„Strom wird auf längere Sicht günstiger“: VW-Boss Diess zeigt sich optimistisch

"Strom wird auf längere Sicht günstiger": VW-Boss Diess zeigt sich optimistisch

Copyright Abbildung(en): Volkswagen

Ein Elektroauto zu fahren ist besser für die Umwelt und überdies kostengünstiger! Oder? Nun ja: Vor allem der Strommix entscheidet, ob ein Elektrofahrzeug in der Klimabilanz besser abschneidet als ein Verbrenner. Denn während es zwar abgasfrei fährt, stoßen Kraftwerke bei der Bereitstellung des Ladestroms durchaus Treibhausgase aus, jedenfalls wenn dabei fossile Energieträger zum Einsatz kommen. Der Betrieb von Elektrofahrzeugen ohne erneuerbaren Strom würde die Klimabilanz daher deutlich verschlechtern. Glücklicherweise werden laut dem Bundesministerium für Umwelt (BMU) in Deutschland immer mehr erneuerbare Energien zur Stromerzeugung genutzt. 2019 betrug ihr Anteil bereits rund 42 Prozent und in Kürze dürfte erstmals mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen stammen. Auf der Webseite des BMU heißt es :„(…) Daher fahren Elektroautos schon mit dem aktuellen deutschen Strommix deutlich klimafreundlicher als Verbrennerfahrzeuge“ – auch bei Berücksichtigung der energieaufwendigen Batterieproduktion. So weit, so gut. Doch Elektroautos werden vor allem auch als kostengünstigere Alternative im Vergleich zu konventionellen Verbrennern beworben.

Eine Umfrage des Internet-Vergleichportals Check24 in Kooperation mit Verivox habe im August ergeben, dass das Laden eines Stromers rund 90 Prozent günstiger sei als das Betanken eines Benziners. Dies ist natürlich ein Wert, der abhängig von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist (wie etwa Fahrzeugmodell, Leistungsfähigkeit, Fahrweise). Daher deuten wir diese Angaben eher als Richtwert. Und das, obwohl der Strompreis mit ca. 31 Cent pro kWh noch nie höher war. Ein Musterhaushalt mit vier Personen und einem Jahresstromverbrauch von 4.250 kWh zahle in Deutschland laut Strompreisindex demnach aktuell durchschnittlich 1.315 Euro. E-Autos verbrauchen im Schnitt 20,7 kWh pro 100 Kilometer (laut ADAC). Bei einer durchschnittlichen jährlichen Fahrleistung von circa 11.000 Kilometern ergeben sich somit zusätzliche Stromkosten für Autostrom in Höhe von rund 730 Euro. Im Vergleich dazu ergeben sich für herkömmliche Benziner, die im Schnitt 7,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen (beim aktuellen Benzinpreis und derselben jährlichen Fahrleistung) Kosten in Höhe von rund 1.385 Euro im Jahr. Und das, obwohl eine Statistik, ebenfalls veröffentlicht von Verivox, eine deutlich steigende Strompreisentwicklung in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2020 aufzeigt –  ein Anstieg um 69 Prozent.

Volkswagen-Chef Herbert Diess sieht die Entwicklung gelassen. Im Gespräch mit dem Magazin WirtschaftsWoche sagt der E-Auto-Verfechter, dass zukünftig sinkende Strompreise das elektrische Autofahren viel günstiger machen sollen. Steigende Strompreise hält der Top-Manager nur für eine vorübergehende Entwicklung: „Strom wird nicht immer teurer, sondern auf längere Sicht günstiger“, so Diess. Schon heute kostet Ökostrom in der Erzeugung nur etwa fünf Cent pro Kilowattstunde. „Damit würde ich im Elektroauto hundert Kilometer für etwa einen Euro fahren, wenn ich nur die Erzeugung betrachte und die EEG-Umlage und Verteilungskosten ausklammere“, erklärte Diess weiter. Zudem könnten Elektroautos das Stromnetz stabilisieren.

Der Ökostrom-Anteil muss erheblich gesteigert werden

Doch ganz so einfach scheint diese Rechnung nicht. Es gibt diverse Meldungen von Ökostrom-Knappheit, welchen es aber vor allem aufgrund des Ausstiegs aus der Atom- und Kohlekraft verstärkt brauche. So berichtete das ZDF im Juni von einem sinkenden Stromspeisung aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energiequellen. So habe Ökostrom  im ersten Halbjahr nach Branchenangaben 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt – das sei weniger als im Vorjahreszeitraum. Insbesondere das erste Quartal sei ungewöhnlich windstill und arm an Sonnenstunden gewesen, heißt es weiter. Die Erzeugung aus Windenergie an Land und auf See ging um rund 20 Prozent zurück, wie laut der Nachrichtenagentur dpa aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervorgeht.

„Im Vorjahreszeitraum lag den Angaben zufolge der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bei rund 50 Prozent. Im ersten Halbjahr 2020 habe es Rekorde bei der Stromerzeugung aus Solarenergie und Windenergie an Land gegeben“, so das ZDF. Der Ausbau erneuerbarer Energien gilt als entscheidend, damit die von der Politik beschlossenen höheren Klimaziele erreicht werden können. Weiter steht geschrieben: „Für das höhere CO2-Einsparziel ist ein Anteil von mindestens 70 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2030 erforderlich“. Auch der Chef des Energieversorgers RWE, Markus Krebber, fordere einen schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien. „Die Ausbaugeschwindigkeit in Deutschland muss deutlich mehr als verdoppelt werden, wenn das Land seine Klimaschutzziele erreichen soll“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das Problem könnte sich noch vergrößern, wenn der Anteil von zugelassenen Elektroautos noch weiter steigt. Vor allem beim Ausbau der Windkraft sei derzeit noch viel Spielraum: Abstandspflichten, langwierige Flächenausweisungen und zähe Genehmigungsverfahren bremsen. Experten mahnen schon seit geraumer Zeit, dass das derzeitige Ausbautempo nicht reicht, um die Klimawende zu meistern und dabei die Strompreise stabil zu halten.

VW-Chef Herbert Diess könnte aber dennoch Recht behalten, sofern der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen weiter vorangetrieben wird. Letztlich sei es auch nur der Staat, der die Preise künstlich verteuere: „(…)mit Abgaben wie der EEG-Umlage, den Netzentgelten und den Steuern“. Hier ist also vor allem auch die Politik gefragt. Nichtsdestotrotz sind Elektroautos auch günstiger als Verbrennerautos, weil sie Pluspunkte bei den niedrigeren Unterhalts- und Reparaturkosten sammeln, so der ADAC. Autofahren könnte in Zukunft also tatsächlich günstiger werden. Und noch eine These wirft Diess in die Waagschale: „Elektroautos sind perfekte Stromspeicher. Sie könnten nachts geladen werden, wenn Strom am billigsten ist. Und dann Strom abgeben, wenn er teuer ist.“ Auch dieses Zukunftsszenario könnte die Bilanz verbessern und Kosten für E-Autofahrer senken.

Quelle: ADAC, Bundesministerium für Umwelt, Check24, Verivox, Volkswagen, WirtschaftsWoche.de, ZDF.de

Über den Autor

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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Was wir brauchen ist vor allem mehr oder überhaupt Sektorenkopplung, mehr KWK und Fernwärme und mehr (Zwangs-)Anbindung von Gebäuden daran.
Die sehr verlustbehaftete Verbrennung von fossilen Energieträgern in Autos und Gebäuden muss ebenso gestoppt werden, wie die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien gleichzeitig aufgebaut wird.
Durch KWK lassen sich die Defizite bei grünem Strom sehr gut ausgleichen, und die funktioniert alternativ auch mit Biomasse.

Das Problem bei Fernwärme ist nicht die Leistungserbringung, sondern ihre Kosten. Die sind sehr hoch, weil die Zuhälter, die diese Leistung kontrollieren, viel Geld benötigen und das als Topzuschläge den Kunden dieser Leistung überhelfen. Meist sind das Stadtwerke, die sich zwar neue Namen geben und ne tolle Homepage haben, aber die Strukturen sind die alten und damit ein Albtraum.

Fernwärme macht dort Sinn wo viel Wärmeleistung pro Flache des Wohn oder Gewerbegebietes gebraucht wird. Also hohe Baubauungsdichte und viele Heizgradtage.
Durch energiesparende Gebäude reduziert sich die Heizleistung der Gebäude sehr stark, der Leistungsbedarf für Brauchwasser bleibt aber gleich.
Viele Heizgradtage hat man vor allem im Gebirge.

Was man nicht vergessen darf ist der Wille da Anwohner. Ich habe das selber vor ein paar Jahr mal in meinem Heimatdorf miterlebt als um die mögliche Errichtung einer Fernwärme-Anlage mit Stroh ging. Es haben sich nicht genug Anwohner gefunden, die sich anschließen wollten. Hätte das ganze Dorf mitgezogen, wäre das zu Stande gekommen. Teilweise geht es im dann nach dem Motto: der die Idee hatte ist in der und der Partei, ich bin dagegen weil es nicht meine Idee war. Echt jämmerlich.

Auch bei der Windkraft ist bei uns der Region gerade wieder eine große Diskussion weil der eine Ort meint bei ihm sollen mehr Windräder gebaut werden als bei einem anderen Ort… Grüner Strom ja, nur bitte nicht so dass ich sehen kann wo er entsteht. Vielleicht muss das über Bürgerbeteiligungen laufen oder so, sodass die Leute merken, dass sie am Ende auf was davon haben.

Die Klimabilanz steht und fällt einfach it dem Willen der Politik den Ausbau von Windkraft und PV voranzutreiben und zwar massiv. Altmeier & Co haben nichts gemacht außer es zu blockieren. Wir hätten schon weiter sein können. Ich hoffe das wir unsere aktuelle Wirtschaftsminister-Null bald los sind und der Nachfolger mehr auf die Kette bekommt. Man kann nur hoffen und beten.

Es muss einfach wohl auch aufgeklärt werden über PV Anlagen. Am Ende muss auch jedes Dach was drauf und dann ist Deutschland im Sommer vermutlich autark. Gerade bei Unternehmen kapiere ich nicht, warum die Dächer nicht zugepflastert sind mit Modulen.
Hausbesitzer haben es ja heute schon in der eignen Hand. Ich kann meinen eigenen Strom für 10-12ct/kWh produzieren und das Festgeschrieben auf die nächsten 25-30 Jahre und zeige dem Energieversorger die lange Nase wenn er die Preise erhöht.

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