Warum das Ende von Verbrennerautos in Sicht ist

Warum das Ende von Verbrennerautos in Sicht ist

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Nach mehr als 125 Jahren ist das Ende von Autos mit fossilen Brennstoffen in Sicht: Denn eine stetig wachsende Zahl an Ländern, auf die zusammen satte 45 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes entfallen, hat bereits konkrete Zieltermine festgelegt, an denen der Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eingestellt wird. Ihnen schließen sich einige der größten Städte der Welt an, darunter London, Paris und Tokio, sowie US-Bundesstaaten wie das bevölkerungsreiche Kalifornien und Massachusetts.

Allein im vergangenen Jahr haben Länder mit jährlich insgesamt fast 30 Millionen Pkw-Verkäufen beschlossen, ihre Autoflotten zu dekarbonisieren. Großbritannien etwa, mit gut 2,3 Millionen Neuzulassungen pro Jahr der zweitgrößte Automarkt in Europa, untersagt ab 2030 den Verkauf von Verbrenner-Neufahrzeugen. Japan, mit gut 4,3 Millionen Neuzulassungen pro Jahr, begrenzt den Verbrennerverkauf ab 2035, ebenso Kalifornien, wo pro Jahr gut 2 Millionen neue Autos auf die Straße kommen. Auch der weltweit größte Markt für Neufahrzeuge, China, wo mit jährlich mehr als 21 Millionen Fahrzeugen gut 40 Prozent aller weltweit verkauften Neuwagen zugelassen werden, schreibt ab 2035 vor, dass die Hälfte aller Neuwagen vollelektrisch oder per Plug-in-Hybrid unterwegs sein müssen. Die andere Hälfte muss ebenfalls hybridisiert sein.

In einigen Fällen sind diese Richtlinien zwar noch nicht endgültig rechtskräftig – aber in Verbindung mit immer strengeren Emissionsvorschriften, dem Druck von Vermögensverwaltern und institutionellen Anlegern zu mehr Nachhaltigkeit sowie dem sich stark ändernden Verbrauchergeschmack sind emissionsfreie und emissionsarme Antriebe stark im Kommen.

Eine „bedeutsame Verschiebung in der Branche“

Eine im Spätherbst veröffentlichte Analyse von BloombergNEF geht davon aus, dass Elektrofahrzeuge in Großbritannien auch ohne ein Verbot von Verbrennungsmotoren und ohne andere Anreize im Jahr 2030 42 Prozent des Neuwagenabsatzes und im Jahr 2035 56 Prozent ausmachen würden – allein unter Berücksichtigung der aktuell herrschenden Marktkräfte. Einen „Dominoeffekt“ und eine „bedeutsame Verschiebung in der Branche“ sagt Peter Wells voraus, Professor für Wirtschaft und Nachhaltigkeit und Direktor des Zentrums für Forschung in der Automobilindustrie an der Cardiff University in Wales.

LMC Automotive, ein renommierter und weltweit führender Informationsdienstleister für die Fahrzeugindustrie, hat zuletzt seine Prognose für das Ende von Benzin- und Dieselantrieben in Europa um fünf Jahre auf 2030 vorgezogen. LMC geht dem Analysten Al Bedwell zufolge davon aus, dass nach diesem Datum fast alle Autos, die noch einen Verbrennungsmotor an Bord haben, Vollhybride oder Plug-in-Hybride sein werden, mit einigen milden 48-Volt-Hybriden als Ausnahme. Bis 2035 werden demnach neben vollelektrischen Fahrzeugen nur mehr Plug-in-Hybride auf dem Markt sein. Möglicherweise sei dann bis 2040 die vollständige Elektrifizierung erreicht.

Horst Schneider von der Bank of America sagt Plug-in-Hybriden eine noch kürzere Lebensdauer voraus: „Ich gehe davon aus, dass die Gesetzgeber die allgemein vorteilhafte Behandlung von Plug-in-Hybriden strenger formulieren und möglicherweise eine Mindestreichweite von 100 km vorschreiben“, sagte er gegenüber Automotive News Europe. Dies werde die Teilzeitstromer „aus Kostengründen weniger attraktiv machen als vollelektrische Fahrzeuge.“ Ein langfristiges Überleben von Plug-in-Hybriden sieht Schneider nicht.

Autohersteller und Zulieferer reagieren

Autohersteller reagieren bereits mit der Einführung vieler neuer Elektroauto-Modelle sowie mit der Einstellung von Investitionen in neue Antriebe mit fossilen Brennstoffe. Einige, wie Bentley und Volvo, planen gar bereits eine rein elektrische Zukunft. Andere Hersteller verlagern die Produktion von Verbrennungsmotoren an Partner und Zulieferer oder in Fabriken außerhalb ihrer Heimatländer. Gleichzeitig sind fast alle Autohersteller besorgt darüber, ihre Margen in einer Welt nur mit Elektrofahrzeugen zu erhalten – und untersuchen deshalb neue Einnahmequellen, z.B. auf Basis von Daten und damit verbundenen Diensten.

Europas größte Zulieferer spüren den Wandel ebenfalls und versuchen, ihre Geschäftsmodelle von herkömmlichen Komponenten auf Software und Computer umzustellen. Kleinere Zulieferer, die sich auf Motor- oder Getriebekomponenten spezialisiert haben, machen sich auf das Schlimmste gefasst, da sie aufgrund der geringeren Komplexität des Antriebs eines batterieelektrischen Fahrzeugs einem schrumpfenden Gesamtmarkt gegenüberstehen. „Viele Zulieferer, die Komponenten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor liefern, können einer erheblichen Bedrohung ausgesetzt sein, wenn sie sich nicht anpassen“, teilte das Beratungsunternehmen PwC in einem Bericht Ende 2019 mit. PwC zufolge können Zulieferer in einem Elektroauto gut 35 bis 40 Prozent der Komponenten liefern, verglichen mit 50 bis 55 Prozent bei einen Verbrennerauto.

Quelle: Automotive News Europe – EV-only future looks closer than ever in Europa

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Sollten die ersten Aktivitäten Teslas hierzulande (Fahrzeug- und Zellfertigung in Grünheide), anschließender Verwaltung von regenerativer Energie in ganz Deutschland durch Tesla im Keim erstickt werden, haben wir Alle in wenigen Jahren ein Problem, das sich heute kaum Jemand vorstellen kann. Bis Ende 2021 kann an jedem Punkt auf diesem Planeten auf schnelles Internet von Starlink zugegriffen werden, wärend wir im 5G-Zeitalter mitten in der Verkabelung per Glasfaser stecken – hey Kollegen, aufwachen, das Vererbte aus dem letzten Jahrhundert reicht nicht ewig !

Die Dekarbonisierung fängt bei der Einsicht der Bürger und der Unterstützung des Wandels zu einem besseren umweltgerechteren Leben an, und nimmt dann im Dominoeffekt ihren Lauf. Dank aller, welche sich seit Jahrzehnten für diesen Wandel einsetzten und viel Überzeugungskraft investierten, weg von den endlichen fossilen Energieträgern zu kommen, trägt dieses Engagement langsam Früchte. Gerade jetzt zu den Pandemiezeiten lässt sich der schädliche Einfluss von Abgasen auf die Umwelt und die Wetterverhältnisse am besten erspüren. Es muss ein Umdenken passieren, welches nicht immer wieder in die Zukunft geschoben wird, und es muss ein Umdenken sein, welches von den Beteiligten, insbesondere von den Herstellern, aufgegriffen werden muss und nachhaltig ist. Den Wandel zu umweltverträglichen Fahrzeugen, welche maßgeblich für die Umweltverschmutzung verantwortlich sind, verdanken wir insbesondere politischen Engagement durch z.B. die EU-CO2-Vorgaben, und einige Entrepreneure, welche mit ihrer Philosophie die Welt ändern wollen. Durch den Zwang der Industrie die CO2-Vorgaben einzuhalten gibt es im Bereich der BEV mittlerweile ein umfangreiches Angebot, welches auch den letzten Zweifler an denTod des Verbrenners glauben lassen sollte. Leider gibt es dabei auch die fehlgeleiteten PHEVs, welche die letzte Fahne der Verbrenner hochhalten wollen, Dank der Subventionen für Fahrzeugkauf und dessen fossilen Energieträgern, damit der Berufswandel sozialverträglich erfolgt.
Was uns in Deutschland fehlt ist ein verbindliches Ausstiegsdatum, welches vielleicht in Anbetracht vieler Länder auf der Welt, wo so ein Datum bereits existiert, gar nicht mehr notwendig ist.
Der Dominoeffekt des Wandels hat in 2020 begonnen und beginnt gerade an Fahrt zu gewinnen. Als nächstes wird es der schlechte Wiederverkauf von Benzin- und Dieselfahrzeugen sein, welcher mit dieser Entwicklung entsprechend schnell einhergehen wird. Ab 2025 werden mehr als 50% der Fahrzeuge elektrisch fahren.
Dann wird es zu einem massiven Sterben der Tankstellen kommen.
Am Ende des Jahrzehnts werden Tankstellen bereits stark zurückgehen, in einigen Nachbarstaaten werden diese bereits am Aussterben sein.
Danach werden all diejenigen geächtet, welche noch mit ihrem fossilen Verbrenner die Umwelt schädigen, oder sogar vom Betreten von Städten ausgeschlossen. Verbrennerfahrzeuge werden unverkäuflich sein.

Ich denke, es geht nicht mehr darum, ob sich das Elektroauto durchsetzt. Sondern die Frage ist, wann es keine neuen Verbrenner mehr zu kaufen gibt. Audi hat jüngst erklärt, dass der Verkauf von A4, A6 und A8 vor 2030 endgültig eingestellt wird. Mercedes hat bei den Dieselmotoren schon länger einen Entwicklungsstop verhängt und die Abteilung geschlossen. Der Golf VIII wird der letzte Golf sein. Wir haben 2021, in wenigen Jahren wird es also von den deutschen Herstellern keine Verbrenner mehr geben. Ich wundere mich, dass z.B. die Nachricht von Audichef persönlich kaum Echo fand und hier stattdessen die Prognosen von Schlaumeier-Instituten kolportiert werden.

Mit Tesla hat das alles gar nichts zu tun. Die müssen lernen, dass ein Elektroauto nicht Disruption, sondern klassischer Automobilbau und klassischer Automobilvertrieb ist. Die traurige MCU-Thematik zeigt ihnen, dass nicht einmal klassische Softwarethemen stets ota zu lösen sind. Am Ende werden sie zum Nischenhersteller. Wie sie es in Deutschland mit nur 9% Marktanteil unter den Elektroautos schon sind. Und es wird schlimmer: Wer soll im Ernst für 59.600€ ein Model Y bestellen, wenn der ID.4 mit gleicher Reichweite 44.500€ kostet und der Enyaq bei 33.800€ startet? Und der ID.3 schon für 189€ verleased wird. Da wird Tesla die Preise senken müssen und das werden sie auch tun. Daher bestellt jetzt niemand….und später wenige.

Wird spannend für alle, die ein Zugfahrzeug brauchen oder mit einem Wohnmobil unterwegs sein wollen. Hier wäre ein Batterieeinbau aufgrund des höchstmöglichen Gesamtgewichts von 3,5 t nur mit einer gleichzeitigen Änderung des Führerscheingesetzes möglich…

Gleichzeitig sind fast alle Autohersteller besorgt darüber, ihre Margen in einer Welt nur mit Elektrofahrzeugen zu erhalten – und untersuchen deshalb neue Einnahmequellen, z.B. auf Basis von Daten und damit verbundenen Diensten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Zukunft viele E-Kompaktautos für unter 20.000 Euro zu kaufen gibt, allerdings mit einem 2-Jahres-Datenabliefervertrag, aber ohne Subventionen, dafür mit einem Dutzend von Diensten, die es gleich mit dazu gibt und die dann mühsam abgewählt bzw. gekündigt werden müssen.

Man sollte auch ehrlich sagen, das der Trend zu E-Autos überwiegend in Europa passiert.passiert. In ganz Europa? Nein, Nur in einigen Ländern. Die meisten Länder auf de Welt werden weiter mit Benzin und Diesel fahren….auch wenn wir es nicht wollen!

hoffentlich vergessen die hersteller nicht, dass es leute gibt die „Freude am Fahren“ haben. Wenn ich gefahren werden will, ruf ich ein Taxi!
Der ganze autonome spleen macht die autos nur schwerer, sprich weniger effizient. Und dann bitte auch die pendler nicht vergessen. ich brauche keinen 4-sitzer/4-türer.
autos typ id3/4 gibts zu hauf. was ist mit kleineren? den honda e bin ich probe gefahren – licht und schatten.
gäbe es den als pure, mit reduziertem verbrauch (ohne autonomes fahren schnickschnack brauch ich nicht extras) dann wäre das ein kandidat. aber real nicht mal 200km zu schaffen – im Sommer!!! – no go. übrigens, einfache strecke arbeit 63km. weil immer von 40km /tag gesprochen wird lol…

So wird es wohl kommen, auch wenn wir heute noch nicht wissen wie lange es dauert. Am Ende wird es immer Länder geben die der Entwicklung hinterher laufen, das ist nicht zu ändern. Die großen Industrieländer geben die Richtung vor und haben sich für einen Technologiewechsel entschieden, schon weil der Wirkungsgrad besser ist. Das ändern E-Fuell nicht im Ansatz, hier wird der Wirkungsgrad noch schlechter, da wir dann ein schlechtes Antriebssystem auch noch mit einem sehr energieaufwendigem Kraftstoff betreiben. Das wird auch ein Hybride nicht ändern können, es sei denn dieser ist sehr mache am E-Antrieb und dann ist es am Ende der Preis, der ein entscheidender Faktor ist.

Liebe Fans, der größte Automarkt ist Cina. 4 von 10 dt. Pkws werden dort verkauft. China hat die Emissionen durch BEVs gesenkt, der z. Z. schnellste Weg dort. Die Mobilitätsstrategie ist aber neuerdings eine andere. Das hat man hier im BEV-Fachforum vor lauter Begeisterung glattweg übersehen. Ja, BEVs sind ein Bestandteil der zukünftigen Mobilität, aber einer, der bald nur noch eine geringe Rolle spielen wird,denn Batterien sind begrenzte Energieträger. Die Zukunft sind Efuels und Wasserstoff. Wenn das hier nicht bald erkannt wird, verlieren wir einen ganzen Industriezweige nach Asien.

Wenn erstmal ein gewisser Kipp-Punkt erreicht ist – also beispielsweise die ersten Tankstellen zumachen, weil zuwenig Nachfrage da ist, oder es bereits soviele E-Autos gibt, dass Regierungen es sich erlauben können, die urbane Zufahrt von Verbrennern stark zu reglementieren – wird Fossil-fahren so unbequem werden, dass schlussendlich auch der letzte Petrolhead kleinlaut auf Strom umsteigen wird. Denn was wäre die Alternative? Mit der geliebten Knatterkiste nur noch übers Land fahren zu dürfen, immer in der Angst von einer Apotheke zur nächsten zu kommen um für 5€/Liter den begehrten Saft zu erstehen?

Mit meinem Diesel kann ich 10 Jahre und 150.000km zurücklegen und habe die selbe Menge Schadstoffe in die Umwelt geblasen wie ein aktuelles Elektrofahrzeug an Tag 1 ohne jeden gefahrenen Kilometer – da sollte auch mal drüber nachgedacht werden – auch was mit den ganzen Batterien nach deren Lebenszeit passieren soll…

Ich stimme zu, für die große Masse braucht es bald kein Verbot mehr, weil die Stinker einfach kaum noch einer wird wollen wollen (oder so). Aber einen Vorteil hätte es: die AMG Poser mit Knatterakustik wären vielleicht zu meinen Lebzeiten noch Geschichte 😛

…ein Forum z.T.überheblicher Spinner! Nostradamus lässt grüßen…

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