THG-Quote verspricht E-Auto-Haltern jährliche Barprämie

THG-Quote verspricht E-Auto-Haltern jährliche Barprämie

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 585069361

Die Abkürzung THG-Quote steht für Treibhausgasminderungsquote. Ein bürokratisches Wortungetüm, doch für Besitzer von Elektroautos bedeutet es bares Geld. Jedes Jahr, zunächst bis 2030, können Privatleute aber auch Flottenbetreiber Geld fürs Elektroauto bekommen. Die Summe wird jedes Jahr etwas höher ausfallen. Los geht es 2022 mit Prämien zwischen 100 und 162 Euro pro Auto.

Hier eine Übersicht der Plattformen, die nach Anmeldung die Prämie auszahlen (wird laufend ergänzt):

Anbieter Prämie
ab 2022
Zielgruppen
emobia 130 € Privatpersonen, Flottenbetreiber
emovy 120 bis 175 € Flottenbetreiber
Fairnergy* 162 € Privatpersonen
Geld für E-Auto* 130 € Privatpersonen, Flottenbetreiber
M3E 135 bis 160 € € Privatpersonen, Flottenbetreiber
Maingau Energie 75 € Privatpersonen
smartificate 130 € Privatpersonen

Was muss man für die Barprämie tun?

Unter die THG-Quote fallen nur reine E-Autos, also keine Plug-in-Hybride. Die Halter der Fahrzeuge können ihren Anspruch bei einem der oben genannten Anbieter anmelden. Dazu genügen die persönlichen Kontaktdaten sowie ein Foto vom Fahrzeugschein. Die Anbieter registrieren das Fahrzeug beim Umweltbundesamt. Ist das Fahrzeug berechtigt, können die Anbieter, die CO2-Einsparung durch das emissionsfreie Fahren bündeln und in größeren Mengen an Mineralölunternehmen verkaufen, da diese die THG-Quote erfüllen müssen.

Wie funktioniert die THG-Quote?

Der Verkehrssektor ist für ein Fünftel der CO2-Emmissionen verantwortlich. Bis 2030 soll dieser Bereich nur noch 85 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Das wäre eine Halbierung im Vergleich zum Niveau von 1990. Die Politik will das mit dem Umweltbonus, Kfz-Steuern nach CO2-Ausstoß und CO2-Limits für die Neuwagenflotte der Hersteller erreichen. Ein weiterer Baustein bildet die Treibhausgasminderungsquote.

Die THG-Quote gibt es schon mehrere Jahre. Unternehmen, die Mineralöl in den Handel bringen, müssen jährlich die Menge an Kraftstoffen, die CO2 bei der Verbrennung erzeugen, reduzieren. Aktuell liegt diese Quote bei 6 Prozent und steigt bis 2030 auf 25 Prozent. Verkauft ein Anbieter in diesem Jahr beispielsweise Kraftstoffe, die 100.000 Tonnen CO2 verursachen, darf er im kommenden Jahr nur noch 94.000 Tonnen CO2 verursachenden Kraftstoff absetzen. Verstößt er dagegen, werden Strafzahlen fällig. Die Rede ist von 600 Euro pro Tonne.

Ein Mineralölunternehmen kann seine THG-Quote erfüllen, in dem es Biodiesel und Benzin mit Bioethanol (E5, E10) verkauft. Aber auch der Verkauf von Ladestrom für E-Autos zählt – aktuell sogar mit dem Faktor drei. 

Wie kommen private E-Autos ins Spiel?

Für das Jahr 2022 wurde der Kreis der Antragsberechtigten bei der THG-Quote erweitert. Nun können auch die Halter von E-Autos beim Umweltbundesamt ihr Fahrzeug registrieren und die eingesparte Menge CO2 am Markt anbieten. Das ist für private Fahrzeughalter allerdings zu aufwändig. Wer will schon mit BP, Aral und Jet verhandeln? Auf der anderen Seite haben die Mineralölunternehmen kein Interesse, mit der knapp einer halben Million E-Auto-Haltern zu verhandeln. Zumal diese Zahl in den kommenden Jahren spürbar ansteigen wird.

Darum haben sich die oben genannten Vermittlungsplattformen gebildet. Sie aggregieren die THG-Quote von vielen Autobesitzern und bieten sie als große CO2-Einsparungen am Markt an. Dabei wird für jedes E-Auto die CO2-Einsparung in der Größenordnung von knapp 2.000 kWh pro Jahr angerechnet. Dabei ist es unerheblich, wo geladen wird und ob reiner Ökostrom ins E-Auto fließt. Die THG-Quote soll für Tankstellenbetreiber Anreize liefern, mehr Ladesäulen aufzustellen. Kritiker bemängeln, das bei der Anrechnung die Art der Stromerzeugung noch keine Rolle spielt. Wäre Ökostrom Pflicht, wäre der Anreiz zum Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung größer.

THG-Quote vs. CO2-Zertifikate-Handel

Der Handel mit THG-Quoten ist vollkommen unabhängig vom CO2-Zertifikate-Handel. Während die Verschmutzungsrechte für CO2 an der Börse mit 50 bis 60 Euro pro Tonne gehandelt werden, liegen die Preise bei der THG-Quote deutlich höher. Hier werden bis zu 400 Euro pro Tonne gezahlt. Wobei der Preis während der Corona-Lockdowns auf bis zu 250 Euro sank. Die Preise für die THG-Quote werden nicht an einer Börse ermitteln, sondern werden von Brokern bzw. Händlern aufgrund von Angebot und Nachfrage festgelegt.

Was bewirkt die THG-Quote?

Die THG-Quote ist ein Anreiz für Tankstellenbetreiber verstärkt in umweltfreundlichere Kraftstoffe bzw. Antriebsarten (Ladesäulen) zu investieren. Vermutlich werden auch die großen Anbieter von Ladepunkten auf den Zug aufspringen. Auch sie können die THG-Quoten ihrer Kunden bündeln und vermarkten. Ladestrom aus dem öffentlichen Stromnetz wird in der Quotenberechnung aktuell mit dem dreifachen Faktor angerechnet. Wer seine Ladesäulen mit erneuerbarer Energie (direkte physische Verbindung zum Ladepunkt) betreibt, kann die Energiemenge nochmals mit dem Faktor 2,5 multiplizieren.


Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekommt EAN von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

Über den Autor

Dirk Kunde beschäftigt sich mit dem Wandel der Mobilitäts- und Energiebranche. Neben neuer Antriebstechnik und Vernetzung im Fahrzeug, bringt die Verknüpfung mit dem Energiesektor große Umbrüche. Bei seinen Praxistests hat der Diplom-Volkswirt stets ein Auge auf die wirtschaftlichen Aspekte. Ein Lächeln ins Gesicht zaubert dem technikverliebten Journalisten jede vernetzte Anwendung im Auto oder als App, die Mobilität komfortabler macht.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „THG-Quote verspricht E-Auto-Haltern jährliche Barprämie“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
13 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Eigentlich sollten e-Auto Fahrer auf diese „neue Masche des Ablasshandels“ verzichten, um so den Druck auf CO2 Emittenten zu erhöhen schneller CO2 neutral zu werden.
Veränderung funktioniert nur über den Geldbeutel, sonst „regelt der Markt“ das wie hier wieder über ein Hintertürchen !!!

Das System bietet in dieser Ausgestaltung aber nicht nur den Tankstellen einen direkten Anreiz Ladeinfrastruktur aufzubauen, sondern auch den Autofahrern ein Elektroauto zu nutzen. Während der Verbrennerfahrer einige Euro mehr im Monat für Benzin ausgeben muss, erhält der Elektroautofahrer Geld aus dem Verkauf der Quote. Zu welcher Gruppe möchte man wohl gehören?
Für mich ist klar, dass ich lieber mehr Geld bekommen möchte, als mehr zu zahlen.
Insgesamt ist dieses System jedenfalls nachhaltiger, als es Kaufprämien mit 6 monatiger Haltefrist sind.

Die Kaufprämie von bis zu 9000 € ist ja wohl ein anderer Anreiz ein BEV zu kaufen, als läppische 75€ im Jahr, die z.B. Meingau anbietet.
Außerdem sollte die Umwelt das Argument sein, die scheint aber überall hinten anstehen zu müssen – siehe Wahlergebnisse vom Sonntag 🙁

Die Wahl am Sonntag hat nur gezeigt wie unfähig die Kandidaten waren. Die Programme waren alle ein Witz.

Deine Leib&Magenfirma wäre aber ohne den Ablasshandel lange pleite.

Ich fahre ein E Auto, weil es für mich die wirtschaftlichste Variante ist. Alles andere ist ein netter Nebeneffekt.

Thorsten, du hast nicht ganz Unrecht. Allerdings kann man ja diesen Betrag einer Umweltorganisation oder Co2 Ausgleich spenden. Dann reicht man die Spendenquittung mit der jährlichen Steuer ein und lässt den Staat 50% deiner Spende zahlen. Dann verdienst du zwar weniger, hast aber neben dem guten Gewissen Geld verdient und dabei den Staat und die Mineralölfirmen zahlen lassen.

Da das erlößte Geld der THG Quote pro Tonne offenbar viel höher als das vom CO2 Zertifikat ist, kann man das Geld nehmen und dafür mind. doppelt soviele Tonnen an CO2 Zertifikate kaufen (z.B. hier: http://www.dieklimawette.de). Das würde die Anzahl der CO2 Zertifikate m.E. real reduzieren. Die Sache ist trotzdem super seltsam. Ich würde mir wünschen, dass das das Umweltbundesamt direkt macht, dann müssen nicht noch irgendwelche Zwischenhändler dran profitieren.

Ich bin mittlerweile so weit, dass ich das Definitv in Anspruch nehmen werde. Und das aus einem ganz einfachen Grund. Wie ich mittlerweile bei netten Leuten lesen konnte, die das im Gesetz recherchiert haben sieht es nämlich wie folgt aus.
Am Ende des Jahres verkloppt der Staat die THG Quoten die nicht von den E-Autos Fahrern selber abgerufen worden in einer Versteigerung. Heißt: entweder der Staat verkloppt die THG Quote meines Autos und streicht das Geld dafür ein, oder ich kriege das Geld und kann es zur Not fürs grüne Gewissen spenden. Damit muss man eigentlich nicht lange nachdenken, ob man das machen sollte oder nicht.

Gibt es dazu noch eine Quellenangabe?

Das ist der erste Artikel/Beitrag zum Thema, wo ich glaube das „Konzept“ verstanden zu haben. Vorallem liegt das daran, dass konkrete Zahlen gezeigt werden.

Das ist zwar jetzt ein etwas seltsames Konzept, dass ich als E-Autofahrer Geld von den Ölkonzernen bekommen damit die ihre CO2 Emissionen freikaufen aber naja…
Wenn man an die Umwelt denkt sollte man das vielleicht nicht machen, aber auf der anderen Seite zieht man den Ölkonzernen das Geld aus der Tasche sodass das irgendwann weh tut, wenn sie weiterhin so viel von den THG Kram kaufen müssen….
Für den eigenen Geldbeutel ist es natürlich nicht schlecht. 160€ entsprechen bei 30ct/kWh (sehr bald Geschichte) und einem Verbrauch von 15kWh/100km rund 3500km die sich das E-Auto seinen Fahrstrom selber bezahlt jedes Jahr. Nicht schlecht. Sind rund 25% meiner jährlichen Fahrleistung.

Bei Maingau gibt es jetzt garantiert 150 € für Stromkunden und das Geld wird noch dieses Jahr ausgezahlt…

Diese News könnten dich auch interessieren:

Sono Motors zieht es an die Börse
Ford Mach-E GT: Der zügellose Mustang – Unsere Eindrücke
Stellantis und TheF Charging bauen öffentliches Ladenetz in Europa auf
13
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).