Porsche plant eigene Schnelladestationen und neue Silizium-Batterien

Porsche-Schnellladenetz

Copyright Abbildung(en): Porsche

Porsche will eigene Schnellladestationen errichten, und das, wie es sich für einen Hersteller exklusiver Sportwagen gehört, mitsamt Loungebereich, wie das Unternehmen beim ersten Volkswagen Power Day ankündigte. Einer Mitteilung zufolge plant Porsche seine eigenen Schnellladestationen entlang der wichtigsten europäischen Verkehrswege und Autobahnen ergänzend zum Schnelllade-Joint Venture Ionity. Die Porsche-Schnelllader, die bislang erst als Idee und Skizzen greifbar seien, sollen den Kunden ein hochwertiges und markenadäquates Ladeerlebnis bieten. Unterstrichen werde der besondere Charakter der Porsche-Schnelladestationen mit einem einzigartigen Design und einer Überdachung. Der Aufbau der Porsche-Schnelllader soll erst im kommenden Jahr starten.

Wichtige Voraussetzung für die Elektromobilität in der Fläche ist schnelles und komfortables Laden“, betont Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. „Daher arbeiten wir derzeit an einem Konzept für eigene Schnelladestationen. Wir werden dafür attraktive Standorte auswählen, um unseren Kunden ein möglichst komfortables und schnelles Fernreiseerlebnis bieten zu können.“ Jede Station soll zwischen sechs und zwölf Ladepunkte mit einer Ladeleistung von 350 kW und mehr aufweisen. Der Ladevorgang soll sich bequem starten lassen. Für einen möglichst angenehmen Aufenthalt soll es einen Loungebereich mit innovativen Selbstbedienungseinrichtungen geben. Der Zutritt soll per Smartphone geregelt werden.

Auch das Porsche-Händlernetz soll flächendeckend mit 350-Kilowatt-Schnellladestationen ausgerüstet werden, aktuell machen bereits mehr als 300 Partner mit. Ein weiteres Highlight stelle das exklusive Porsche Destination Charging dar. Hier können Fahrer eines Taycan oder eines Plug-in-Hybridmodells ihren Porsche kostenlos aufladen. Das Programm stellt aktuell bereits 1800 AC-Ladepunkte in mehr als 50 Ländern bereit.

Porsche erforscht neue Batterietechnologie mit Siliziumanoden

Porsche forscht der Mitteilung zufolge außerdem an Hochleistungsbatterien mit Silizium- statt Graphitanoden, um eine noch höhere Energiedichte und bessere Schnellladefähigkeit zu erzielen. Porsche baue aktuell systematisch Know-how auf dem Gebiet der Zellchemie für Hochleistungsbatterien auf. Um den extremen Anforderungen an die Zellsysteme im Hochleistungseinsatz gerecht zu werden, sei eine Umstellung der Zellchemie von Graphit- auf Siliziumanoden notwendig. Neue Elektrolyte und Additive sollen den reibungslosen Betrieb auch bei Temperaturen oberhalb von 75 Grad Celsius erlauben.

Solche innovativen Hochleistungsbatterien auf Silizium-Basis sollen zunächst in Kleinserie in Hochleistungsfahrzeugen und im Kunden-Motorsport eingesetzt werden. Von der Technologieerfahrung sollen aber auch die Volumen- und Leistungszellen profitieren. Porsche will außerdem am Aufbau einer komplett europäischen Produktionskette für Hochleistungsbatterien arbeiten.

Die Batteriezelle ist der Brennraum von morgen“, betont Porsche-Chef Blume. „Unsere elektrifizierten Hochleistungssport- und Rennwagen stellen höchste Anforderungen an die Batterietechnologie. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, benötigt Porsche spezielle Hochleistungszellen. Silizium hat hierfür großes Potenzial.“ Silizium ermögliche eine höhere Energiedichte und verbessere die Energierückgewinnung sowie die Schnellladefähigkeit.

Porsche strebt für 2030 bilanzielle CO2-Neutralität an

Porsche hat sich auch in Sachen Nachhaltigkeit ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Ab 2030 will das Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bilanziell CO2-neutral sein, wie der Vorstand in der Jahrespressekonferenz mitteilt. „Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil unserer Strategie 2030 – ganzheitlich: wirtschaftlich, ökologisch und sozial“, sagt Blume. „Wir haben ein umfangreiches Dekarbonisierungsprogramm gestartet mit einem festen Ziel vor Augen: Ab 2030 soll Porsche über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bilanziell CO2-neutral sein. Das erreichen wir mit dem konsequenten Vermeiden und Reduzieren von CO2-Emissionen.

Schon heute werde in Zuffenhausen und Leipzig CO2-neutral produziert – durch den Einsatz regenerativer Energien und die Nutzung von Biogas. „Im nächsten Schritt verlangen wir das auch von unseren Zulieferern. Wer für uns Batteriezellen entwickelt, darf sie ausschließlich mit nachhaltiger Energie fertigen“, kündigt Blume an. „Noch werden Batterien sehr energieintensiv hergestellt. Durch die Verpflichtung unserer Lieferanten, auf nachhaltige Energie zu setzen, wird sich die Klimabilanz deutlich verbessern. Und die Batterie selbst wird in spätestens zehn Jahren zu mehr als 90 Prozent recycelt. Zugleich reduzieren wir bei Batterien künftig belastende Stoffe wie Kobalt.“

Porsche-Taycan-Cross-Turismo-Härtetest
Porsche

Porsche habe einen wichtigen Meilenstein bereits gesetzt: Der Taycan Cross Turismo soll das erste Fahrzeug sein, das in der gesamten Nutzungsphase CO2-neutral sein werde. Über die nächsten zehn Jahre will Porsche mehr als eine Milliarde Euro in Windräder, Solarenergie und andere Klimaschutzmaßnahmen investieren. Für Blume sei die Richtschnur dabei klar: „Wir wollen nicht kompensieren, sondern vermeiden. Wir wollen nicht bei anderen Unternehmen CO2-Zertifikate zukaufen, sondern selbst keine Emissionen verursachen. Wo Energie nicht eingespart werden kann, verwenden wir Strom aus erneuerbaren Quellen.“

Quelle: Porsche – Pressemitteilungen vom 16.03.2021 und 18.03.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Jetzt kommt fast jeder Autohersteller auf die Idee ein eigenes Ladenetz zu installieren. Ich finde das unglaublich. Man stelle sich vor, die würden das auch für ihre Verbrennerautos machen. Also Tankstellen nur für Porsche, Audi, VW, usw. Dann wird einem klar, in welche, aus meiner Sicht völlig verkehrte Richtung die Entwicklung läuft. Man könnte es auch wie Ionity machen: Alle Autos, die nicht von einem bestimmten Hersteller stammen, zahlen astronomische Tarife. Monatliche Pauschalen? Bei Tankstellen sind sie unvorstellbar. Was für ein Irrsinn!

Dabei gäbe es die Plugin-Ladetechnik im Grundsatz längst: Die Ladesäule erkennt beim Anstecken das Auto und es wird vom Konto des Fahrzeughalters ein einheitlichen Preis für die kWh abgebucht. Das geht unabhängig vom Fahrzeughersteller. Und man könnte sogar – wie bei klassischen Tankstellen – anschreiben, wie teuer der Strom ist.

Liebe Elektrokonzerne: Ihr seid am Zug, so wie einst die Mineralölkonzerne und vermasselt die Chancen nicht, die ihr jetzt gerade noch habt!

Außer EnBW scheint kein Stromkonzern diese Chance zu erkennen. Leider. Ölkonzerbe vertreiben ihr Produkt ja auch selber an den Tankstellen. Von den Stromkonzernen bzw. Netzbetreibern scheint das keiner zu wollen. Ich habe das Gefühl die Auto Industrie hat gehofft sie würden das tun. Es scheint sich aber irgendwie die Erkenntnis durchzusetzen, dass das nichts wird.

Vielleicht machen sie es wie die Telekom – erst wollte die keine Glasfaserkabel verlegen, aber kaum hatte die Konkurrenz in der Gemeinde ihre verbuddelt, da kommt die Telekom und verbuddelt auch welche – vermutlich wachen die Stromkonzerne erst auf, wenn fast alle Autohersteller Ladestationen haben.

Mitsamt Loungebereich, einzigartigem Design und Überdachung – ja geht’s noch? Und enBw hängt sich auch noch rein. Gut. Da haben dann mal Halb-Bürokraten und Schw…-Fixierte aus dem Home-Office endlich mal Gelegenheit zu kommunizieren – an der Tankstelle. Gruß vom Öl-Prinz aus Wanne.

Da Porsche ja wahrscheinlich weiterhin im Luxussegment bleiben wird, ist es doch äußerst unwahrscheinlich dass die Lade Säulen genau dort sein werden wo der Luxus Porsche Besitzer sie braucht.
Dieser Weg geht leider völlig in die falsche Richtung, aber das wird Porsche auch bald merken – dann labelt man die Säulen eben auf Ionity um – und verliert nur noch weiter.

Immerhin macht Porsche nicht den Versuch mit einem anderen Begriff (Power Day) so zu tun, als ob sie gerade das Rad erfunden haben.
Ja – es ist ein Vorteil, wenn man den künftigen Bedarf an Batterien in-house sicherstellt.
Und ja es wäre schön, wenn ich mein 180.000€ Porsche auch im Luxushotel laden kann.
Den Begriff „Destination Charger“ darf man sich daher gerne von Tesla anschauen, sonst kommt bald Seat, Audi und VW noch mit einem wohlklingenden Begriff aus der hauseigenen PR Abteilung.
Resultat: der Kunde ist dann Begrifflich bei Ladesäulen genau so verwirrt wie im Dschungel der Ladeinfrastruktur.

Was heute schon da ist reicht wirklich

  • AC Lader
  • DC Lader
  • Schnellladesäule
  • HPC Lader
  • Super Charger
  • Destination Lader
  • Onboard Lader
  • Lade Punkt
  • Ladepark

wir brauchen da wahrlich keine neuen Begriffe mehr.

Süß allerdings finde ich, daß sich jetzt alle Firmen, bei denen bisher nur Fahrdynamik auf der Agenda stand, jetzt mit greenwashing beginnen:

In dieser Pressemitteilung stehen jetzt 7 Begriffe wie:

  • Nachhaltigkeit
  • Wertschöpfungskette
  • Ökologisch & sozial
  • Dekarbonisierung
  • bilanziell CO2 neutral
  • regenerative Energieen
  • Klimabilanz

Bei den 7 hier genannten Euphemismen ist sicher jedem Bürger sofort Porsche oder Audi eingefallen 😉

Die speziellen Porscheladezentren bekommen auch noch dezente Krankenstationen angebaut, wo man sich auch noch mit Botox- und Vitaminspritzen aufpimpen lassen kann, während die € 450-Hilfkräfte das verwöhnte Schosshündchen mit Glitzerhalsband zum Häufchenmachen auf die Goflrasenwiese zerren. Antworten, auf welche die Menschheit gewartet hat…
😉

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