Start-up Voltfang baut Heimspeicher aus gebrauchten E-Auto-Akkus

Start-up Voltfang baut Heimspeicher aus gebrauchten E-Auto-Akkus

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Das Start-up Voltfang aus Aachen entwickelt und vertreibt Stationärspeicher-Komplettlösungen für Privathaushalte aus gebrauchten Elektroauto-Batterien, ganz im Sinne der Second-Life-Strategie, welche die Nutzungsdauer von Akkus verlängert und somit deren CO2-Bilanz deutlich verbessert. In einem Gespräch mit Battery News erzählte Roman Alberti, Geschäftsführer von Voltfang, mehr über den innovativen Ansatz, warum er sich gerade in Kombination mit einer PV-Anlage lohnt, woher die Akkus für die Heimspeicher kommen und warum das Start-up zehn Jahre Garantie auf seine Lösung geben kann.

Alberti geht davon aus, „dass der Einsatz dezentraler Energiespeicher einer der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende ist“. Aktuell bestehe das Problem, dass in Deutschland produzierter Ökostrom ungenutzt bleiben müsse, da nicht ausreichend Speichermöglichkeiten und Transportkapazitäten zur Verfügung stehen. „Gleichzeitig sehen wir eine steigende Anzahl von Photovoltaikanlagen, für die sich die Kopplung mit einem Heimspeicher wirtschaftlich lohnt“, so der Gründer. Eine Marktanalyse habe ergeben, „dass derzeit kein Anbieter einen Heimspeicher aus aufbereiteten Lithium-Ionen-Batterien anbietet“. Diese Lücke könne Voltfang „im Sinne der Nachhaltigkeit“ schließen.

Für Betreiber von PV-Anlagen lohne sich die Kopplung mit einem Heimspeicher, vor allem dann, wenn sie aus der EEG-Umlage fallen: „Betreiber erhalten dann lediglich den Börsenstrompreis von derzeit 4 Cent/kWh, zahlen jedoch als privater Haushalt gleichzeitig etwa 31 Cent/kWh für den bezogenen Strom“. Somit werde der Eigenverbrauch des produzierten Stroms „zunehmend lukrativer“. Abgesehen von ökonomischen Vorteilen möchte Voltfang interessierten Menschen „eine nachhaltige, dezentrale Speichermöglichkeit anbieten“. Mit einem simplen Vergleich illustriert Alberti die Motivation, sich einen Heimspeicher zuzulegen: „Wieso soll ich in Randzeiten aus Frankreich importierten Atomstrom nutzen, wenn ich mittags auf meinem Dach überschüssigen Sonnenstrom produziert habe?

„Großteil der in E-Autos eingesetzten Batterien für Second-Life-Einsatz geeignet“

Bei seinen Heimspeichern, in denen gebrauchte Batteriezellen aus Elektroautos wie dem Tesla Model S und dem BMW i3 verbaut sind, setze das Start-up auf „ein eigens entwickeltes Batteriemanagementsystem“, welches „ähnlich zum Einsatz im Fahrzeug im Sinne der funktionalen Sicherheit kontinuierlich relevante Betriebsparameter wie Temperatur und Spannung der einzelnen Zellen erfasst.“ Das BMS ermögliche zudem „eine einfache Integration des Speichers in das Hausnetz“ und kommuniziere mit dem zugehörigen Wechselrichter und einem Energy-Meter: „Sobald das System einen Eigenbedarf des Gebäudes erkennt, wird die Leistung über den Speicher zur Verfügung gestellt. Andersherum wird bei Überschussstrom die Batterie geladen, anstatt die Energie ins öffentliche Netz einzuspeisen“, erklärt Alberti. Bei der Konzeption eines Heimspeichers lege Voltfang großen Wert darauf, „immer die optimale Speichergröße für den jeweiligen Anwendungsfall“ anzubieten.

Generell sei „ein Großteil der in Elektroautos eingesetzten Batterien für einen Second-Life-Einsatz“ geeignet. Die Fahrzeughersteller geben das Ende der Lebenszeit für den anspruchsvollen Einsatz im Auto mit meist 70 Prozent der ursprünglichen Nennkapazität an. Dies sei „in der Regel ausreichend für einen Einsatz in Heimspeichern, da dort weniger Restriktionen an Gewicht und Volumen des Speichers bestehen“. Die Lebensdauer im Second-Life-Einsatz übertreffe sogar die Lebensdauer im E-Auto, „weil im Gegensatz zum Einsatz im Fahrzeug keine extremen Belastungen wie bspw. Schnellladevorgänge auftreten“, so Alberti. Deswegen könne Voltfang seine Speicher auch mit einer Garantie von 10 Jahren verkaufen. Aktuell verwende das Start-up in seinen Speichern „nur Batterien aus Fahrzeugen mit einer Laufleistung unter 50.000 km“.

Voltfang bietet Systeme mit Kapazitäten zwischen 10 und 30 kWh und einer Leistung zwischen 3 und 9 kW an. Die Akkus beziehe Voltfang von einem norwegischen Demontagebetrieb, welcher dem Start-up ausreichend Kapazitäten für die weiteren Expansionspläne in den Jahren 2021/22 zugesichert habe. In Zukunft könne sich Alberti auch vorstellen, direkt mit Autoherstellern zusammenzuarbeiten.

Quelle: Battery News – Roman Alberti von Voltfang über die Aufbereitung von Traktionsbatterien für Heimspeicheranwendungen

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Auf den Papier sieht das schön aus. Dafür gibt es wirklich einen Bedarf. Aber dies in der Praxis ?
Der redet mir etwas zu viel in der Möglichkeitsform. Möchte eine Anlage sehen wie das BMS im Keller des Hauses funktioniert . Was kostet das? Unter 60 KWh ist dies kaum lohnenswert da neben der Hauswärmepumpe betrieben, es auch noch ein E Auto bei Nacht aufladen sollte. Solche Grössen im Secondhand gibts aber erst bei Tesla. Er redet nur von Kleineren , und wo will er solche die erst 50 000 KM Reichweite drauf haben, herausreissen?

Der Preis wird das K.O.-Kriterium sein. Voltfang bezieht die Akkus „von einem norwegischen Demontagebetrieb“, was bedeutet, dass die Teile durch zwei Hände gehen, die natürlich beide daran verdienen möchten. Die Altakkus gibt’s sicher auch nicht geschenkt.

Verglichen mit einem neuen Akkupack aus LiFePO-Akkus (die geringere Energiedichte aber deutlich höhere Zyklenzahl bieten) wird der Kunde eher schlechter dastehen.

Verglichen mit einem neuen Akkupack aus LiFePO-Akkus (die geringere Energiedichte aber deutlich höhere Zyklenzahl [und weitaus größere Eigensicherheit!] bieten) wird der Kunde eher schlechter dastehen.

ACK. Ergänzung ins Zitat mal [unterstrichen] eingefügt …

Um 60kWh sinnvoll zu nutzen, braucht es schon eine PV mit >20kWp … und im Winter bleibt der Speicher selbst mit 20kWp-PV leer. Energie fürs Auto zwischenzupuffern seh ich als sinnlos an … besser und billiger zwei Autos, die im Wechsel genutzt werden.

Die Idee ist gut, aber vorher sollten sich mal einige Universitäten mit dem Thema „Speicherbatterie“ beschäftigen, um die optimale Größe von PV-Anlage und Batterie zu ermitteln, damit das Startups und auch andere Firmen sowie die Kunden nicht ins Blaue planen und bauen müssen.

Für meine Zukunftsvison – bestehend aus PV-Anlage, Pufferbatterie und Erdwärmepumpe als autarke Strom- und Wärmeversorgung – bräuchte ich auch belastbare Zahlen, um den anhand von Wasserstoffspeicheranlagen ermittelten Wert noch deutlich senken zu können, damit es günstiger wird.

Unter 60 KWh ist dies kaum lohnenswert […] Solche Grössen im Secondhand gibts aber erst bei Tesla.

Vermutlich ist aus dem Artikel nicht so klar geworden, dass die Komplett-Akkus erst in einzelne Module zerlegt und dann mit neuem BMS zur gewünschten Gesamtkapazität (bislang wohl nur bis 30 kWh) wieder zusammengefügt werden!

Daniel , Wolfbrecht und Bernhard haben die selbe Antwort gegeben wie ich. Also ein Speicher z. Zt. für die Füchse. Deshalb laden wir täglich immer einen der zwei Zoes, so ist immer einer geladen vom Dach. Morgen wird dann der Schnee herunter rutschen, und dann funktionierts auch wieder.

Hier geht es doch weniger um den Verbrauch. Die Speicherung von selbst erzeugter Energie ist doch der Gewinn. Da reichen zur Zeit bei normalen Anlagen 10 kw auch im Sommer aus. Im Winter bei Bewölkung …

Wäre spannend zu erfahren mit welchen Wechselrichtern das funktioniert. AC-Seitig einbinden ist bzgl. Effizienz nicht interessant.
Und wenn man die kWh für 250€ bekommt, wäre ich dabei.

Die Alternative mit den 2. E-Auto gefällt mir auch besser – hätte mir gerne nen Speicher geholt aber bei den derzeitigen Preisen lohnt sich das einfach nicht…. Die Autos werden „regelmäßig“ ausgetauscht – der Speicher bleibt bis er Schrott ist und müsste mind 30 Jahre halten um wirtschaftlich zu funktionieren.

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