Tesla Model Y mit grünem, „flüssigen Strom“ im Tank - nicht im Akku

Tesla Model Y mit grünem, „flüssigen Strom“ im Tank – nicht im Akku

Copyright Abbildung(en): Symbolbild | Yauhen_D / Shutterstock.com

Eines der ersten Tesla Model Y, welches in Deutschland unterwegs ist, fährt nicht mit vollem Akku, sondern vollem Tank vor. Seine Energie bezieht der Stromer aus dem synthetischen Kraftstoff Methanol, welcher in der deutschen Politik als einer der wichtigsten Grundbausteine für den klimaschonenden Umbau von Schlüsselindustrien gilt, da dieser zudem CO2 aus Industrieabgasen entnimmt. Doch wie kommt es dazu?

Das Tesla Model Y mit grünem, „flüssigen Strom“ im Tank entstammt der kreativen Feder der OBRIST Group, welche das Fahrzeug als Prototypen aufgebaut haben, um die eigene Vision des „flüssigen Stroms“ greifbar zu machen. Obrist Powertrain, ein österreichisches Ingenieurbüro, ist der Überzeugung , dass der Stromer auf den Akku zum größten Teil verzichten sollte. Statt die Fahrenergie aus einer 500 oder mehr Kilogramm wiegenden Batterie zu beziehen, sollen Gewicht und Preis des Stromspeichers gering bleiben – und zum Teil durch „flüssigen Strom“ in Form von synthetisch hergestelltem Methanol ersetzt werden. Obrist selbst bezeichnet diesen Treibstoff als aFuel® (eMethanol).

Hergestellt werden soll das aFuel® durch Sonnenenergie, Wasserstoff aus der Wasserelektrolyse und CO2 direkt aus der Atmosphäre. Alles Prozesse, welche es heutzutage so schon gibt, die aber noch nicht oder nur bedingt miteinander verbunden werden, werden bei Obrist zusammengeführt. „The Modern Forest“, wie die Fertigungsanlage von Obrist bezeichnet wird, besteht besteht aus einem riesigen Solarpanel-Feld, einer Wasseraufbereitungsanlage, einer Elektrolysestation, einer CO2-Luft-Filteranlage sowie der eMethanol-Syntheseanlage. Durch die Einbindung einer cSenke-Anlage, in der CO2 in eine feste Form umgewandelt wird, entsteht sogar die Möglichkeit, einen CO2-negativen Kraftstoff zu erzeugen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zeigt sich begeistert von diesem Ansatz: „Klimaschutz gelingt nur mit Grünem Wasserstoff. Deshalb unterstützen wir die Forschung zur Nutzung des Grünen Wasserstoffs schon heute massiv, wobei in den nächsten Jahren die Anstrengungen noch einmal erhöht werden müssen. Gerade in Industrie und Verkehr werden wir auch in Zukunft chemische Energieträger brauchen. Und: Nicht alle Industrieprozesse lassen sich völlig dekarbonisieren. Es wird weiter CO2 anfallen. Dafür brauchen wir Lösungen.“

Mit dem eher ungewöhnlichen Tesla Model Y schlage man eine aus ihrer Sicht sehr interessante Brücke. Die Nutzung von Methanol aus „recyceltem“ CO2 der Industrie als Kraftstoff im Straßenverkehr. „Mein Haus stellt für die Erforschung dieser Wertschöfpungskette zusätzlich 10 Millionen Euro zur Verfügung“, so Karliczek weiter. Im Moment handelt es sich beim umgebauten Model Y um ein Unikat, eine Art „Innovationsschaufenster“. Aus Sicht der Bundesforschungsministerin sei der serielle Hybridantrieb perspektivisch eine gute Lösung, vor allem dort wo keine Ladesäule zur Verfügung steht.

„Die Dringlichkeit des Klimaschutzes erfordert den raschen und umfassenden Einstieg in regenerative Energie. In einem globalen Markt für erneuerbare Energie sind kohlenstoffhaltige Energieträger wie Methanol zentrale Bausteine. Das vorgestellte Konzept des seriellen Hybridantriebs vereinigt die Vorteile des effizienten Elektroantriebes und des energiedichten und einfach zugänglichen synthetischen Kraftstoffes Methanol. Dieses Konzept gilt es durch das hier vorgestellte Forschungsprojekt weiter zu optimieren“, so die Aussage von Prof. Robert Schlögl, Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion und Carbon2Chem Projektkoordinator.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung – Karliczek: CO2-Abgase aus der Stahlindustrie werden zu Kraftstoffen „recycelt“

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Was ausgezeichnet harmoniert, ist dieses hässliche Fahrzeug mit diesem hässlichen Antrieb. Das war es allerdings an Lob. Ansonsten ist man hier technisch völlig in der Sackgasse und auch die Argumentation ist nicht stichhaltig.

Erst einmal ist Gewicht im Elektroauto weniger schädlich. Diese Lektion durfte man anlässlich des BMW i3 lernen. Und: Wenn ein Akku jetzt 500 Kilo wiegt, wird er für gleiche Kapazität in wenigen Jahren 300 Kilo und noch später 180 Kilo wiegen. Da ist also eine Degression absehbar. Zudem wiegt ein Elektromotor deutlich weniger als ein Verbrennungsmotor und auch das Getriebe ist deutlich schlanker. Der Punkt, wo ein BEV leichter wird als ein Hybrid, wird schnell erreicht werden, absehbar ist der Zeitpunkt, wo ein BEV leichter sein wird als ein Verbrenner.

CO2 kann und muss man als Rohstoff ansehen und nutzen. Vier Produkte können daraus entstehen: Salicylsöure, zyklische Carbonate, Harnstoff, Methanol. Sollte es Methanol sein, kann man daraus besser Kunststoffe fertigen.

Frage: Was wird denn aus dem Methanol bei der Wandlung in Strom?
Ja, klar –> CO2 und H2O.
Da haben wir somit nichts gewonnen, obwohl wir einem riesigen Energieaufwand (= Kosten) da reingesteckt haben!
Methanol ist eben keine Dauersenke für CO2 sondern nur ein C->CO2-Kreislauf mit ständig hohen Wandlungsverlusten (= Energieaufwand) und deswegen halte ich eine generelle „Methanol-Wirtschaft“ abseits der Chemie-Industrie unterm Strich also für eine CO2-Quelle.

Last edited 8 Monate zuvor by Wolfbrecht Gösebert

Methanol aus „recyceltem“ CO2 – womöglich CO2 direkt aus den Abgasschloten?

So einfach ist das aber nicht – das CO2 muss zuerst sehr aufwändig gereinigt werden, denn laut Experten ist das CO2, z.B. aus CO2-Kapseln für Bier oder Wassersprudler, viel zu schmutzig dafür.

Es wird also erstmal viel Energie für die Wasserstoffherstellung gebraucht, dann viel Energie für die CO2-Reinigung und die Zusammenführung von H2 und CO2, damit daraus Methanol wird.

Ich habe hier vor 19 Tagen schon mal zum Auto von Obrist einen Kommentar geschrieben – siehe Auszug.

Nachtrag:

Aber wie hoch ist der Verbrauch an Methanol noch den ersten 100 km, wenn die Batterie leer gefahren ist?

Das wären dann etwa 8 Liter Methanol auf 100 km, wenn die 50% Wirkungsgrad des Methanol-Verbrenners erreicht werden, aber auch nur dann.

Geht man von „Methanol: 0,79 kg/l“ aus, dann wären 8 Liter gleich 6,32 kg x 12 kWh/kg ca. 76 kWh Strom, also fast die 4-fache Strommenge gegenüber einem batterie-elektrischen Auto.

Und hier ein Auszug aus dem Artikel von damals.

Wie das Unternehmen vorrechnet, soll in dieser Anlage aus zwei Kilogramm Meerwasser, 12 kWh Sonnenenergie und 3.370 Kilogramm Luft schlußendlich ein Kilogramm aFuel® und 1,5 Kilogramm Sauerstoff gewonnen werden.

Hier wird von 12 kWh Ökostrom für 1 kg aFuel (in der Grafik als „eMethanol“ bezeichnet) ausgegangen.

Ob es weniger kWh erfordert, wenn man Abgase mit CO2 und vielen weiteren unerwünschten Stoffen aus den Abgasschlotten nimmt und es sehr, sehr aufwändig reinigt, damit es sauberer ist als das CO2, das wir für Bier und Wassersprudler verwenden? – vielleicht kann das die Bundesforschungsministerin erklären.

Dieser Schwachsinn macht mich sowas von wütend! „Recyceltes CO2“? Am Arsch!
Das ist Greenwashing vom feinsten. Netto bleibt es dabei: es wird zusätzliches (fossiles) CO2 der Atmosphäre zugeführt. Nur weil ich es vorher noch durch einen weiteren Prozessjage, wird es deswegen nicht besser.
Ganz davon abgesehen, dass ausnahmsweise alle CCS Projekte bisher nicht mal annähernd die anvisierte Menge CO2 einfangen konnten.
Und das Auto an sich ist eine komplette Fehlentwicklung, die schlimmer nicht sein könnte. Man nehme ein verschleißarmes, nahezu komplett wartungsfreies, leises und effizientes BEV und baue darin einen Verbrennungsmotor? Und das ganze wird noch vom Staat gefördert? Wer hat denen ins Gehirn geschissen?

Was mich bei diesen ganzen Artikeln zum Thema Obrist immer wieder fasziniert, ist der Erfindungsreichtum dieser Firma – leider nur in Bezug auf neue Bezeichnungen.
Da wird der serielle Hybrid zum Hyper Hybrid, aus eMethanol wird aFuel und daraus schließlich „flüssiger Strom“. Und eine Anlage zur Herstellung von eMethanol wird „The Modern Forest“.
Wenn die Ingenieure bei Obrist so gut sind wie die Marketingabteilung, könnte aus der Sache vielleicht noch was werden. Ich habe aber so meine Zweifel.

Man nimmt ausgerechnet eines der effizientesten BEVs, von einem Hersteller,
der ausschließlich BEVs produziert, um ihn mit einem Verbrenner „aufzurüsten“?
Das sieht wie ein Postillion Artikel aus :D
Vermutlich will man damit sehr viel Aufmerksamkeit erreichen,
um dem Laien zu zeigen: Seht her, das E-Auto wird verbessert!

Sagt mal, wie seht ihr das mit dem Kohlenstoffmonooxid welches bei der Aufspaltung von CH3OH (Methanol) entsteht? Ich mein gerade hier wird CO direkt produziert und ausgestoßen, das hat man beim BEV und mit H2 Brennstoffzelle nicht.
Also ich sehe das etwas kritisch mit dem Methanol, oder hab ich nen Fehler gemacht bei der Aufspaltung?
Gruß

Leider wird bei Diskussionen dieser Art, auch in den Medien, nicht berücksichtigt, dass die Verbrennung im Motor nicht „Labor-perfekt“ abläuft. Auch bei der Verbrennung von Methan mit Luft (rund 78% Stickstoff) entstehen Stickoxide und andere klassische Abgase durch die Bildung von längerkettigen Kohlenwasserstoffen.

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