Was Alfa Romeo in Sachen Elektroautos plant

Was Alfa Romeo in Sachen Elektroautos plant

Copyright Abbildung(en): Hypercar / Shutterstock.com

Alfa Romeo will das Kürzel GTV für ein elektrisches, viertüriges Coupé-Flaggschiff wiederbeleben, als Teils des Plans, die Modellpalette umfassend zu überarbeiten. Im Fokus, ganz dem Zeitgeist entsprechend: die Elektromobilität, die bei den Italienern bislang kaum eine Rolle gespielt hat.

Der neue GTV gilt der britischen Autocar zufolge als technologisches Flaggschiff für das zukünftige Line-up der italienischen Sportwagenschmiede. Er ist aber nur eines von einer ganzen Reihe von neuen Modellen, die vom neuen CEO Jean-Philippe Imparato in Betracht gezogen werden, um nun auch bei Alfa Romeo die Elektrifizierung und die Einführung weiterer innovativer Schlüsseltechnologien voranzutreiben.

Bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen wird Alfa Romeo stark von der Fusion von FCA, der ehemaligen Muttergesellschaft, mit dem französischen PSA-Konzern zum weltweit viertgrößten Autohersteller Stellantis profitieren. Der Autocar zufolge schwanken die Alfa-Verantwortlichen beim GTV zwischen einem retro-inspirierten zweitürigen Coupé bis zu einem eher zeitgenössischen viertürigen Coupé.

Imparato hat ein Faible für Retro-Designs im Zusammenhang mit Elektromobilität: Während seiner Zeit bei Peugeot brachte er das viel bewunderte e-Legend-Konzept in Schwung, ein Elektro-Coupé im Muscle-Car-Design, das vom 504 Coupé inspiriert wurde. Peugeot schloss eine Serienversion des gewagten Fahrzeugs aus, weil sie kommerziell nicht rentabel wäre. Alfa Romeos gehobenere Position allerdings könnte ein Elektrocoupé zum Premium-Preis rechtfertigen.

Bei der Konkurrenz indes ist klar, auf wen der GTV abzielen soll: Sportliche Mittelklasse-Limousinen wie der demnächst erscheinende BMW i4 oder das schon seit 2016 erhältliche Tesla Model 3. Rein elektrisch soll die dritte GTV-Modellreihe allerdings nicht ins Portfolio wandern, neben reinen E-Modellen seien auch elektrifizierte Verbrennungsmotoren geplant.

Generalüberholung für das Alfa Romeo-Line-up

Alfa Romeo ist eine von insgesamt 14 Marken, die seit Januar unter dem Dach von Stellantis vereint sind. Gut acht Millionen Pkw pro Jahr setzt Stellantis ab und kann mit brandneuen Plattformen und elektrifizierten Antriebssträngen umfassende Synergieeffekte erzielen. Zuletzt hatte es bei Alfa stark gekriselt, die Verkaufszahlen sind in den vergangenen 20 Jahren von mehr als 200.000 auf nur noch knapp über 50.000 Stück gesunken. Imparato soll nun ein 49-köpfiges Team von Managern zusammengestellt haben, um die Wiederbelebung von Alfa Romeo zu steuern. Er geht davon aus, dass Alfa Romeo „das Potenzial hat, die globale Premiummarke von Stellantis zu sein“.

Die Erneuerung der Modellpalette ist auch dringend notwendig. Die beiden einzigen bestehenden Modelle, der Giulia und der SUV Stelvio, liegen bereits in der zweiten Hälfte ihrer geplanten Siebenjahreszyklen. Um wieder auf Wachstumskurs umzuschwenken, will Imparato eine ganze Reihe von neuen Hybrid- und rein elektrischen Modellen entwickeln lassen, inklusive Nachfolgern für Giulia und Stelvio.

Imparatos Pläne werden Autocar zufolge von Stellantis-Chef Carlos Tavares unterstützt, der bereits Investitionen in Alfa Romeo für das nächste Jahrzehnt zugesagt hat. Bis 2025 soll nur ein Alfa Romeo-Modell, der kommende Kompakt-SUV Tonale, noch auf einer von FCA entwickelten Plattform aufbauen. Der Rest soll auf einer von drei Pkw-Plattformen basieren, die ursprünglich von der PSA-Gruppe entwickelt und nun Alfa Romeo über Stellantis zur Verfügung gestellt werden. So hat Alfa einen unkomplizierten Zugang zu rein elektrischen Antriebssträngen für Fahrzeuge verschiedener Segmente.

Imparato hat Alejandro Mesonero-Romanos an der Spitze des Alfa Romeo-Designs platziert. Der 52-jährige Spanier ist vor allem für seine Arbeit bei Seat bekannt, wo er in den vergangenen Jahren unter anderem für die neuen Leon, Arona, Ateca und Tarraco verantwortlich war. Bei Seats Performance-Ableger zeichnete er die elegant-dynamischen Linien für die Modelle Born, Formentor und Tavascan.

Alfa Romeo werde unter Stellantis weiterhin eng mit der ebenfalls italienischen Sportwagenmarke Maserati zusammenarbeiten. Sie wollen demnach mehrere Bereiche ihrer Engineering- und Entwicklungsaktivitäten sowie Vertriebs- und Serviceaktivitäten bündeln, um ihre Präsenz in Schlüsselmärkten, einschließlich der USA und China, zu verbessern.

Neuer Einstiegs-SUV für 2023 geplant

Das erste Alfa Romeo-Modell, das unter der Führung von Imparato und Stellantis entsteht, wird der dritte SUV des Unternehmens sein, der intern als Brennero bekannt sei. Er soll ab Anfang 2023 zusammen mit Nachfolgemodellen des Fiat 500X und des Jeep Renegade in Polen hergestellt werden und den zukünftigen Einstiegspunkt in das Alfa Romeo-Portfolio bilden.

Der Brennero soll der erste rein elektrische Alfa werden und auf der von PSA entwickelten CMP-Plattform basieren, die in STLA Small umbenannt wurde und bereits einer breiten Palette an Modellen untersitzt, wie etwa dem Citroën C4, dem Peugeot 2008 und den Opel-Modellen Corsa und Mokka. Die Plattform kann mehrere Antriebsstränge beherbergen, und neben rein elektrischen auch Verbrennerantriebe unterstützen. Die Leistungsdaten der reinen Stromer dürften Kennern der PSA-Plattform bekannt vorkommen: 100 kW (136 PS), 50 kWh Akku und eine Reichweite von gut 320 Kilometern.

Alfa Romeo plant laut Autocar auch einige Modelle auf der größeren STLA Large-Plattform, auf der die Nachfolger von Giulia und Stelvio aufbauen sollen, welche als Mild-Hybrid, als Plug-in-Hybrid sowie rein elektrisch angetrieben werden können. Insidern zufolge sollen diese neuen Alfas um 2023 / 2024 erscheinen. Die Entwicklung eines rein elektrischen Antriebsstrangs für die neue Plattform ist in Zusammenarbeit mit dem japanischen Elektromotorspezialisten Nidec und dem französischen Batteriezellen- und Batterieproduktionsunternehmen Saft bereits gut im Gange. Stellantis zufolge soll die STLA Large-Plattform eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern ermöglichen. Das würde einer sportlichen Mittelklasse-Limousine wie dem GTV gut zu Gesicht stehen.

Kommen Spider und Mito wieder?

Der GTV soll aber nicht das einzige klassische Alfa Romeo-Modell sein, das für eine Wiederbelebung in Betracht gezogen werde. Imparato soll auch das legendäre zweisitzige Cabrio Spider, eingestellt im Jahr 2010, sowie den 2018 beerdigten Kleinwagen Mito wiederbeleben wollen. Auch hier wäre wie beim Brennero die STLA Small-Plattform der passende fahrbare Untersatz.

Quelle: Autocar – Alfa Romeo to revive GTV as an EV in sweeping range renewal

Über den Autor

Michael ist freier Autor und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Einer jener Markennamen der sang und klanglos mit den Verbrenner untergehen wird, in einigen Jahren wird man sich dann wieder daran erinnern und schon sind die fahrenden Rostschüsseln mit Elektronik aus dem Kinderbaukasten wieder ein Topprodukt.

Cleanwashing nennt sich sowas…

sag ich, da ich vom Alfasud ti, über einen V6 164er bis zur Giulietta alles mal besessen hab, hat lange gedauert aber die Erkenntnis kam dann doch.

Last edited 28 Tage zuvor by Martin Hofstetter

Eines muß man Alfa Romeo allerdings lassen – Design können sie wirklich!
Wenn die Qualität dann auch stimmt, wird das sicher ein Hingucker.
Da die Emotion beim Autokauf eine sehr große Rolle spielt bleibt es weiterhin spannend.

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