Rivian und seine Abhängigkeit von Amazon - eine Betrachtung

Rivian und seine Abhängigkeit von Amazon – eine Betrachtung

Copyright Abbildung(en): Rivian

Das Elektroauto-Startup Rivian gilt bereits heute als eines der besten finanzierten Start-Ups in der E-Mobilitätszene. Dennoch bedeutet dies nicht, dass man vor finanziellen Herausforderungen bewahrt bleibt. Im Rahmen des Antrags auf Börsengang des Unternehmens – welcher auf einen Wert von 80 Milliarden US-Dollar geschätzt wird – musste Rivian Auskunft zur finanziellen Situation geben. Zudem wurde bekannt, dass man vom Hauptinvestor Amazon in vielerlei Hinsicht abhängig ist.

Die finanziellen Kennzahlen offenbaren, das Rivian im ersten Halbjahr 2021 einen Nettoverlust von knapp einer Milliarde US-Dollar verzeichnet. Rivian verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 einen Nettoverlust von 994 Millionen Dollar, verglichen mit einem Defizit von 377 Millionen Dollar im Vorjahr, wie aus den Unterlagen hervorgeht.

Bisweilen finanziert sich das Unternehmen vor allem aus bereits durchgeführten Finanzierungsrunden, welche um die 10,50 Milliarden US-Dollar in die eigene Kasse gespült haben. Wir erinnern uns hierzu an die bisherigen Investitionsrunden: Im Februar 2019 kündigte Rivian eine Finanzierungsrunde von 700 Millionen Dollar an, die von Amazon angeführt wurde. Im April des gleichen Jahres kündigte Rivian an, dass die Ford Motor Company 500 Millionen Dollar investiert hat und dass die Unternehmen an einem Fahrzeugprojekt unter Verwendung von Rivians Skateboard-Plattform zusammenarbeiten werden. Im September gab Cox Automotive seine 350 Millionen Dollar-Investition in Rivian bekannt, ergänzt durch Pläne zur Zusammenarbeit in den Bereichen Logistik und Service. Im Dezember schloss Rivian eine Investitionsrunde von 1,3 Milliarden Dollar ab.

Dann im Juli 2020 der Abschluss einer weiteren Investitionsrunde von 2,5 Milliarden Dollar. Mitte Januar 2021 konnte das Start-Up seine erste Finanzierungsrunde in 2021 über die Bühne bringen. Gerade einmal sechs Monate später hat Rivian die nächste Runde in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Wie in der Vergangenheit wurde die Runde von Amazons Climate Pledge Fund, D1 Capital Partners, der Ford Motor Company sowie von Fonds und Konten, die von T. Rowe Price Associates, Inc angeführt.

Insbesondere die starke Bindung zu Investor Amazon sorgt für Aufsehen. Beim Antrag des Börsengangs wurden weitere spannende Details bekannt. Der E-Commerce-Riese hat nach Erhalt des ersten Fahrzeugs von Rivian vier Jahre lang Exklusivrechte an den Lieferfahrzeugen und erhält danach zwei Jahre lang das Vorkaufsrecht für die Lieferwagen. Amazon hat 100.000 Last-Mile-Fahrzeuge bis 2030 bestellt, wobei die ersten 10.000 noch in diesem Jahr geliefert werden sollen. Jedoch geht aus den Unterlagen auch hervor, dass Amazons Logistikeinheit nicht verpflichtet ist, elektrische Lieferfahrzeuge von Rivian zu kaufen – und dass man somit noch immer mit anderen potenziellen Automobilpartnern zusammenarbeiten kann.

Rivian blickt allerdings nicht nur auf Einnahmen aus den bisherigen Investitionsrunden, sondern auch auf die erstattungsfähigen Anzahlung von 1.000 Dollar für ein unverbindliches Recht zum Kauf von R1T- und R1S-Modellen. Für diese beide Modelle, ein Elektro-SUV sowie ein E-Pick-Up, sind bisher 48.390 Anzahlungen eingegangen. Wie das Unternehmen mitteilt, betreibt es aktuell sechs Servicezentren in vier Bundesstaaten, darunter Kalifornien, Illinois und New York, sowie ein 24/7-Servicezentrum in Michigan und 11 mobile Servicefahrzeuge. Rivian verfügt über ein Netz von 169 Ladestationen im ganzen Land, von denen 24 sogenannte Schnellladestationen sind. Rivian beschäftigt weltweit etwa 8.000 Mitarbeiter.

Die Finanzierung bis zum Börsengang und damit neuem Kapitalzufluss scheint gesichert, verfügt das Unternehmen zum 30. Juni über rund 3,7 Milliarden US-Dollar an Barmitteln und Barmitteläquivalenten.

Quelle: Automotive News – Rivian details $1 billion loss, Amazon deal in IPO filing

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Rivian und seine Abhängigkeit von Amazon – eine Betrachtung“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
14 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dann wünsche ich Rivian auf alle Fälle einmal mehr Glück beim Börsengang und der nachfolgenden Entwicklung des Unternehmens, als Nikola.
Wenn es um Geld geht, dann wird Jeff sich nicht lumpen lassen – er steht ja scheinbar unter Dauerkonkurrenz zu Elon – und wenn es mit dem Produkt hapert, dann steht ja immer noch der Klageweg offen ;-)

Aus dem Artikel:

„Dennoch bedeutet dies nicht, dass man nicht vor finanziellen Herausforderungen bewahrt bleibt.“

… das ist etwa so, wie bei journalistischen Herausforderungen :)

Aber eine Ergänzung zum Unternehmen Rivian selbst: Das wurde 2009 in Michigan (USA) von Robert Scaringe gegründet und nun werden dessen erste Fahrzeugauslieferungen (R1T Elektro-Pickup) im September 2021 erwartet! Das wird dann immerhin 12 Jahre gedauert haben. Hint: Sono Motors wurde 2016 gegründet … :P

Jedes Unternehmen ist abhängig. Von Inhabern, von Investoren, von Kunden, von der Weltwirtschaft, von Konkurrenten. Da hängt man viel schneller am seidenen Faden als man denkt. Wenn Musk etwas zustößt, wird es schwierig für Tesla.

Dass die Kehrseite der Internetbestellungen, nämlich das deutlich erhöhte Logistikvolumen, grüner werden muss, ist jedem klar. Sogar Laschet muss das mal gesagt haben. Amazon sichert sich zur richtigen Zeit wertvolle Produktionskapazitäten. Das Prinzip kennt man von Post und Streetscooter. Nur war es weder die richtige Zeit noch der richtige Partner.

Damit kommen wir zu Rivian: Partner Ford darf nicht unterschätzt werden, denn die haben Schützenhilfe bei den Basics wie Achsen, Federung, Lenkung und Packaging/Abstimmung geleistet. Man war da seitens Rivian eben nicht beratungsresistent und wollte alles anders machen. Im kommerziellen Bereich hat Rivian damit die Nase vorne. Allerdings hört man, dass Daimler auch einen großen Deal in Vorbereitung hat. Geht ja auch gar nicht anders, weil Rivian damit seine Kapazitäten ausgelastet hat.

Die SUV von Rivian sind auch beachtlich. Sie greifen den Cybertruck direkt an. Der F-150 Lightning ist mehr ein schlaues Workhorse, aber der Rivian mit seinem einzigartigen tank turn ist fancy.

Diese News könnten dich auch interessieren:

Spanisches Start-up Liux plant nachhaltige E-Autos ab 2023
Volta Trucks: Feedback auf erste E-Prototypen sehr positiv
Batterie vs. Wasserstoff: „Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch“

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).