Piech GT (2024): Neuer Elektro-Sportwagen erfolgreich in die Erprobungsphase gestartet

Copyright Abbildung(en): Piëch Automotive AG

Wir erinnern uns noch sehr gut daran: Vor zwei Jahren auf dem Genfer Autosalon, da war er eines der Highlights: der Piëch Mark Zero. Toni Piëch, Sohn des langjährigen VW-Vorstands- und -Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, stellte 2019 auf dem Automobilsalon in Genf die von ihm mitgegründete und nach ihm benannte Marke vor. Damals versprach man uns, den elektrischen Piëch Mark Zero binnen drei Jahren fertig auf die Straße zu bringen. Und tatsächlich hat das Schweizer Start-up Wort gehalten – nun ist der Elektro-Sportwagen erfolgreich in die Erprobungsphase gestartet. Unterschied zu damals: Der Wagen hört nun auf den einprägsamen Namen Piëch GT. Ab 2024 soll er für gut Betuchte mit etwas mehr Kleingeld erhältlich sein.
Oftmals unterscheidet sich das spätere Design des Serienmodells stark von der mutigen Linienführung des Concept-Cars – nicht so beim Piëch GT. „Wir haben einen Sportwagen mit zeitlosem Design entworfen, wie wir ihn uns selber erträumen würden. Und wir haben lange mit vielen Enthusiasten darüber gesprochen, was dem Markt fehlt. Heraus kam ein moderner Klassiker, der keinen Konsumzyklen unterworfen ist. Der Fahrer unseres Sportwagens soll sich über jeden Moment freuen, den er in unserem Auto verbringt“, fasst Rea Stark Rajcic, Co-Founder und CDO von Piëch Automotive, zusammen. Schaut man ihn sich an, wirkt er ein bisschen wie ein Aston Martin mit einem Schuss Porsche. Auf der Motorhaube prangt stolz der Markenname. Wo gerade alle Welt über das automatisierte Fahren rede, gehe es darum, einen klassisch-puristischen Sportwagen zu bauen, bei dem der Fahrer im Mittelpunkt stehe, sagte Piëch bei der ersten Präsentation.
Und tatsächlich machen die technischen Daten Eindruck: Ein angestrebtes Leergewicht von unter 1.800 Kilogramm ermögliche dem Piëch GT in Kombination mit seiner Leistung von 611 PS eine Beschleunigung von null auf hundert in weniger als drei Sekunden. Rea Stark Rajcic, Co-Founder und CDO von Piëch Automotive, hatte von Anfang an den Anspruch an die Positionierung klar definiert: „Der neue Piëch GT soll überzeugend die Gene eines klassischen Sportwagens ins Elektro-Zeitalter transportieren.“ Damit das gelingen kann, produziert an der Vorderachse ein Synchronmotor 150 kW, während an der Hinterachse zwei Synchronmotoren mit je 150 kW Leistung für zusätzlichen Schub sorgen. Durch die Anordnung der Batterien (ein Teil ist im Mitteltunnel untergebracht, der Rest an der Hinterachse) sei eine ähnliche Achslastverteilung und ein Fahrverhalten möglich, wie man es bisher nur von reinen Sportwagen mit Verbrennungsmotor kenne. Das Package ermögliche – im Gegensatz zur weit verbreiteten Unterflur-Anordnung – eine sportwagentypisch niedrige Sitzposition sowie ein präzises Handling mit unmittelbarer Rückmeldung an den Fahrer.
Piëch Automotive AG

„In acht Minuten zu 80 Prozent SoC“

Seit seiner Vorstellung wurde aber nicht nur der Name geändert. Eine wesentliche Neuerung erfuhr zudem die Batterie- und Batteriezellen-Technologie: Dank enger Zusammenarbeit mit Partnern in China und Europa konnte laut Unternehmen eine Lösung gefunden werden, die Vollladungen in weniger als fünf Minuten ermögliche. Im Hinblick auf die spätere Serienfertigung und kürzere Beschaffungswege der Lade-Stationen habe sich Piëch entschlossen, die Entwicklung mit Deutschen Partnern zu sichern. „Den von uns verwendeten Pouch-Zellen gehört ganz klar die Zukunft – sowohl in puncto Gewicht wie im Hinblick auf die Schnelllade-Fähigkeit. Und besonders erfreulich ist für uns, dass die eigens für Piëch entwickelte Batterie so auch ohne weiteres für die Nutzung in Serie verwendet werden kann“, betont Entwickler Klaus Schmidt (CEO/CTO der Deutschen Gruppengesellschaft). Laut auto motor und sport komme eine 180-kWh-Batterie zum Einsatz, die mit 900 kW bei einer Stromstärke von bis zu 1.500 Ampere geladen werden könne – das klingt fortschrittlich. Dank neuer Entwicklungsstufe der Batteriezelle soll der Piëch GT in acht Minuten zu 80 Prozent an jeder CCS2-Schnellladesäule aufgeladen werden können. Ein eigens entwickelter Schnelllader ermögliche diesen Vorgang sogar in weniger als fünf Minuten. Schließlich wurde mit dem Bezug des neuen Erprobungszentrums bei Memmingen ein weiterer Meilenstein des jungen Schweizer Unternehmens gelegt, um die Entwicklung weiter effizient voranzutreiben.

Die Piëch Automotive AG schlage nämlich nach eigenen Angaben ein neues Kapitel in der Erprobungsphase des Elektro-Sportwagenprojekts Piëch GT auf. „Trotz der weltweiten COVID-19-Pandemie ist es uns gelungen, die dadurch entstehenden Verzögerungen zu meistern und unser Projekt voll auf Kurs zu halten. Die bisherigen Finanzierungsrunden verliefen erfolgreich, nun können wir zuversichtlich unseren weiteren Weg Richtung Markteinführung gehen“, betont Toni Piëch, Co-Founder und CEO von Piëch Automotive. Mit dem im August von München nach Memmingen durchgeführten Umzug des Deutschen Entwicklungsteams findet das Team um Klaus Schmidt (CEO/CTO der Deutschen Gruppengesellschaft) ideale Bedingungen vor. „Uns stehen hier eine Teststrecke und die passende Logistik zur Verfügung, was die Entwicklung des Schweizer Sportwagens substanziell nach vorne bringt“, freut sich Schmidt. Jener ist übrigens kein Unbekannter. Schmidt leitete zuvor über 30 Jahre die BMW-interne Sportabteilung der M GmbH und bringt damit einige wichtige Erfahrung für das Start-up mit. Bis kommenden März (2022) soll der zweite Prototyp fertiggestellt werden, eine weitere Serie von mehreren Prototypen soll noch im selben Jahr folgen. Basierend auf deren Testergebnissen werden dann laut Piëch weitere Prototypen gebaut. Dieser Erprobungszyklus sei exakt derselbe wie bei deutschen Premium-Herstellern, betont das Schweizer Unternehmen. So werde auch bei Hitze und Staub sowie bei Minustemperaturen in Eis getestet.

Piëch Automotive AG

Modulares Konzept ermöglicht zusätzliche Varianten

„Der Erwerb eines Piëch GT muss von Anfang an ein echtes Marken- und Produkt-Erlebnis bieten. Deshalb setzen wir auf rund 60 eigene, authentische Marken-Stores und nicht auf ein herkömmliches Franchise-System“, erklärt Jochen Rudat die Sales-Strategie. Und weiter: „Wir werden den Piëch GT in den wichtigsten EU-Märkten sowie den USA und China und anderen außereuropäischen Märkten etablieren und anbieten. Als Service-Partner kommen dabei nur renommierte Unternehmen in Frage, die über ein hervorragendes und flächendeckendes Service-Netz verfügen“, so der ehemalige Elon-Musk-Europachef. Das modulare Konzept soll mit seiner Fahrzeugarchitektur als Basis für weitere Varianten dienen: GT, Sportlimousine und SUV. „Wir haben uns zunächst auf den zweisitzigen Sportwagen Piëch GT festgelegt. Für das nötige Volumen sorgt danach das sportliche Piëch SUV, bevor die viersitzige Piëch Sportlimousine unsere Produktpalette abrundet“, gibt Rea Stark Rajcic einen Ausblick auf die Zukunft des jungen Schweizer Unternehmens. „Wir sind nicht nur im Hinblick auf Design und Karosserie-Formen flexibel, sondern halten uns auch beim Thema Antrieb alle Optionen offen. Den Anfang machen Elektro-Fahrzeuge, aber sollte der Wasserstoff-Antrieb und die Brennstoffzelle ihren Durchbruch erreichen, können wir dank unserer modularen Fahrzeug-Architektur flexibel reagieren“, unterstreicht Piëch. Übrigens sollen Interessenten schon bald ihren eigenen GT reservieren können. Ab dem Jahr 2024 werde er dann erhältlich sein und an finanzkräftige Kunden ausgeliefert. Preislich soll der Sportwagen nämlich zwischen 150.000 bis 170.000 Euro liegen.

Quellen: Piëch Automotive AG, auto-motor-und-sport.de, Genfer Autosalon

Über den Autor

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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180kWh Akku und 1,8t Leergewicht wäre schon heftig 🙂

Der Preis wird auch gut dazu passen 😛

In 8 Minuten auf 80% wären 120 kWh. Das wird nicht klappen bei dem 350 bzw. 360 kW Limit aktueller CCS Lader. Damit wären es 20 Minuten. Wenn das alles stimmt und der Akku wirklich so ein Wunderakku ist. Für mich kommt das etwas überraschend. Gibt ja auch in China einige innovative Enterprises und Rimac…

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