Volkswagen setzt MEB-Elektro-Antrieb in Yachten ein

Volkswagen-MEB-Yacht-Silent-55

Copyright Abbildung(en): Volkswagen

Volkswagen bringt seinen eigentlich für Autos entwickelten Modularen E-Antriebs-Baukasten MEB auf das Wasser und kooperiert dafür mit Silent-Yachts, einem Vorreiter für solarelektrisch angetriebene Yachten. Auch Cupra, der sportliche Ableger von VW-Tochter Seat, ist am Projekt beteiligt. Mit dem MEB hat der Volkswagen Konzern für seine Marken eine gemeinsame Plattform für die Elektromobilität entwickelt. Der MEB macht die Produktion von Elektroautos auf lange Sicht effizienter und kostengünstiger. Gleichzeitig hat Volkswagen seine neue Plattform als Industrielösung für andere Hersteller geöffnet und strebt dabei auch nach Kooperationen in anderen Branchen.

Wie nun im Schiffsbau: Hier kooperiert der Volkswagen Konzern zukünftig mit Silent-Yachts, einem Hersteller und Vorreiter von solarelektrisch angetriebenen Katamaranen. Die im Artikelbild zu sehende Silent 55 ist beispielsweise in der Lage, 160 Kilometer pro Tag lediglich mit Sonnenenergie zurückzulegen.

Die Idee zur Zusammenarbeit entstand bereits im Jahr 2019 im Rahmen eines Intrapreneurship-Programms des Innovationsfonds II innerhalb des Volkswagen Konzerns. Es bietet allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, eine eigene Geschäftsidee bei Volkswagen umzusetzen. Die innovativsten Geschäftsmodelle werden gefördert, damit neuartige Ideen das bisherige Dienstleistungs- und Produktportfolio erweitern können, so Volkswagen in einer aktuellen Mitteilung. Dabei wird auf Basis eines Businessplans innerhalb von zwölf Wochen ein Prototyp aufgebaut, mit Kunden getestet und weiterentwickelt. Abschließend wird der Businessplan validiert.

Hier wurde Volkswagen auf Silent-Yachts als Unternehmen aufmerksam, das sich als Anbieter von solarelektrisch angetriebenen Yachten seit 15 Jahren dem Thema CO2-Neutralität verschrieben hat. Die Firma mit Sitz in Österreich beschäftigt etwa 400 Mitarbeiter, unter anderem in Produktionswerften in Italien, China und Thailand. Allein die Silent-Yachts-Gründer Heike und Michael Köhler haben mehr als 8000 Tage an Bord verbracht und insgesamt mehr als 75.000 Seemeilen rund um die Welt zurückgelegt. Nachdem sie 23 Jahre lang auf Motor- und Segelbooten die Ozeane überquert hatten, waren sich beide einig, dass es einen besseren Weg für die Energieversorgung und den Antrieb von Yachten geben muss.

Erste ausschließlich mit Solarenergie betriebene Hochseeyacht

Von 2005 bis 2009 verglichen sie alternative Energiequellen auf Yachten. Nach vier Jahren kontinuierlicher Forschung führte dies 2009 zur Geburt der Solarwave 46. Sie war die erste Hochseeyacht, die ausschließlich Sonnenenergie nicht nur für den eigentlichen Antrieb, sondern auch zur Energieversorgung aller Geräte an Bord nutzte. In rund zehn Jahren hat das Unternehmen ein Dutzend solarbetriebene Katamarane mit einer Länge von 13 bis 24 Metern ausgeliefert, darunter die Silent 55, Silent 60, Silent 80 und 80 3-Deck.

Nun setzt Silent-Yachts auf den MEB von Volkswagen. Weil die Plattform millionenfach in Elektroautos des Volkswagen Konzerns verbaut wird, ergeben sich Skaleneffekte – die Yacht kann günstiger produziert werden. Außerdem werden Unterhalt und Wartung gegenüber einer herkömmlichen Yacht gesenkt, da das elektrische Antriebssystem weniger reparaturanfällig ist als herkömmliche Motoren.

Aus Sicht von Silent-Yacht eine nachvollziehbare Entscheidung – aber warum engagiert sich Volkswagen nun im Yachtbau? Damit möchte der Konzern laut eigener Aussage die Begeisterung für die Elektromobilität weiter steigern, die technologischen Stärken seiner Plattform unter Beweis stellen und zeigen, dass auch auf hoher See Fahrspaß, große Reichweiten, ruhiges Cruisen und saubere Mobilität möglich sind.

Denn der MEB-Antriebsstrang ist nicht nur leistungsstark, leise und vibrationsarm. Die mit Ökostrom hergestellten MEB-Batterien verbessern auch die CO2-Bilanz des gesamten Fortbewegungsmittels, teilt VW mit. Bei allen Silent-Yachts Modellen stehe für Notfälle dennoch ein Dieselgenerator als Backup zur Verfügung.

Design mit Cupra Anmutung

Mit Cupra hat Volkswagen zudem die progressive, designorientierte Marke von Seat ins Boot geholt. Cupra legt normalerweise den Schwerpunkt auf elektrische Fahrzeuge mit einem besonderen Anspruch an zeitgemäße Sportlichkeit und anregendes Design. In Zusammenarbeit mit Silent-Yachts hat das Unternehmen aus Barcelona dem neuen Bootsmodell einen zeitgemäßen Touch verliehen. Eine ganze neue Erfahrung für die Auto-Designer: Sie mussten in Bezug auf Abmessungen, Proportionen und Oberflächen in ganz anderen Dimensionen denken und ihre Ideen an die Abmessungen der Yacht anpassen.

VW-MEB-Yacht-Cupra

Die Entwürfe können sich sehen lassen. Das gemeinsam erklärte Ziel von Volkswagen, Cupra und Silent-Yachts ist es nun, im Laufe des Jahres 2022 ein Schiff mit MEB-Antrieb aufs Wasser zu bringen. Vom Modell „Silent Yacht 50“ auf MEB-Basis sollen nach einer Anlaufzeit von vier Jahren mindestens 50 Stück pro Jahr produziert werden, bei Bedarf auch mehr. Dann sollen Volkswagen Komponenten auch in allen anderen Modellen von Silent-Yachts eingebaut werden.

Perspektivisch können Volkswagen und seine Partner mit elektrisch angetriebenen Yachten CO2-Emissionen auch zu Wasser drastisch reduzieren – und so einen Beitrag für den Umweltschutz leisten.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 26.01.2021

Über den Autor

Michael ist freier Autor und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Volksboot? 😉

Die im Artikelbild zu sehende Silent 55 ist beispielsweise in der Lage, 160 Kilometer pro Tag lediglich mit Sonnenenergie zurückzulegen.

Bei allen Silent-Yachts Modellen stehe für Notfälle dennoch ein Dieselgenerator als Backup zur Verfügung.

Diese Kombilösung wäre auch für andere Anwendungen denkbar.

Schiffe und Fähren haben Batterien und Solarpanelen. Für den Notfall gibt es einen Dieselgenerator oder eine Wasserstoff-Brennstoffzellen-Anlage, die sich hier für kurze Notfallzeiten nützlich machen könnte.

Bei größeren und schweren Schiffen könnte man Wasserstoff-Brennstoffzellen-Anlagen mit Solarpanelen kombinieren und somit Wasserstoff bei den Fahrten über die Weltmeere einsparen.

Autarke Strom- und Energieversorgung für die Häuser und einige fahrbare Batterien im Ort für Notfälle, falls bei Schlechtwetter im Winter und zu knapp kalkuliertem Batteriespeicher der Strom auszugehen droht. Evtl. können große Gebäude in der kalten Jahreszeit mit Biogasanlagen und BHKW versorgt werden.

Stadtautos haben Batterien und Solarpanele sowie für Ängstliche und Notfälle evtl. einen kleinen Stromgenerator, falls sie mal in der Pampa liegen bleiben sollten.

Die Zukunft ist auf den meisten Gebieten batterie-elektrisch mit Ökostrom, aber für Einzel- und Notfälle sowie in Spitzenzeiten können auch andere Techniken in Maßen nützlich sein.

Danke für die Info.
Tolle Sache.

Genau das ist der Platz wo die Brennstoffzelle Sinn macht!

So eine Überraschung…..

Ich hatte ein E-Boot auf unserem See (nur E-Antrieb erlaubt), der war 30 Jahre alt und funktionierte perfekt. Einzig die Bleibatterien haben wir alle 5-8 Jahre ausgetauscht.
Der Motor hält ewig….ohne Service…..

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