen zusätzlich. Für den Notfall liegt hier zudem ein Kunststoff-Ziehhaken bereit, um eine im Falle eines elektrischen Schlages am Boden liegende Person von der Batterie wegziehen zu können.

Sicherheit steht bei Volvo immer an erster Stelle. Aus diesem Grund legen wir großen Wert auf ein modulares und zukunftweisendes Hochvolt-Training, das die Werkstattmitarbeiter auf höchstem Niveau qualifiziert bevor sie an den elektrifizierten Volvo Modellen arbeiten – Fehler können hier dramatische Folgen haben. Dafür müssen auch die Unternehmer sensibilisiert und mit in die Pflicht genommen werden“, sagt Martina Maletz, verantwortlich für die Kompetenzentwicklung bei Volvo Car Germany.

Volvo Hochvolt-Training „Fit for Electric“
Volvo

Deswegen unterstützt Volvo seine Partner nicht nur bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, sondern auch den Unternehmer selbst hinsichtlich seiner Verantwortung für einen sicheren Betrieb. Volvo will seiner Vorreiterrolle bei der Elektrifizierung damit auch im Service gerecht werden. Gefährdungsbeurteilung, Pflichtenübertragung, Unterweisungsnachweise: Das Volvo eigene Audit unterstützt den Unternehmer dabei, alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, die sich aus den verschiedensten Grundlagen ergeben. Dabei werden nicht nur die notwendigen Unterlagen überprüft, sondern auch der Hochvolt-Arbeitsplatz vor Ort.

Fit for Electric vernetzt alle Mitarbeiter im Autohaus

Das Trainingsangebot unter der Überschrift „Fit for Electric“ vernetzt – neben Werkstatt und Geschäftsleitung – auch weitere in regelmäßigem Kundenkontakt stehende Mitarbeiter in den Volvo Autohäusern mit dem Thema Elektromobilität: speziell Verkauf und Service-Beratung. „Die Elektromobilität ist noch immer erklärungsbedürftig, für die Kunden und die Mitarbeiter unserer Partner gleichermaßen. Da müssen unter Umständen noch Vorbehalte abgebaut und die Vorteile aufgezeigt werden“, sagt Martina Maletz. „Das ist aber die Zukunft und diese wollen wir ebenso erfolgreich gestalten, wie die Phase mit den Fahrzeugen, die von Verbrennungsmotoren angetrieben wurden. Den hohen Anforderungen in allen Bereichen unseres Geschäfts sind wir uns bewusst und wir wollen deshalb mit dem vernetzen Training einen starken Beitrag zur Volvo Elektro-Offensive leisten.“

Wenn die Arbeit an einem elektrifizierten Auto beginnt, geht es im ersten Schritt um eins: das Fahrzeug muss spannungsfrei geschaltet werden, unabhängig davon, ob an der Batterie gearbeitet wird oder Reifen gewechselt werden sollen. Dies darf rein gesetzlich nur ein so genannter Hochvolt-Fachkundiger übernehmen. Das modulare Hochvolt-Trainingsprogramm bei Volvo Car Germany schafft zum einen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Arbeit an Hochvolt-Fahrzeugen, schult zum anderen die Trainingsteilnehmer spezifisch auf die Volvo Modelle und darüber hinaus. Die digitale Hochvoltsprechstunde gibt den Hochvolt-Fachkundigen zusätzlich die Gelegenheit sich untereinander online auszutauschen und Fragen an das Volvo Trainerteam zu stellen, die sich im Werkstattalltag ergeben.

Wer darf was?

Die Zertifizierungen für Arbeiten an und im Energiespeicher erfolgt bei Volvo Car Germany in zwei Modulen, die sowohl digital als auch in Präsenz erfolgen. Das erste Training befähigt die Mitarbeiter, ein Hochvolt-Fahrzeug spannungsfrei zu schalten und eine Hochvolt-Batterie auszutauschen, im darauf aufbauenden Training geht es dann darum, Bauteile und Batteriemodule innerhalb der Hochvoltbatterie zu ersetzen. Dies wird dem umfassenden Nachhaltigkeitsanspruch von Volvo gerecht: so werden Ressourcen und Kosten gespart.

Laut der Statistik des aktuellen „Fit for Electric“ Trainingsangebotes haben bei Volvo gut 2500 Mitarbeiter in den letzten 15 Monaten die Schulungen durchlaufen. Dafür wurden 105 Webinare, 18 Online-Livesessions und 15 Präsenz-Trainings durchgeführt – jede Menge Arbeit also auch für die 41 Trainer, die sich in Zeiten der Corona-Pandemie erheblich umstellen mussten und selbst zusätzlich für den professionellen Umgang mit digitalen Medien für die Durchführung von Online-Schulungen zertifiziert wurden.

Quelle: Volvo – Pressemitteilung vom 12.07.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Sehr gut! Volvo macht anderen Herstellern vor, wie die Mitarbeiter geschult werden müssen, an E-Fahrzeugen. Leider machen viele Händler (des Geldes wegen?) nicht mit und schicken ihre Mitarbeiter nicht zu den Schulungen von Volvo selbst oder dem TÜV….Denn das kostet diese Händler Geld, welches erst später einmal wieder reinkommt!

Vieleicht sollte Frau Maletz nochmals eine Schulung in Sachen Ströme und Spannungen bekommen. Die vom VDE angegebene Grenze für NV ist bei 60VDC und es ist Fakt, dass die Spannung die gefährlichen Körperströme treibt!
Dass in Fahrzeugen hochgefährliche Technik verbaut und dann mit teurer Schulung angeblich sicher verbalisiert wird, läßt sich nur mit außerordentlicher Anmaßung und völliger Ignoranz der Physik beschreiben.
Aber schon läßt sich für den Betreiber wieder eine teure ‚Geldpumpe‘ kreieren. Dann kann nämlich kaum noch jemand das System warten ( was ja heute schon der Fall bei den ICE ist ).
Ich erwarte den Tag mit Spannung, wenn mindestens 30% aller Fahrzeuge HV – betrieben und in Unfälle verwickelt werden…

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