Vorstandschef Denner: „Bosch ist Gewinner der Elektrifizierung“

Vorstandschef Denner: "Bosch ist Gewinner der Elektrifizierung"

Copyright Abbildung(en): Bosch

Bei der Vorlage des Geschäftsberichts für 2020 hat Vorstandschef Dr. Volkmar Denner den Technologie-Konzern Bosch als „Gewinner der Elektrifizierung“ bezeichnet. In der Antriebstechnik etabliere sich die E-Mobilität als Kerngeschäft, geht aus einer Mitteilung hervor. Dafür habe das Unternehmen insgesamt bereits fünf Milliarden Euro aufgewendet – 700 Millionen Euro davon im vergangenen Jahr.

Derzeit wachse der Umsatz für elektrische Antriebskomponenten von Bosch mit nahezu 40 Prozent doppelt so stark wie der Markt. „Die Elektromobilität ist längst keine Wette mehr auf die Zukunft„, so Denner auf einer Online-Pressekonferenz. „Wir verdienen die Vorleistungen zurück.“ Insgesamt habe der Konzern bis Ende 2020 bereits ein Auftragsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro akquiriert.

Bosch-Finanzchef Dr. Stefan Asenkerschbaumer zeigte sich zuversichtlich für 2021, erwartet jedoch erneut ein anspruchsvolles Jahr. So seien etwa die Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe schwer abzuschätzen. „Das Jahr 2021 wird zum wichtigen Meilenstein auf dem Weg, unsere Zielrendite von rund sieben Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder zu erreichen„, sagte er.

Bosch wolle seinen Wettbewerbsvorsprung durch vielseitige Erfahrungen in der Kombination von Vernetzung (IoT) und künstlicher Intelligenz (AI) für künftiges Geschäft nutzen und zum führenden AIoT-Unternehmen werden, heißt es. Im Bereich der Videosicherheit würden etwa die auf neuronalen Netzen basierende Analysen neue Möglichkeiten eröffnen. Erste Anwendung ist nach Unternehmensangaben ein „Traffic Detector“. Er soll Fahrzeuge in verkehrsreichen Situationen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen präzise erkennen und lokalisieren.

Auch beim Wasserstoff setzt Bosch auf einen stark steigenden Wachstumsmarkt. Bis 2024 will Bosch daher insgesamt eine Milliarde Euro in die Brennstoffzellen-Technologie investieren. Schon für dieses Jahr sei der Betrieb von 100 stationären Anlagen für Rechenzentren, Industriebetriebe oder Wohnquartiere vorgesehen, so Denner. Bei mobilen Brennstoffzellen-Komponenten gebe es ein Joint Venture mit der chinesischen Qingling Motor Group. Noch in diesem Jahr soll eine Testflotte mit 70 Trucks über die Straßen rollen.

Kritik äußerte Denner an ersten Plänen der EU für die Abgasnorm Euro 7. Ein CO₂-neutraler Straßenverkehr lasse sich mit E-Mobilität und grünem Ladestrom erreichen, aber auch mit regenerativen Kraftstoffen. „Für den Klimaschutz kommt es nicht auf das Ende des Verbrenners an, sondern auf das Ende des fossilen Treibstoffs.“ Anstatt nur das große Ziel vorzugeben und den Ingenieuren die konkrete Entwicklung zu überlassen, mache die EU-Kommission es umgekehrt. Denner: „Wer Klimaschutz wirklich will, darf Technologiepfade nicht gegeneinander ausspielen – er muss sie kombinieren.

Quelle: Bosch – Pressemitteilung vom 22. April 2021

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Schon lustig, vor nicht zu langer Zeit hat man das E-Auto bei Bosch als nicht ausgereift bezeichnet und schlechtgeredet. Wenn dann die Zeit weitergeht und die Entwicklung wohin es geht klar ersichtlich ist, behauptet man eben das Gegenteil – who cares?

Ambivalenz² bei Bosch. Stetig heult man rum, dass doch der saubere Verbrenner noch lang hoch leben solle dann hört man wieder Bosch sei der größte Gewinner der E-Mobilität. Das passt irgendwie nicht zusammen. Ich vermute man verwechselt bei Bosch mal wieder Wünsche mit Realität. Ansonsten kann ich es nicht verstehen warum man noch so kritisch den Stromern gegenüber ist.

Last edited 7 Monate zuvor by Musicman

Es ist eher zum Heulen, wie ein Deutscher Autozulieferer mit „der Elektrokompetenz überhaupt“ die Elektromobilität bewusst verschlafen hat.

Statt mit Volldampf auf Elektromobilität zu setzten, sieht man zu wie andere z. B. Conti auf E-Mobilität schwenken aber selbst lieber auf Verbrenner und Wasserstoff setzt.

Warum hat die MEB Plattform von VW kaum Komponenten von Bosch? Die eigentlich wirklich Ahnung von Autoelektronik hatten.

Eigentlich hätte Bosch schon vor Jahren in die Batterizellproduktion einstegen müssten. Stattdessen werden Produktionskapazitäten für Brennstoffzellen aufgebaut und der Verbrenner noch lange nicht tot geredet. Wo sollen die eingesetzt werden?

Sorry, so ein Missmanagement wie bei Bosch habe ich selten gesehen. Ich drücke der Belegschaft nur die Daumen, das der Umstieg trotzdem noch irgendwie geschafft wird. Führungsposition in der E-Mobilität und autonomes Fahren werden sie definitiv nicht mehr erreichen.

Klingt alles eigentlich ganz gut, bis auf den letzten Absatz. Bosch ist ja nun schon immer breit aufgestellt. Wenn halt die Verbrennerkomponenten weg fallen, nutzen sie ihr Kompetenzen und E-Motoren, Elektronik usw. Ein keiner Zulieferer der z. B. auf Getriebe spezialisiert ist, kann das nicht. Da wird es echt „spannend“ wie solche Betriebe die Kurve kriegen.
Aber was er da am Ende wieder erzählen will… Keine Ahnung. Bei den Herstellern selber hat sie mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass das BEV die Zukunft ist. Fast alle haben Pläne den Verbrenner auslaufen zu lassen. Wie es der Audi-Chef ausgedrückthst: synthetische Kraftstoffe sind energetisch kompletter Unsinn. Sie werden im PKW nur für die Bestandsflotte (die heute herum fahrenden Verbrenner fahren ja noch ne Weile) eine Rolle spielen. Neuwagen werden in 10-15 Jahren nur noch elektrisch sei. Im Flugverkehr zum Beispiel sieht das natürlich ganz anders aus. Da werden synthetische Kraftstoffe gebraucht. Von daher macht es schon Sinn daran zu forschen und das voran zu treiben. Aber im PKW ist die Messe praktisch gelesen.

Selbst das mit dem synthetischen Kraftstoffen für die bestehende Flotte sehe ich kritisch. Wer möchte denn Produktionskapazitäten für etwas aufbauen, was in absehbarer Zeit ausläuft?

Im Flugverkehr könnte das zu einer Preissteigerung führen, die den ganzen Sektor mal auf ein vernünftiges Maß zurechtstutzt.

Farnsworth

Bosch macht wohl einiges Richtig. Beim Abgasbetrug an vorderster Front hätte man Bosch zumindest wegen Beihilfe zum Betrug verurteilen und bestrafen müssen. Bosch verhält sich wie ein Waffenhersteller. Die haben die Pistolen gebaut, aber geschossen haben die Anderen.
Das verdiente Geld mit manipulierten Steuergeräten kann man jetzt nutzen um mit Dingen Geld zu verdienen, die man noch vor wenigen Monaten als unnötig und nicht maktfähig bezeichnet hat.

Hallo zusammen…
Herr Denner hat Recht!
wenn das große Ziel CO2 Reduktion ist, dann ist es doch egal wie das erreicht wird. Die bessere Technologie wird sich in ihrem Bereich durchsetzen.
Vielleicht synthetische Kraftstoffe beim Fliegen und für die Bestandsflotte, batterieelektrisch für PKW, Brennstoffzelle für LKW und Wasserstoff zum verbrennen in der Hausheizung… lasst das bessere System gewinnen…
…. den die Grünen wären 1835 gegen den Zug (Adler Nürnberg Fürth) demonstrieren gegangen und heute ist für sie das alleinige Wundermittel…
… also ganz entspannt… die Technologien sind da! lasst sie uns nutzen!

Last edited 7 Monate zuvor by tschick

Nee, er hat nicht Recht, denn er spricht für den Automotive-Bereich. Und dort hat Wasserstoff jetzt schon verloren. Außerdem hat er nicht recht, wenn er von E-Fuels im Automotive spricht. Auch die Technologie wird nicht mehr kommen. Hier auf andere Branchen abzulenken ist allzu durchschaubar, ebenso wie Dein unsachliches, pathologisches Grünen-Bashing.

Auch etwas ungeschickt empfinde ich Denners Versuch, die Schuld an seinen eigenen Fehlentscheidungen der EU in die Schuhe zu schieben. Als ob „die EU“ den Bosch-Ingenieuren vorschreiben würde, was sie zu entwickeln hätten. Auf so etwas fallen doch nur Vorschulkinder rein.

Er ist wohl einer der letzten in der Branche, die noch nicht bemerkt haben dass der Propagandabegriff „Technologieneutralität“ schon letztes Jahr leise verstorben ist.

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